Deutschland, Bundesrat

Bundesrat macht Weg frei fĂŒr mehr Rente und Apothekenreform

12.06.2026 - 14:38:28 | dpa.de

Apotheken, Rente, Gewaltschutz - der Bundesrat lÀsst mehrere Gesetze und Vorhaben passieren. Die LÀnder starten daneben auch wieder eigene Initiativen, etwa zum Erhalt der Schulpflicht.

  • Der Bundesrat arbeitete vor dem Wochenende eine lange Tagesordnung ab.  - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Der Bundesrat arbeitete vor dem Wochenende eine lange Tagesordnung ab. - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Der Handel mit persönlichen GegenstĂ€nden von NS-Opfern soll nach dem Willen der LĂ€nder verboten werden. (Archivbild) - Bild: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa
    Der Handel mit persönlichen GegenstÀnden von NS-Opfern soll nach dem Willen der LÀnder verboten werden. (Archivbild) - Bild: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa
Der Bundesrat arbeitete vor dem Wochenende eine lange Tagesordnung ab.  - Bild: Michael Kappeler/dpa Der Handel mit persönlichen GegenstÀnden von NS-Opfern soll nach dem Willen der LÀnder verboten werden. (Archivbild) - Bild: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Der Bundesrat hat vor dem Wochenende eine lange Tagesordnung mit einer Reihe von Gesetzesvorhaben abgearbeitet. Die LÀnderkammer billigte dabei PlÀne zu neuen Dienstleistungen in Apotheken, geringeren Steuern auf Flugtickets und zur jÀhrlichen Rentenanpassung zum 1. Juli. Aus den BundeslÀndern kamen zudem eigene Initiativen, unter anderem gegen Forderungen der AfD zur Aufweichung der Schulpflicht.

Apothekenreform

Apotheken dĂŒrfen kĂŒnftig neben Impfungen gegen Grippe und Corona alle Schutzimpfungen mit sogenannten Totimpfstoffen anbieten, zum Beispiel auch gegen Tetanus. Erlaubt werden auch Blutabnahmen, um etwa Medikamentenwirkungen zu kontrollieren. Medikamente dĂŒrfen zudem kĂŒnftig ohne Ă€rztliche Verordnung ausgegeben werden, wenn diese bereits lĂ€nger eingenommen werden und das FortfĂŒhren einer Therapie keinen Aufschub erlaubt. Erlaubt sein soll dann die einmalige Abgabe der kleinsten Packung gegen Selbstzahlung.

Mehr Rente

Die gut 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland bekommen ab Juli mehr Geld. Die Renten steigen durch die jĂ€hrliche Anpassung, die sich an der Lohnentwicklung orientiert, wie geplant um 4,24 Prozent. Der Bundesrat stimmte der entsprechenden Verordnung des Bundessozialministeriums zu. Eine monatliche Rente von 1.000 Euro steigt damit um gut 42 Euro. FĂŒr eine Standardrente bei durchschnittlichem Verdienst und 45 Beitragsjahren bedeutet die Rentenanpassung laut Sozialministerium einen Anstieg um 77,85 Euro im Monat.

Elektronische Fußfessel bei hĂ€uslicher Gewalt

Sogenannte elektronische Fußfesseln werden schon heute eingesetzt, etwa um den Aufenthaltsort entlassener SexualstraftĂ€ter zu ĂŒberwachen. Einige LĂ€nder haben auch bereits Regeln fĂŒr ihren Einsatz bei FĂ€llen hĂ€uslicher Gewalt. Der Bundesrat billigte nun die vom Bundestag schon beschlossene Reform des Gewaltschutzgesetzes, die diese Möglichkeit bundesweit vorsieht. Gerichte sollen TĂ€ter zum Tragen der Fußfessel verpflichten können, um ein AnnĂ€herungsverbot durchzusetzen. Kommt der TĂ€ter zu nahe, wird das Opfer ĂŒber ein EmpfangsgerĂ€t gewarnt. 

Weniger Steuer auf Flugtickets

Flugtickets bei FlĂŒgen aus Deutschland werden wie geplant ab Juli weniger stark besteuert. Der Bundesrat ließ entsprechende PlĂ€ne zur Senkung der Ticketsteuer passieren. Die Abgabe sinkt je nach Strecke um einen Betrag zwischen 2,50 Euro und 11,40 Euro pro Flug. Dass Flugtickets dadurch gĂŒnstiger werden, ist fraglich. Eurowings etwa hatte Hoffnungen darauf bereits gedĂ€mpft. Andere Kostensteigerungen insbesondere beim Treibstoff ĂŒberlagerten die Entwicklung, hatte die Lufthansa-Tochter erklĂ€rt.

Wie immer startete der Bundesrat auch eigene Initiativen:

Kein Handel mit persönlichen GegenstÀnden von NS-Opfern

Dokumente, Briefe aus Konzentrationslagern, TagebĂŒcher und andere persönliche GegenstĂ€nde von NS-Opfern wie KleidungsstĂŒcke, die mit einem Judenstern oder einem Winkel versehen sind, sollen nicht mehr gehandelt werden dĂŒrfen. Der Bundesrat beschloss dazu einstimmig einen Gesetzentwurf auf Initiative Nordrhein-Westfalens, mit dem sich der Bundestag nun befassen muss. BegrĂŒndet wird das mit dem Schutz des Andenkens und der WĂŒrde der Opfer des Nationalsozialismus. Aus deren Leid solle nicht lĂ€nger Profit geschlagen werden, hieß es. Ausgenommen von dem Handelsverbot sein sollen Museen, Archive, Bibliotheken und die Forschung. 

LÀnderinitiative gegen AfD-Plan zur Aufweichung der Schulpflicht 

Mehrere BundeslĂ€nder wollen, dass sich der Bundesrat gegen VorstĂ¶ĂŸe zur Aufweichung der Schulpflicht in Deutschland stellt. ThĂŒringen, Sachsen-Anhalt und Hamburg brachten dafĂŒr einen Antrag ein. Hintergrund sind Forderungen der AfD, aktuell im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. «Bildungspflicht statt Schulzwang!» schreibt sie in ihrem Wahlprogramm und tritt fĂŒr eine Wahlmöglichkeit fĂŒr Eltern zwischen Schul- und Hausunterricht ein. ThĂŒringens MinisterprĂ€sident Mario Voigt (CDU) sagte im Bundesrat: «Die Schulpflicht abzuschaffen, legt die Axt an etwas, was Deutschland ĂŒber Jahre erfolgreich geprĂ€gt hat.»

Kritik an GesundheitssparplÀnen 

Viel Raum in der langen Sitzung der LĂ€nderkammer nahmen die PlĂ€ne der schwarz-roten Koalition zu Ausgabenbremsen im Gesundheitssystem ein. Das Gesetzesvorhaben soll weitere Beitragssteigerungen verhindern und wurde erstmals im Bundesrat beraten. Die LĂ€nder sehen vieles kritisch und fordern in einer Stellungnahme die Streichung verschiedener Einsparmaßnahmen bei Kliniken, Praxen, Apotheken und Pharmabranche. Das Gesetz ist im Bundesrat nicht zustimmungsbedĂŒrftig, die LĂ€nder könnten es aber ausbremsen, indem sie den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat anrufen. Der BundesratsprĂ€sident, Bremens BĂŒrgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), sagte im ZDF-«Morgenmagazin», er rechne damit.

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