AfD pfeift Politiker zurĂŒck: Kein Treffen mit Medwedew
06.11.2025 - 17:13:57 | dpa.deBei einer Reise mehrerer AfD-Politiker nach Russland in der kommenden Woche soll es nicht zu einem Treffen mit Ex-PrĂ€sident Dmitri Medwedew kommen. Der stellvertretende Fraktionschef der Bundestagsfraktion und auĂenpolitische Sprecher Markus Frohnmaier teilte auf Nachfrage mit, es werde kein Treffen mit Medwedew stattfinden. Aus Kreisen der Bundestagsfraktion hieĂ es, fĂŒr ein Treffen gebe es keine Zustimmung. Das gilt nach Informationen aus Parteikreisen fĂŒr alle Beteiligten der Reise.
Zuvor war bestĂ€tigt worden, dass die AfD-Bundestagsabgeordneten Steffen KotrĂ© und Rainer RothfuĂ, der sĂ€chsische AfD-Landeschef Jörg Urban und der AfD-Europaabgeordnete Hans Neuhoff in der kommenden Woche zu einer Konferenz der sogenannten Brics-Staaten in den Schwarzmeerort Sotschi reisen wollen. Demnach handelt es sich um das «Brics-Europa-Symposium». Die AbkĂŒrzung Brics steht fĂŒr Brasilien, Russland, Indien, China und SĂŒdafrika - inzwischen gehören der Staatengruppe aber auch weitere LĂ€nder an.
Rothfuà hatte dem Portal «t-online» gesagt, er werde am Abend vor der Konferenz an einer Diskussionsrunde mit Medwedew teilnehmen. Die Runde mit ihm sei schon im Vorjahr ein «lohnender Termin» gewesen und habe einen «so differenzierten wie intensiven Blick» ermöglicht. Medwedew ist heute Vizechef des russischen Sicherheitsrates ist und spielt in der Moskauer Kommunikation oft die Rolle eines Scharfmachers.
Verbindungen nach Russland und Kontaktpflege zu Trump
GrundsĂ€tzlich steht die AfD-Bundestagsfraktion den ReiseplĂ€nen ihrer beiden Abgeordneten positiv gegenĂŒber. Der Fraktionsvorstand habe zugestimmt, die Kosten trage die Fraktion, sagte ein Sprecher. Die FraktionsfĂŒhrung werte dies als Gelegenheit, in ErgĂ€nzung zu den intensiven politischen Kontakten in die USA auch die GesprĂ€chskanĂ€le nach Russland offenzuhalten. «Das entspricht der Auffassung der AfD-Fraktion, dass GesprĂ€che mit allen internationalen Beteiligten die Grundlage fĂŒr ein friedliches Zusammenleben sind.»Â
Mehrere AfD-Spitzenpolitiker waren zuletzt in den USA. Die AfD pflegt nach eigenen Angaben Kontakte zur Regierung von PrĂ€sident Donald Trump und den Republikanern. VizeprĂ€sident JD Vance hatte die Partei vor der Bundestagswahl auch demonstrativ unterstĂŒtzt und Parteichefin Alice Weidel am Rande der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz getroffen. Am Mittwoch besuchte Alex Bruesewitz, Social-Media-Berater von Trump, die AfD-Fraktion in Berlin und nahm an einer Diskussionsveranstaltung teil.
Kotré: Nehmen deutsche Interessen wahr
Der Bundestagsabgeordnete Steffen KotrĂ© begrĂŒndete die geplante Russlandreise so: «Wir nehmen die deutschen Interessen wahr, die die Bundesregierung nicht mehr verfolgt: preiswerte Energielieferungen, Friedensdiplomatie, Kontakte zu Vertretern der Brics-Staaten.» KotrĂ© war auch schon einmal in der Talkshow des russischen TV-Propagandisten Wladimir Solowjow aufgetreten. Sachsens AfD-Chef Urban sagte: «Die Russland-Sanktionen schaden unserem Land sehr stark. Sobald die AfD in Regierungsverantwortung ist, werden wir sie abschaffen.»
CSU wiederholt «VaterlandsverrÀter»-Vorwurf
Andere Parteien sehen kein Handeln im deutschen Interesse, sondern das genaue Gegenteil. Russland sei mittlerweile eine Autokratie, die nicht auf Augenhöhe mit anderen agiere, sondern andere beherrschen wolle. Auch die AfD werde keine gleichberechtigten GesprĂ€che fĂŒhren können, sagte der Chef der CSU-Abgeordneten im Bundestag, Alexander Hoffmann, dem MĂŒnchner Merkur (Freitag). «Dass sich eine Partei derart naiv zum WassertrĂ€ger des Kreml macht, halte ich fĂŒr maximal problematisch. Das sind keine Vaterlandsvertreter, sondern VaterlandsverrĂ€ter.»
Der Osteuropa-Verantwortliche der GrĂŒnen-Fraktion, Robin Wagener, erklĂ€rte, die AfD stehe «nicht auf dem Boden des Grundgesetzes, sondern im Dienst des Kremls. Mit der Reise nach Sotschi machen sich die AfD-Politiker zum Propaganda-VerstĂ€rker fĂŒr das russische Gewaltregime».
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