AfD bleibt laut Steffen Mau dauerhaft in Parteienlandschaft
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 14:15 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSMau sieht dauerhafte AfD-PrÀsenz
- Steffen Mau hĂ€lt ein baldiges Verschwinden der AfD aus der Parteienlandschaft fĂŒr unrealistisch.
- Der Soziologe unterschÀtzte nach eigener Aussage das Tempo der gesellschaftlichen Polarisierung.
- Mau sieht CDU und SPD wegen fehlender ZukunftsentwĂŒrfe und verlorener gesellschaftlicher Kontakte in einer Krise.
- FĂŒr die demokratische StabilitĂ€t fordert er vor allem handlungsfĂ€hige Regierungen.
Steffen Mau sieht AfD dauerhaft in deutscher Parteienlandschaft
Der Soziologe Steffen Mau hĂ€lt ein baldiges Verschwinden der AfD aus der deutschen Parteienlandschaft fĂŒr unrealistisch. Die Partei könne politisch in Schach gehalten werden, werde aber nicht so schnell verschwinden.
Polarisierung nimmt aus seiner Sicht schneller zu
Mau sagte, er habe das Tempo der gesellschaftlichen Polarisierung unterschÀtzt. Die politische Spaltung werde von Akteuren gezielt verschÀrft und verfestige sich zunehmend in der Gesellschaft.
Die AfD profitiere dabei von verbreiteter Verunsicherung und dem Verlust wirtschaftlicher Zuversicht. Sie nutze gesellschaftliche Aufregung geschickt fĂŒr sich, verfĂŒge nach Maus EinschĂ€tzung in vielen politischen Fragen aber nicht ĂŒber eine konsensfĂ€hige Programmatik.
Volksparteien verlieren gesellschaftliche Bindungen
CDU und SPD sieht Mau in einer tiefen Krise. Beide Parteien hÀtten den Zugang zu wichtigen gesellschaftlichen Gruppen verloren und litten unter einem inhaltlichen Leerlauf.
Die traditionellen Volksparteien seien âfast auf dem Weg der Verzwergungâ, sagte der Soziologe. Sie könnten nicht mehr in ZukunftsentwĂŒrfen denken.
HandlungsfÀhige Regierungen als Voraussetzung
FĂŒr die AfD verwendet Mau das Bild eines âpolitischen Wegelagerersâ, der gesellschaftliche Aufregung ausschlachte. Eine dauerhafte Stabilisierung der Demokratie erfordere deshalb vor allem handlungsfĂ€hige Regierungen.
Steffen Maus EinschĂ€tzung fĂ€llt in eine Phase, in der die AfD in bundesweiten Umfragen weiterhin eine starke Position einnimmt. Eine am 5. November veröffentlichte Sonntagsfrage sah die Partei bei 27 Prozent und damit vor der Union und den GrĂŒnen. Das macht den von Mau beschriebenen langfristigen Charakter der Entwicklung politisch relevant: Die AfD ist nicht nur ein kurzfristiges ProtestphĂ€nomen, sondern verfĂŒgt ĂŒber ein dauerhaft groĂes WĂ€hlerpotenzial.
Parallel zeigt sich eine strukturelle SchwĂ€che der Parteien der Mitte. Der Soziologe fĂŒhrt sie auf den Verlust gesellschaftlicher Bindungen, fehlende ZukunftsentwĂŒrfe und wirtschaftliche Verunsicherung zurĂŒck. Befragungen zur politischen Haltung jĂŒngerer Menschen deuten zudem auf eine stĂ€rkere Distanz zur politischen Mitte hin. FĂŒr CDU und SPD verschĂ€rft das den Druck, wieder erkennbare Angebote fĂŒr unterschiedliche soziale Gruppen zu formulieren.
Politische Folgen fĂŒr die Mitte
Eine stabile Demokratie hĂ€ngt dabei nicht allein von der StĂ€rke einer einzelnen Partei ab, sondern auch von der FĂ€higkeit demokratischer KrĂ€fte, Konflikte politisch zu bearbeiten. HandlungsfĂ€hige Regierungen, nachvollziehbare Entscheidungen und glaubwĂŒrdige Antworten auf wirtschaftliche Sorgen können den Resonanzraum fĂŒr radikale Protestangebote verkleinern. Das kurzfristige politische Ziel, die AfD parlamentarisch einzuhegen, ersetzt deshalb keine lĂ€ngerfristige Auseinandersetzung mit den Ursachen von Polarisierung und Vertrauensverlust.
