Bundeskabinett, Gesunkener

Neues Bundeskabinett: Politik nach wie vor mÀnnerdominiert / Gesunkener Frauenanteil im Bundestag bringt Deutschland unter EU-Durchschnitt

05.05.2025 - 16:10:30

Berlin - Ob im Deutschen Bundestag, in den Landesparlamenten oder in kommunalen Vertretungen: Der Frauenanteil liegt im Schnitt bei lediglich einem Drittel. Im neu gewÀhlten Bundestag ist der Frauenanteil auf 32,4 Prozent gesunken. Damit ist Deutschland im weltweiten Ranking nationaler Parlamente von Platz 45 auf 58 gerutscht. Das neue Bundeskabinett ist mit einem VerhÀltnis von acht Frauen zu zehn MÀnnern ebenfalls weiterhin nicht paritÀtisch besetzt.

Dass Frauen in gleichem Maße wie MĂ€nner an demokratischen Entscheidungsprozessen beteiligt sind, ist wichtig, damit ihre Perspektiven einfließen können. Viele Verbesserungen in der Lebenssituation von Frauen konnten erst erreicht werden, weil sich die wenigen weiblichen Abgeordneten im Deutschen Bundestag zusammenschlossen und fĂŒr ihre Rechte eintraten. Beispiele dafĂŒr sind Reformen im Sexualstrafrecht, bei der BekĂ€mpfung von Gewalt gegen Frauen, bei der Selbstbestimmung in Sachen Finanzen und der Beteiligung auf dem Arbeitsmarkt.

Lisi Maier, Direktorin der Bundesstiftung Gleichstellung: "Eine gleichberechtigte politische Beteiligung von Frauen ist kein bloßes Nice-to-Have, sondern ein fundamentales demokratisches Gut. Es ist essenziell, dass alle Menschen einen Zugang zu politischen Ämtern haben, der frei von Diskriminierung ist, damit sie die Zukunft ihres Landes aktiv mitgestalten können. Besonders in Zeiten, in denen antifeministische und autoritĂ€re KrĂ€fte an StĂ€rke gewinnen, ist es von großer Bedeutung, die Gleichstellungspolitik aktiv zu fördern."

Dr. Arn Sauer, Direktor der Bundesstiftung Gleichstellung: "Nach einer Phase des vorsichtigen AufwĂ€rtstrends erleben wir leider deutliche RĂŒckschritte. Die Ursachen dafĂŒr sind vielfĂ€ltig. Sie liegen sie in hartnĂ€ckigen, tradierten Rollenerwartungen an Frauen und MĂ€nner gleichermaßen wie an strukturellen Barrieren. Beispielsweise erschweren mĂ€nnlich geprĂ€gte Partei- und Parlamentskulturen Frauen nach wie vor den Zugang zu politischen Ämtern. Doch gibt es wirksame Maßnahmen, um die Beteiligung von Frauen in der Politik zu erhöhen, und es ist daher wichtiger denn je, diese konsequent umzusetzen."

Die Herstellung tatsÀchlicher Gleichberechtigung ist Verfassungsauftrag, und die UnterreprÀsentanz von Frauen in der Politik eine Demokratiefrage. Inwieweit ParitÀtsgesetze mit der Verfassung in Einklang stehen, wird rechtlich kontrovers diskutiert. Im Februar 2021 stellte das Bundesverfassungsgericht klar, die Gesetzgebenden hÀtten einen weiten Spielraum das Wahlrecht zu gestalten. Dabei können ParitÀtsgesetze ein legitimes Mittel sein, um dem Gleichstellungsgebot aus Art. 3, Abs. 2, S. 2 Grundgesetz nachzukommen (BVerfG 2020: Rn. 112-113).

Weitere Informationen zum Thema "ParitÀt in den Parlamenten":

Fachtext "ReprÀsentanz und Teilhabe von Frauen in der Politik" von Sheyda Weinrich

Prof. Dr. Rita SĂŒssmuth und Prof. Dr. Silke Laskowski zum Thema

Über die Bundesstiftung Gleichstellung

Seit Mai 2021 gibt es die Bundesstiftung Gleichstellung als rechtsfĂ€hige bundesunmittelbare Stiftung des öffentlichen Rechts. Die Stiftung stĂ€rkt und fördert die Gleichstellung von Frauen und MĂ€nnern in Deutschland. Sie bĂŒndelt Kompetenzen in der Gleichstellungsarbeit und trĂ€gt gemeinsam mit Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik dazu bei, die Gleichberechtigung der Geschlechter effektiver durchzusetzen und bestehende Nachteile aus dem Weg zu rĂ€umen. Ihre Aufgabe ist es, Informationen bereitzustellen, die Praxis zu stĂ€rken und die Entwicklung neuer Ideen fĂŒr Geschlechtergerechtigkeit zu unterstĂŒtzen. Sie ist darĂŒber hinaus ein "Offenes Haus fĂŒr Gleichstellung", in dem gleichstellungspolitische Initiativen arbeiten und sich vernetzen können.

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