ROUNDUP, Merz

Merz will Iran Lockangebot machen - EU berÀt

24.04.2026 - 14:38:17 | dpa.de

Unter dem Druck massiv gestiegener Energiepreise wegen der Blockade der Straße von Hormus werden in der EU jetzt auch mögliche ZugestĂ€ndnisse an den Iran erwogen.

Zu Beratungen bei einem zweitĂ€gigen informellen EU-Gipfel in Zypern reiste Kanzler Friedrich Merz mit einem Vorstoß der Bundesregierung an. Er sieht vor, dem Iran eine schrittweise Lockerung von Sanktionen anzubieten, wenn eine umfassende Übereinkunft zur Freigabe der Straße von Hormus erzielt werden kann, wie aus einer ErklĂ€rung der Bundesregierung hervorging.

Dass Gas- und Öltanker derzeit wegen iranischer Gewaltandrohungen nicht ungehindert durch die Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel fahren können, ist einer der zentralen GrĂŒnde dafĂŒr, dass die Energiepreise weltweit explodiert sind.

Spaniens Regierungschef Pedro SĂĄnchez kritisierte beim Gipfel in Zypern, dass die Kosten fĂŒr den Import fossiler Brennstoffe in Europa seit Beginn des Krieges um 24 Milliarden Euro gestiegen seien. "Das entspricht rund 500 Millionen Euro pro Tag", sagte er. Der finnische MinisterprĂ€sident Petteri Orpo sagte, er sei bereit, darĂŒber zu sprechen, wie man zu einer Waffenruhe beitragen könne.

Iran könnte auf neue Exporterlöse hoffen

Eine Lockerung von Sanktionen wĂ€re ein großes ZugestĂ€ndnis, vor allem, da die EU ihre Strafmaßnahmen gegen den Iran nach der brutalen Niederschlagung von Protesten Anfang des Jahres noch einmal verschĂ€rft hatte. Dabei waren SchĂ€tzungen zufolge mehr als 17.000 Menschen getötet worden. Damals hatte der Iran allerdings die Straße von Hormus noch nicht blockiert. Dieser Schritt erfolgte erst nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs, den die USA und Israel Ende Februar mit Angriffen gegen die Islamische Republik begonnen hatten.

Um den Iran zu einer Wiederfreigabe der Straße von Hormus und zu einem Abkommen ĂŒber ein Kriegsende zu bewegen, hatte zuletzt auch US-PrĂ€sident Donald Trump dem Iran fĂŒr diesen Fall Sanktionslockerungen in Aussicht gestellt. Er will allerdings auch erreichen, dass der Iran langfristig auf NuklearaktivitĂ€ten verzichtet, die zum Bau einer Atombombe genutzt werden können.

Handelsvolumen mit Iran war zuletzt sehr niedrig

Zu den Sanktionen, die der Iran seit Jahren gelockert sehen will, gehören diejenigen, die einen Verkauf von Rohöl, Ölprodukten und Erdgas in die EU unmöglich machen. Zudem sind aber auch zahlreiche andere Handelsbereiche sowie zahlreiche iranische Banken und der Verkehrssektor von weitreichenden Sanktionen betroffen. Sie wurden ĂŒber einen Beschluss der Vereinten Nationen eingefĂŒhrt, um den Bau einer iranischen Atombombe zu verhindern. Hinzu kommen noch zahlreiche EU-Strafmaßnahmen gegen iranische Organisationen und Personen, die Russlands Krieg gegen die Ukraine unterstĂŒtzen und an schweren Menschenrechtsverletzungen beteiligt sind. Sie wurden zuletzt immer wieder verschĂ€rft.

Wie es mit dem Vorstoß der Bundesregierung weitergeht, blieb am Freitag zunĂ€chst unklar. Denkbar ist, dass er nun von den USA genutzt wird, um den Iran zu weiteren Verhandlungen zu bewegen. Zum Abschluss des informellen Gipfels trafen sich Merz und die anderen EU-Spitzen auch noch mit den PrĂ€sidenten von Ägypten, Libanon und Syrien sowie Jordaniens Kronprinz. Mit ihnen sollen DeeskalationsbemĂŒhungen eng abgestimmt werden.

Von der Leyen prÀsentiert Handlungsoptionen

Bereits am Donnerstag war es bei dem Gipfel auch um mögliche Maßnahmen gegangen, um die Energiekosten fĂŒr Europas Verbraucher und Unternehmen zu senken. Die EU-Kommission hatte zuvor unter anderem vorgeschlagen, die Kraftstoffversorgung stĂ€rker zu koordinieren, um FlugausfĂ€lle zu vermeiden. Der belgische Premierminister Bart De Wever sagte auf die Frage, ob die Kommission genug tue, um die Menschen vor hohen Energiepreisen zu schĂŒtzen: "Sie tut, was sie kann - das ist vielleicht nicht genug, aber es ist das, was sie tun kann."

Vor den GesprĂ€chen zum Iran-Krieg hatten die EU-Spitzen am Donnerstagabend rund eine Stunde mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj ĂŒber den Abwehrkampf seines Landes gegen Russland beraten. Selenskyj begrĂŒĂŸte in Zypern die kurz zuvor in BrĂŒssel erfolgten BeschlĂŒsse fĂŒr ein neues, 90 Milliarden Euro schweres EU-UnterstĂŒtzungsdarlehen und ein neues Paket mit Russland-Sanktionen.

Möglich geworden waren sie dadurch, dass der scheidende ungarische Regierungschef Viktor Orban eine monatelange Blockade aufgegeben hatte. Orban nimmt nicht am Gipfel in dem Inselstaat im östlichen Mittelmeer teil. Er wird sein Amt voraussichtlich am 9. Mai an Peter Magyar abgeben mĂŒssen. Dieser hatte mit seiner Tisza-Partei vor knapp zwei Wochen klar die Parlamentswahl in Ungarn gewonnen.

Diskussionen um neuen EU-Haushalt

Hauptthema des zweiten Gipfeltages war die Arbeit am langfristigen Haushalt fĂŒr die Jahre 2028 bis 2034. Ein zentraler Streitpunkt ist dabei, wie die ehrgeizigen Vorhaben der EU - etwa die StĂ€rkung der WettbewerbsfĂ€higkeit und der Ausbau der VerteidigungsfĂ€higkeiten - finanziert werden können, wĂ€hrend viele Mitgliedstaaten nach aufeinanderfolgenden Krisen finanziell unter Druck stehen.

Das Treffen in Zypern fand unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt, Polizei und MilitĂ€r waren in höchster Alarmbereitschaft, Straßen gesperrt, der Einsatz von Drohnen inselweit verboten. Nachdem im MĂ€rz eine iranische Drohne auf einem britischen StĂŒtzpunkt in Zypern eingeschlagen war, befinden sich auf der Insel und um sie herum zudem starke MilitĂ€reinheiten aus Frankreich, Griechenland und anderen EU-Staaten. Im MĂ€rz waren mehrere in Zypern geplante EU-Ministertreffen wegen der VorfĂ€lle abgesagt worden.

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