Trump droht EuropÀern mit Zöllen
26.06.2026 - 22:14:49 | dpa.de(neu: Reaktion der EU-Kommission, Einordnung)
WASHINGTON (dpa-AFX) - US-PrĂ€sident Donald Trump droht europĂ€ischen LĂ€ndern mit neuen Zöllen in Höhe von 100 Prozent, sollten sie Digitalsteuern beschlieĂen. Die Zölle wĂŒrden an die Stelle vereinbarter Zollabkommen treten, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. Das gelte unabhĂ€ngig davon, ob die Abkommen bereits umgesetzt oder unterschrieben seien.
Die neuen Zölle wĂŒrden auf sĂ€mtliche Waren erhoben, die in die USA exportiert werden, schrieb Trump weiter. Sein Vorgehen begrĂŒndete er damit, dass einige LĂ€nder kurz davor seien, Digitalabgaben zu beschlieĂen, die amerikanische Konzerne treffen wĂŒrden. Konkrete LĂ€nder nannte der PrĂ€sident nicht. Sollten solche Zölle kommen, will die EU das laut einem Sprecher der Kommission nicht einfach hinnehmen.
PlÀne auch in Deutschland
Auch in Deutschland gab es in der Vergangenheit immer wieder PlĂ€ne fĂŒr eine Digitalabgabe groĂer Internetkonzerne. So warb der parteilose Medienstaatsminister Wolfram Weimer schon seit lĂ€ngerem fĂŒr eine Abgabe, damit Google US02079K1079 und andere Konzerne einen Anteil ihrer Erlöse abgeben, um das deutsche Mediensystem zu stĂŒtzen. Er setzte auf eine zweckgebundene Plattformabgabe fĂŒr Medien.
Es gab dazu aber innerhalb der schwarz-roten Koalition unterschiedliche Positionen. So setzten Sozialdemokraten vor einiger Zeit auf eine klassische Digitalsteuer.
Die Digitalabgabe wĂŒrde groĂe Internetkonzerne wie Google und Meta US30303M1027 treffen. Vorbild ist Ăsterreich. Dort sind groĂe Online-Plattformen seit 2020 verpflichtet, fĂŒnf Prozent der EinkĂŒnfte aus der Werbevermarktung abzufĂŒhren.
Weimer verteidigte nach Trumps Post seine Ăberlegungen. Die Nachrichtenseite ntv.de zitierte ihn mit den Worten: "Uns geht es nicht um einseitige Diskriminierungen von US-Firmen, sondern um faire Wettbewerbsbedingungen und einen vielfĂ€ltigen Medienmarkt fĂŒr alle." Er sagte auch: "Die Medienregulierung groĂer Plattformen sollte kein handelspolitisches Thema werden."
Trump drohte immer wieder
Es ist nicht das erste Mal, dass Trump eine Digitalabgabe verurteilt und mit Zöllen droht. Im August 2025 hatte er schon einmal eine Warnung an LÀnder ausgesprochen, solche Abgaben zu stoppen. Er hatte kein explizites Land genannt.
AuĂerdem hatte er wegen der Besteuerung von US-Konzernen bereits explizit GroĂbritannien gedroht, die Zolldrohung aber bis heute nicht wahr gemacht.
Zölle sind ein zentrales Element in Trumps zweiter Amtszeit, jedoch stieĂ er mit der aggressiven Zollpolitik auch an Grenzen. So hatte der Oberste Gerichtshof in den USA viele seiner Zölle fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rt, die Trump unter Berufung auf ein Notstandsgesetz per Dekret verhĂ€ngt hatte.
Rechtliche Grundlage unklar
Der US-PrĂ€sident sprach in seiner Drohung nun davon, die neuen Zölle "unmittelbar" zu verhĂ€ngen, falls LĂ€nder Digitalsteuern beschlieĂen. Welche rechtliche Grundlage ihm das so schnell erlauben könnte, blieb allerdings unklar.
Einen Hebel, auf den Trump nach der Niederlage vor dem Supreme Court bereits mehrfach zurĂŒckgriff, ist die Einleitungen von Untersuchungen wegen mutmaĂlich unfairer Praktiken auf Basis eines Passus eines Handelsgesetzes von 1974. Je nach Ausgang könnten solche Untersuchungen neue Zölle rechtfertigen. In der Vergangenheit hatten die USA schon einmal Zolluntersuchungen wegen Digitalsteuern unter anderem gegen Frankreich, Ăsterreich, Spanien, Italien eingeleitet.
EU hat Zollabkommen gebilligt
Erst am Vortag hatten die EU-LĂ€nder in Luxemburg grĂŒnes Licht dafĂŒr gegeben, die Zölle auf US-IndustriegĂŒter abzuschaffen und US-MeeresfrĂŒchten sowie Agrarprodukten einen besseren Marktzugang zu gewĂ€hren. Das Handelsabkommen zwischen EU und USA hĂ€tte damit bald vollstĂ€ndig umgesetzt werden können.
Ein Sicherheitsnetz soll aber dafĂŒr sorgen, dass die Vorteile nur dann gelten, wenn auch die USA ihre Verpflichtungen aus dem Abkommen vollstĂ€ndig umsetzen. Darauf hatten sich das Europaparlament und die Staaten nach langem Ringen geeinigt. Unter anderem ist vorgesehen, dass die EU ZollgestĂ€ndnisse aussetzen kann, falls die USA gegen Absprachen verstöĂt - etwa durch erneute Zollerhöhungen.
Ein Sprecher der EU-Kommission teilte als Reaktion auf Trumps Drohung mit, Steuern diskriminierten nicht und wĂŒrden "gleichermaĂen fĂŒr alle groĂen Unternehmen" gelten, unabhĂ€ngig von ihrer Herkunft. "Einseitige MaĂnahmen, die sich gegen solche legitimen politischen MaĂnahmen richten, sind ungerechtfertigt. Sollten solche MaĂnahmen ergriffen werden, wird die EU rasch und entschlossen reagieren, um ihre Rechte und ihre regulatorische Autonomie zu verteidigen."
