USA bekommen Zollvorteile unter Vorbehalt
20.05.2026 - 06:10:15 | dpa.de(Neu: weitere Details)
STRASSBURG (dpa-AFX) - In der EU gibt es eine Einigung auf die vollstĂ€ndige Umsetzung des umstrittenen Zolldeals mit den USA. Unter dem Eindruck der jĂŒngsten Drohungen von US-PrĂ€sident Donald Trump verstĂ€ndigten sich Vertreter der Regierungen und des EuropĂ€ischen Parlaments in der Nacht darauf, Zölle auf US-IndustriegĂŒter abzuschaffen und US-MeeresfrĂŒchten sowie Agrarprodukten einen besseren Marktzugang zu gewĂ€hren. Ein Sicherheitsnetz soll aber dafĂŒr sorgen, dass die Vorteile nur dann gelten, wenn auch die USA ihre Verpflichtungen aus dem Abkommen vollstĂ€ndig umsetzen.
Konkret ist unter anderem vorgesehen, dass die EU-ZollzugestĂ€ndnisse bei VerstöĂen der USA gegen Absprachen wieder ausgesetzt werden können. Dies könnten etwa erneute Zollerhöhungen sein. Zudem soll ein festes Ablaufdatum festgelegt werden. "Zum Stichtag 31.12.2029 werden die Auswirkungen auf Europas Wirtschaft ĂŒberprĂŒft", erklĂ€rte der Vorsitzende des Handelsausschusses im EuropĂ€ischen Parlament, Bernd Lange (SPD). "Sollte sich zeigen, dass europĂ€ische Unternehmen geschĂ€digt werden oder neue Ungleichgewichte entstehen, wird somit automatisch die Notbremse gezogen."
Nach Angaben von Lange wird zudem eine kontinuierliche Ăberwachung etabliert. Die EU-Kommission muss demnach kĂŒnftig alle drei Monate ĂŒber die Handelsentwicklung berichten. Sechs Monate vor Ablauf der Zollvorteile muss die Kommission darĂŒber hinaus eine umfassende Bewertung vorlegen. Auf dieser Grundlage sollen die EU-Institutionen dann ĂŒber eine mögliche VerlĂ€ngerung der fĂŒr die USA vorteilhaften Regelungen entscheiden.
Zolldeal wurde im vergangenen Sommer vereinbart
Mit dem im vergangenen Jahr vereinbarten Zolldeal war es der EU gelungen, einen drohenden Handelskrieg abzuwenden. Gleichzeitig musste die Staatengemeinschaft aber US-Zölle in Höhe von bis zu 15 Prozent auf die meisten Warenexporte in die Vereinigten Staaten akzeptieren und weitere ZugestĂ€ndnisse wie die Abschaffung von EU-Zöllen auf US-IndustriegĂŒter machen.
Trump hatte der EU zuletzt vorgeworfen, sich nicht an die Abmachungen zu halten und mitgeteilt, er wolle Zölle auf Autos und Lastwagen, die aus der EU in die USA eingefĂŒhrt werden, auf 25 Prozent erhöhen.
Vor knapp zwei Wochen setzte er dann eine Frist fĂŒr die Umsetzung der Handelsvereinbarung. Sollte die EU nicht bis zum US-Nationalfeiertag am 4. Juli ihren Teil des Abkommens erfĂŒllen, wĂŒrden die Zölle "leider sofort auf ein viel höheres Niveau steigen", teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit.
Grönland-Konflikt verzögerte Arbeiten an Deal
Die EU hatte vor allem die Autozoll-Drohungen scharf kritisiert, bemĂŒht sich mit der Einigung jetzt aber dennoch um Deeskalation. Die Verzögerungen bei der Umsetzung der EU-Zusagen werden mit von Trump provozierten Streitigkeiten und Konflikten erklĂ€rt. So lagen die Arbeiten in BrĂŒssel zwischenzeitlich wochenlang auf Eis, weil Trump im Grönland-Konflikt neue Zölle gegen EU-Staaten angekĂŒndigt hatte.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte unterdessen zuletzt ein StĂŒck weit VerstĂ€ndnis fĂŒr Trumps Ungeduld gezeigt und als Grund fĂŒr die Verzögerungen auch WiderstĂ€nde im Parlament genannt. Trump sei "zu Recht ein bisschen enttĂ€uscht" darĂŒber, dass die EU mit dem Zollabkommen noch nicht zu einem Abschluss gekommen sei, sagte der CDU-Politiker jĂŒngst in der ARD-Sendung "Caren Miosga".
Der Fraktionschef der Linken im Europaparlament, Martin Schirdewan, kritisierte in der Nacht zum Mittwoch, dass das Parlament in den Verhandlungen mit den Regierungsvertretern vereinbarte Positionen letztlich aufgegeben habe. "Das EuropĂ€ische Parlament lĂ€sst sich in einen schlechten Handelsdeal mit den USA zwingen", sagte der Deutsche. Es fehle der politische Wille, sich gegen die Erpressung von Trump zu stellen und das neue Instrument gegen ZwangsmaĂnahmen konsequent anzuwenden.
Zudem kritisierte Schirdewan, dass der Deal der EU-Kommission weiter Handlungsbefugnisse einrÀume, obwohl sie den "schlechten Deal" ausgehandelt habe.
Die Einigung der Vertreter der Mitgliedstaaten und des Parlaments muss jetzt noch vom Ministerrat und dem Plenum des Parlaments bestÀtigt werden. Bis spÀtestens zum 4. Juli sollen die Regelungen dann in Kraft treten.
FĂŒr die Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks steht bei dem Deal viel auf dem Spiel. Die EU und die Vereinigten Staaten unterhalten umfassende bilaterale Handels- und Investitionsbeziehungen. EU-Zahlen zufolge geht es um fast 30 Prozent des weltweiten Handels mit Waren und Dienstleistungen und um 43 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. 2024 belief sich der Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und den USA auf ein Volumen von rund 1,7 Billionen Euro.
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