ROUNDUP, Heizen

Bald weniger Hilfen vom Staat

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 14:46 Uhr, dpa.de

FĂŒr den Einbau von WĂ€rmepumpen und anderen klimafreundlichen Heizungen soll es nach PlĂ€nen der Bundesregierung bald weniger Zuschuss vom Staat geben.

Dies geht aus einer Vorlage fĂŒr eine Sitzung des Haushaltsausschusses im Bundestag am Mittwoch hervor. Der Bund will rund 2,1 Milliarden Euro bis 2030 sparen. Von den GrĂŒnen kommt bereits Kritik.

Bisher ist beim Umstieg auf eine klimafreundliche Heizung eine staatliche Förderung bis zu 70 Prozent möglich. Der maximal erhĂ€ltliche Investitionskostenzuschuss fĂŒr den Heizungstausch betrĂ€gt 21.000 Euro. Damit soll es schrittweise bis 2030 um mehrere Tausend Euro abwĂ€rtsgehen, wenn die Vorlage so vom Haushaltsausschuss bestĂ€tigt wird.

Alle sechs Monate runter

Bei der Förderung soll die Höchstfördersumme fĂŒr Menschen mit Jahreseinkommen ĂŒber 30.000 Euro noch in diesem Jahr von 21.000 auf 19.600 Euro verringert werden, dann schrittweise alle sechs Monate weiter bis auf 13.200 Euro im Jahr 2030. FĂŒr Einkommen ab 40.000 Euro im Jahr gilt schon jetzt eine maximale Fördersumme von 16.500 Euro. Diese soll ebenfalls schrittweise sinken - in einem ersten Schritt noch 2026 auf 15.680 und dann weiter bis auf 8.800 Euro im Jahr 2030.

FĂŒr Menschen mit mehr als 50.000 Euro Jahreseinkommen geht es den PlĂ€nen zufolge noch stĂ€rker runter: von heute 16.500 Euro Zuschuss auf zunĂ€chst 12.880 und dann bis 2030 weiter im Sechs-Monats-Takt Schritt fĂŒr Schritt auf 6.600 Euro.

Soziale Staffelung und Kinderbonus

Besser als bisher gestellt werden vorerst Menschen mit sehr geringen Jahreseinkommen unter 30.000 Euro. Sie können der Vorlage zufolge dieses Jahr mit bis zu 22.400 Euro fĂŒr den Einbau klimafreundlicher Heizungen rechnen.

Geplant ist zudem ein Kinderbonus. FĂŒr eine Familie mit Kind steigt demnach die Einkommensschwelle fĂŒr die höchste Fördersumme auf 40.000 Euro. Dieser 10.000-Euro-Bonus bei Familien mit Kindern gilt auch fĂŒr höhere Einkommen. Das heißt, die Schwelle fĂŒr höhere Fördersummen liegt jeweils etwas höher und damit fĂŒr die Familien gĂŒnstiger.

Reform des Heizgesetzes

Die Änderungen bei der Förderung kommen parallel zur geplanten Reform des bisherigen Heizungsgesetzes. Die schwarz-rote Koalition will im neuen GebĂ€udemodernisierungsgesetz Kernpunkte der von der frĂŒheren Ampel-Regierung beschlossenen Regelungen kippen. Der Kern des bestehenden GebĂ€udeenergiegesetzes soll wegfallen, nĂ€mlich die 65-Prozent-Regelung: Diese sieht vor, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Auch kĂŒnftig sollen neue Gas- und Ölheizungen eingebaut werden können - Voraussetzung ist, dass diese schrittweise einen zunehmenden Anteil CO2-neutraler Brennstoffe wie Biomethan nutzen.

GrĂŒne befĂŒrchten Verunsicherung

Die GrĂŒnen befĂŒrchten, dass durch KĂŒrzungen Verunsicherung entsteht. "Das ist verantwortungslos", monierte Energieexperte Alaa Alhamwi. Jeder Förder-Euro sorge fĂŒr die Investition von weiteren vier Euro und stĂ€rke damit das Handwerk und die WĂ€rmepumpenindustrie. Die Bundesregierung gefĂ€hrde die WĂ€rmewende.

Der WĂ€rmepumpenhersteller Enpal erklĂ€rte hingegen: "Mit der Entscheidung zur Förderung gibt es die Planungssicherheit, die die Branche braucht. Jetzt sollte der Fokus darauf liegen, emissionsarmes Heizen dauerhaft wettbewerbsfĂ€hig zu machen." Die Branche erwarte aber, dass Deutschland in Europa eine Vorreiterrolle einnehme und auch an der CO2-Bepreisung festhalte, um die Kosten von Öl und Gas sichtbar zu machen.

Branche: Notwendige Investitionen nicht ausbremsen

Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie kommentierte, die Bundesregierung verfolge mit den geplanten Anpassungen der Förderung das Ziel, diese sozial zielgenauer auszugestalten und zugleich ab 2027 Haushaltsmittel einzusparen. "Entscheidend ist aus Sicht der Heizungsindustrie jedoch, dass notwendige Investitionen in den GebĂ€udebestand nicht ausgebremst werden." Gerade in der aktuellen Phase der Marktstabilisierung sollten Anpassungen an der Förderung mit "Augenmaß" erfolgen. Es stelle sich die Frage nach einer zeitlichen Notwendigkeit von Anpassungen bereits im Jahr 2026. Bei zentralen Umsetzungsfragen bestehe KlĂ€rungsbedarf.

Der Bundesverband WĂ€rmepumpe erklĂ€rte, die Bundesregierung und die staatliche Förderbank KfW mĂŒssten eine nahtlose und verbraucherfreundliche Umstellung auf die neuen Förderbedingungen sicherstellen. "Eine Aussetzung der Antragsmöglichkeit wĂ€re ein falsches Signal an Verbraucherinnen und Verbraucher, Fachhandwerk und alle anderen Marktteilnehmer. Diese brauchen ausreichend Zeit, um die neuen Förderbedingungen einzuordnen und verlĂ€sslich zu kommunizieren."

Wenig Erneuerbare im Bestand

Die WÀrmepumpe hat sich in letzter Zeit vor allem in neuen WohngebÀuden durchgesetzt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts werden knapp drei Viertel (73,6 Prozent) der rund 58.900 WohngebÀude, die 2025 fertiggestellt wurden, so beheizt.

Bei bestehenden WohnhĂ€usern sieht es anders aus. Mehr als die HĂ€lfte wurden nach Daten des Zensus 2022 mit Erdgas beheizt. Bei rund einem Viertel kam Heizöl zum Einsatz. Erneuerbare Energien spielten im Bestand mit einem Anteil von gut zehn Prozent eine untergeordnete Rolle. Genau das ist die Zielgruppe fĂŒr den staatlich geförderten Heizungstausch.

Der GebÀudesektor ist zentral, um das Ziel der KlimaneutralitÀt in Deutschland bis 2045 zu erreichen, er verursacht rund ein Drittel der CO2-Emissionen. Doch das energetische Sanieren des Bestands kommt nur langsam voran.

Finanzminister muss sparen

Aus dem Finanzministerium war bereits am Wochenende bekanntgeworden, dass Finanzhilfen abgebaut werden und dies auch KĂŒrzungen bei der Heizungsförderung aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) zur Folge haben könnte. Hintergrund ist die angespannte Finanzlage. Bereits zugesagte Förderungen sollen nicht angetastet werden.

Laut Haushaltsentwurf sollen im kommenden Jahr Einnahmen aus dem Emissionshandel, die bisher in den KTF geflossen sind, teilweise fĂŒr den Kernhaushalt genutzt werden. Es geht um eine Summe von 2,7 Milliarden Euro. Aus dem KTF werden unterschiedliche Förderprogramme finanziert - darunter ist mit Milliardenmitteln die Bundesförderung fĂŒr effiziente GebĂ€ude.

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