AfD, Cyberangriff

AfD: Hacker veröffentlichen angeblich 421.000 E-Mails

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 14:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Unbekannte stellen angeblich Hunderttausende Nachrichten aus AfD-PostfĂ€chern ins Netz. Die Partei spricht von einem Angriff auf einen Dienstleister und prĂŒft nun, welche Daten tatsĂ€chlich betroffen sind.

Betroffene PostfÀcher und weitere Schritte

  • Der Angriff richtete sich im September gegen einen Hosting-Dienstleister der AfD.
  • Nach Angaben der Unbekannten stammen die Daten aus zehn PostfĂ€chern, darunter ein Konto auf den Namen Alexander Gaulands.
  • Die AfD prĂŒft die Onlineveröffentlichung und will erst danach eine erste EinschĂ€tzung abgeben.
  • Unbekannte haben E-Mail-Konten der AfD angegriffen - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Parteien werden immer wieder zum Ziel von Cyber-Kriminellen - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
Unbekannte haben E-Mail-Konten der AfD angegriffen - Bild: Christoph Reichwein/dpa Parteien werden immer wieder zum Ziel von Cyber-Kriminellen - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

AfD prĂŒft Veröffentlichung angeblicher E-Mail-Daten

Bei einem Hackerangriff auf die AfD sind nach Angaben der Partei vermutlich Daten aus einigen E-Mail-Konten kopiert worden. Im Internet veröffentlichten Unbekannte nach eigenen Angaben rund 421.000 Nachrichten, deren Echtheit zunÀchst offen ist.

Die AfD teilte mit, der Angriff habe sich im September 2026 gegen einen Hosting-Dienstleister der Partei gerichtet. Betroffen seien offenbar Teile weniger PostfÀcher gewesen, von denen die meisten seit Jahren nicht mehr genutzt worden seien; aktuelle Konten des AfD-Bundesverbands seien nicht betroffen gewesen.

Angebliche Daten stammen aus zehn Konten

Die Unbekannten behaupten, Daten aus zehn PostfĂ€chern veröffentlicht zu haben. Darunter soll sich ein Konto auf den Namen des frĂŒheren AfD-Parteichefs Alexander Gauland sowie ein frĂŒher als Kontakt der BundesgeschĂ€ftsstelle genutztes Konto befinden.

Eine Mitte Oktober registrierte anonyme Internetseite zeigt eine Übersicht der angeblichen AfD-Mails, veröffentlicht aber keine Inhalte. Diese sollen auf einem weiteren Download-Server liegen; die Echtheit der Informationen ließ sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig verifizieren.

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AfD beendet Angriff nach eigener Darstellung rasch

Die Partei erklĂ€rte, der Angriff sei schnell erkannt und beendet worden. Alle Nutzer seien informiert worden; die Onlineveröffentlichung eines vermuteten Teils der Daten werde geprĂŒft.

Aus Parteikreisen hieß es, die veröffentlichten Inhalte seien anscheinend authentisch. Zugleich seien in offenbar mithilfe kĂŒnstlicher Intelligenz erstellten Zusammenfassungen Inhalte durcheinandergebracht und dadurch falsche ZusammenhĂ€nge hergestellt worden.

LandesverbÀnde offenbar ebenfalls betroffen

Betroffen sei offenbar das zur AfD gehörende Unternehmen Alternita. Nach den Angaben hatten die Angreifer unter anderem Zugriff auf Mails der LandesverbÀnde Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern.

Den Angaben zufolge waren bestimmte AfD-PostfÀcher bereits vor einigen Wochen funktionslos. Die BundesgeschÀftsstelle hatte damals erklÀrt, es gebe einen Angriff und die PostfÀcher seien deshalb abgeschaltet worden.

Parteien bleiben Ziele von Cyberangriffen

Cyberangriffe auf Parteien und staatliche Stellen sind wiederholt vorgekommen. Zuletzt drangen Hacker in das E-Mail-Konto der Heilbronner CDU ein und verschickten von dort Tausende Phishing-Nachrichten an Ministerien, politische Kontakte sowie Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz.

Die Bundes-CDU war im Mai 2024 Ziel einer grĂ¶ĂŸeren Cyberattacke. Die IT-Infrastruktur wurde teilweise vom Netz genommen; spĂ€ter ĂŒbernahm der Generalbundesanwalt die Ermittlungen, weil von Spionage ausgegangen wurde. Ende 2022 und Anfang 2023 waren außerdem E-Mail-Konten in der SPD-Parteizentrale betroffen.

Die Sicherheitsbehörden ordneten den SPD-Angriff spĂ€ter einer vom russischen MilitĂ€rgeheimdienst GRU gesteuerten Gruppierung zu. Dieselbe Gruppierung soll auch fĂŒr den Cyberangriff auf den Deutschen Bundestag im Jahr 2015 verantwortlich gewesen sein.

Der Angriff auf die AfD reiht sich in eine Serie von Cyberattacken gegen politische Parteien und staatliche Einrichtungen ein. Betroffen sind dabei nicht nur zentrale IT-Systeme, sondern auch Àltere oder weniger genutzte E-Mail-Konten, deren Inhalte dennoch sensible Informationen enthalten können.

FĂŒr Parteien besteht ein besonderes Risiko darin, dass kompromittierte PostfĂ€cher nicht ausschließlich interne Kommunikation enthalten. Sie können Kontakte, Mitgliederdaten, Dokumente oder Zugangsinformationen von Landes- und KreisverbĂ€nden umfassen. Selbst wenn aktuelle Konten des Bundesverbands nicht betroffen sind, kann ein Datenabfluss deshalb organisatorische und datenschutzrechtliche Folgen haben.

Vertrauen und politische Kommunikation

Die Veröffentlichung angeblicher DatensĂ€tze verschĂ€rft die Lage, solange Herkunft, Echtheit und Umfang nicht abschließend geklĂ€rt sind. Auch automatisch erstellte Zusammenfassungen können Inhalte aus unterschiedlichen ZusammenhĂ€ngen vermischen und dadurch falsche EindrĂŒcke erzeugen. FĂŒr Leserinnen und Leser bedeutet das, dass einzelne behauptete Nachrichten nicht ohne PrĂŒfung als authentische Parteiposition oder belastbarer Beleg gelten sollten.

Politische Organisationen mĂŒssen solche VorfĂ€lle deshalb nicht nur technisch, sondern auch kommunikativ bewĂ€ltigen. Entscheidend sind eine nachvollziehbare PrĂŒfung der betroffenen Konten, die Information möglicher Betroffener und der Schutz weiterer Systeme. Die AfD kĂŒndigte eine PrĂŒfung der veröffentlichten Daten an; deren Ergebnis wird maßgeblich dafĂŒr sein, wie groß der tatsĂ€chliche Schaden ist.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „AfD: Mehr als 421.000 E-Mails nach Hackerangriff veröffentlicht“ (20.10.2026)

Der Beitrag hebt den behaupteten Umfang von rund 421.179 E-Mails und weitere angebliche Dokumente hervor. Zugleich stellt er heraus, dass Echtheit, Herkunft und vollstĂ€ndiges Ausmaß des Datensatzes offen seien.

ZDFheute: „Hackerangriff auf E-Mail-Konten der AfD: Daten online aufgetaucht“ (20.10.2026)

Der Bericht bestĂ€tigt den von der AfD eingerĂ€umten Angriff im September und konzentriert sich auf die mutmaßlich betroffenen PostfĂ€cher sowie die ErklĂ€rung, aktuelle Konten des Bundesverbands seien nicht betroffen. Wie bei Euronews bleibt offen, ob die veröffentlichten Daten echt sind.

Beide BeitrĂ€ge stimmen beim Angriff, dem behaupteten Umfang und den offenen Fragen zur AuthentizitĂ€t ĂŒberein. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Euronews nennt zusĂ€tzliche angebliche Dokumente, wĂ€hrend ZDFheute stĂ€rker die Parteidarstellung und die betroffenen Konten beleuchtet.

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