Deutschland hinkt beim Schutz von Frauen weiter hinterher / Zonta mahnt nach Staatenbericht der Bundesregierung: Istanbul-Konvention endlich vollstÀndig umsetzen
17.11.2025 - 09:05:00Mit Inkrafttreten der Istanbul-Konvention am 1. Februar 2018 hat sich Deutschland rechtsverbindlich verpflichtet, Gewalt gegen Frauen zu verhindern, Betroffene zu schĂŒtzen und TĂ€ter konsequent zu verfolgen. Der GREVIO im Herbst vorgelegte Staatenbericht der Bundesregierung zur Umsetzung der Istanbul-Konvention zeigt deutlich: Deutschland kommt weiterhin wesentlichen Vorgaben des völkerrechtlichen Vertrages nicht nach. Erst im Februar 2025 wurde im Bundesministerium fĂŒr Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend die vertraglich geforderte Koordinierungsstelle eingerichtet. Doch noch ist diese weit von der verlangten ressortĂŒbergreifenden Steuerung entfernt, die eine systematische Umsetzung ermöglichen wĂŒrde.
Wir haben einen Flickenteppich
Weiterhin fehlen ein flĂ€chendeckendes Schutzangebot und eine belastbare Datengrundlage. Auch gibt es bis heute keine funktionsfĂ€hige PrĂ€ventionsarchitektur - ein weiterer wichtiger Baustein, den das Ăbereinkommen ausdrĂŒcklich fordert. "Gewalt gegen Frauen von vornherein zu verhindern, muss oberstes Ziel sein. Es gibt herausragende Initiativen und Projekte, aber anstelle von koordinierten MaĂnahmen und eines zwischen den BundeslĂ€ndern abgestimmten Vorgehens haben wir nur einen Flickenteppich", stellt Susanne von Bassewitz, Advocacy Beauftragte der Union deutscher Zonta Clubs (Zonta International Germany), fest.
LĂŒcke zwischen Anspruch und RealitĂ€t wĂ€chst
Deutlich werden diese Defizite auch bei der Umsetzung des neuen Gewalthilfegesetzes. Der hier verankerte Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung ist ein ĂŒberfĂ€lliger Schritt - doch er greift erst 2032 und nicht fĂŒr alle Frauen gleichermaĂen. FĂŒr Frauen mit Behinderung und Migrantinnen mit unsicherem Aufenthaltsstatus bleibt der Zugang weiterhin erschwert.
Die LĂŒcke zwischen Anspruch und RealitĂ€t wĂ€chst - mit dramatischen Folgen fĂŒr Betroffene und erheblichen Belastungen fĂŒr die Gesellschaft. Laut Frauenhauskoordinierung e. V. fehlen bundesweit ĂŒber 14.000 SchutzplĂ€tze, vor allem in lĂ€ndlichen Regionen. "Deutschland darf sich mit halben Lösungen nicht lĂ€nger zufriedengeben", sagt Antje Buch, PrĂ€sidentin der Union deutscher Zonta Clubs. "Gewalt gegen Frauen zerstört nicht nur Leben, sondern gefĂ€hrdet die sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen, auf denen demokratische StabilitĂ€t beruht. Wir brauchen entschlossenes Handeln - jetzt."
Zonta fordert zĂŒgige Umsetzung sowie gezielten Ausbau von PrĂ€ventionsmaĂnahmen und TĂ€terarbeit
An der Seite von Interventionsstellen, Schutzeinrichtungen sowie zahlreichen Frauen- und MĂ€nner-NGOs fordert Zonta die schnelle Umsetzung des Gewalthilfegesetzes, auch im Bereich Schutz und PrĂ€vention. Hier braucht es ebenfalls eine verlĂ€ssliche Finanzierung und verbindliche Ziele. GewaltprĂ€vention mĂŒsse frĂŒh ansetzen: in den Kitas, in den LehrplĂ€nen der Schulen, in der Ausbildung und Weiterbildung von LehrkrĂ€ften sowie in den Justiz- und Gesundheitsberufen. Auch digitale Gewalt erfordere entschlossene GegenmaĂnahmen. TĂ€terarbeit und -beratung seien dabei ein zentraler Bestandteil nachhaltiger PrĂ€vention.
Deutschland hat ein Gewaltproblem
Schon fĂŒr 2023 hatte das Bundeskriminalamt (BKA) mit 6,5 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr einen deutlichen Anstieg hĂ€uslicher Gewalt verzeichnet. Nach Angaben der Frauenhauskoordinierung e. V. setzte sich der Trend 2024 fort: Medienberichte deuten auf einen erneuten Anstieg um 3,8 Prozent hin. "Wir haben ein Gewaltproblem - es geht nicht nur um einzelne TĂ€ter, sondern um ein System, das Gewalt gegen Frauen zulĂ€sst und ihr viel zu wenig entgegensetzt", so Antje Buch weiter.
Geschlechtsbezogene Gewalt hat lĂ€ngst alle gesellschaftlichen Bereiche erreicht - bis in die demokratische Debatte hinein. Einer aktuellen Studie der HateAid gGmbH und der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen zufolge haben 63 Prozent der politisch engagierten Frauen in Deutschland bereits digitale Gewalt erlebt - etwa in Form von Beleidigungen, sexualisierten Bedrohungen oder gezielten Hasskampagnen.
Der unterschÀtzte Faktor
Die ökonomischen Folgen sind massiv: Laut dem European Institute for Gender Equality (EIGE) entstehen in der EU jedes Jahr Kosten von rund 366 Milliarden Euro durch geschlechtsspezifische Gewalt, davon entfallen etwa 80 Prozent auf Gewalt gegen Frauen. FĂŒr Deutschland entspricht das einem Schaden von ĂŒber 45 Milliarden Euro jĂ€hrlich - durch Gesundheitskosten, ArbeitsausfĂ€lle und verlorene ProduktivitĂ€t. Gewalt gegen Frauen ist damit nicht nur ein MenschenrechtsverstoĂ, sondern ein Risiko fĂŒr die wirtschaftliche StabilitĂ€t und gesellschaftliche ZukunftsfĂ€higkeit des Landes.
Mehr zur diesjÀhrigen Zonta Says No-Kampagne in Deutschland erfahren Sie hier.
Pressekontakt:
Karin Lange
Pressesprecherin der Union deutscher Zonta Clubs (Zonta International
Germany)
+49 (0) 175 2604260
E-Mail: presse@zonta-union.de
www.zonta-union.de
Original-Content von: Union deutscher Zonta Clubs ĂŒbermittelt durch news aktuell


