Berlin, Migration

Berlin: SPD und CDU bremsen MigrationsplĂ€ne von Linken, GrĂŒnen und SPD

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 15:01 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Die geplante Zusammenarbeit von Linken, GrĂŒnen und SPD in Berlin gerĂ€t wegen ihrer migrationspolitischen Vorhaben unter Druck. Innenpolitiker von SPD und CDU im Bundestag verweisen auf bundesrechtliche Grenzen und mögliche Konsequenzen.

Bundesrecht begrenzt Berliner Vorhaben

  • Sebastian Fiedler bezweifelt die Umsetzbarkeit der migrationspolitischen Vereinbarungen im Berliner Sondierungspapier.
  • Der SPD-Innenpolitiker verweist auf die Zustimmung des Bundesinnenministers bei Landesaufnahmeprogrammen.
  • Alexander Throm bringt bei einer Verweigerung von Abschiebungen Bundeszwang und das ZurĂŒckhalten von Bundesmitteln ins Spiel.
Ankunftszentrum fĂŒr FlĂŒchtlinge (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Bundespolitiker stellen Berliner MigrationsplÀne infrage

Die migrationspolitischen Vereinbarungen im Sondierungspapier von Linken, GrĂŒnen und SPD in Berlin stoßen in den Regierungsfraktionen im Bund auf Skepsis. SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler hĂ€lt zentrale Vorhaben fĂŒr kaum umsetzbar, CDU-Innenpolitiker Alexander Throm droht Berlin bei einer Verweigerung von Abschiebungen mit Bundeszwang.

Fiedler verweist auf Zustimmung des Bundes

Fiedler sagte der Mediengruppe Bayern, Berlin sei wie der Bund und jedes andere Bundesland an Recht und Gesetz gebunden. Die migrationspolitischen Vereinbarungen im Berliner Sondierungspapier seien danach kaum umsetzbar.

Als Beispiel nannte der innenpolitische Sprecher der SPD im Bundestag mögliche Landesaufnahmeprogramme. Die LĂ€nder hĂ€tten zwar ein Initiativrecht, fĂŒr die letztendliche Umsetzung sei jedoch die Zustimmung des Bundesinnenministers erforderlich.

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Bundeskoalitionsvertrag als HĂŒrde

Im Bundes-Koalitionsvertrag sei vereinbart worden, alle Aufnahmeprogramme zu beenden und keine neuen aufzulegen, sagte Fiedler. Eine Zustimmung des Bundes zu einem möglichen Berliner Aufnahmeprogramm sei deshalb „mehr als unwahrscheinlich“.

Auch bei Abschiebungen sieht Fiedler enge Grenzen. Wenn die Voraussetzungen fĂŒr ein Bleiberecht nicht erfĂŒllt seien, mĂŒsse die Ausreisepflicht im Zweifel auch zwangsweise durchgesetzt werden. Der Bund habe mehrere Hebel, gegen eine grundsĂ€tzliche Verweigerung von Abschiebungen durch ein Bundesland vorzugehen.

Throm droht mit Bundeszwang

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Alexander Throm, drohte Berlin fĂŒr den Fall einer rot-grĂŒn-roten Koalition mit Bundeszwang, sollte das Land Abschiebungen verhindern.

Throm sagte, bei einer Weigerung mĂŒsse der Bund eventuell mit Bundeszwang handeln. Zudem mĂŒssten Bundesgelder an Berlin zurĂŒckgehalten werden, etwa fĂŒr die Unterbringung und Versorgung von FlĂŒchtlingen.

Keine Zustimmung fĂŒr Aufnahmeprogramme

Neue oder alte Aufnahmeprogramme hĂ€lt auch Throm fĂŒr ausgeschlossen. Berlin könne sie nicht ohne Zustimmung des Bundes auflegen; diese werde es definitiv nicht geben.

Die migrationspolitischen Aussagen stehen damit im Spannungsfeld zwischen den Vorhaben der möglichen Berliner Koalition und den bundesrechtlichen ZustÀndigkeiten.

Die EinwĂ€nde aus den Berliner Regierungsfraktionen im Bund treffen auf ein Sondierungspapier, das Linke, GrĂŒne und SPD nach ihren GesprĂ€chen am 17. Oktober 2026 vorgelegt haben. Die Parteien empfehlen darin ihren Gremien, Koalitionsverhandlungen aufzunehmen; ĂŒber den weiteren Weg entscheiden zunĂ€chst die zustĂ€ndigen Parteigremien.

Beim Thema Migration liegt der zentrale Konflikt in der ZustĂ€ndigkeitsverteilung. Berlin kann eigene politische PrioritĂ€ten formulieren, muss bei Aufnahmeprogrammen und bei der DurchfĂŒhrung aufenthaltsrechtlicher Maßnahmen aber die bundesrechtlichen Vorgaben beachten. Das macht die im Sondierungspapier angekĂŒndigte restriktive Abschiebepraxis zu einem möglichen Streitpunkt zwischen einer kĂŒnftigen Landesregierung und dem Bund.

Bund-LĂ€nder-Konflikt zeichnet sich ab

FĂŒr die Betroffenen hĂ€tte der Konflikt praktische Bedeutung: Aufnahmeprogramme könnten ohne Zustimmung des Bundes nicht umgesetzt werden, wĂ€hrend bei vollziehbarer Ausreisepflicht der rechtliche Rahmen des Aufenthaltsrechts maßgeblich bleibt. Die Drohung mit Bundeszwang und dem ZurĂŒckhalten von Bundesmitteln verschĂ€rft die politische Auseinandersetzung, setzt aber konkrete rechtliche und politische Schritte voraus.

Die MigrationsplĂ€ne sind zudem nur ein Teil der möglichen Koalitionsagenda. Das Sondierungspapier enthĂ€lt unter anderem Vorhaben in der Wohnungspolitik, die ebenfalls bundespolitischen Widerstand auslösen. FĂŒr die Berliner Regierungsbildung steht damit neben der Zustimmung der Parteibasen auch die Frage im Mittelpunkt, welche Projekte sich innerhalb des geltenden Bundesrechts tatsĂ€chlich finanzieren und umsetzen lassen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Kritik an Rot-GrĂŒn-Rot in Berlin: Ich habe noch erhebliche Zweifel“ (19.10.2026)

Der Beitrag ordnet die Zweifel an der möglichen Berliner Koalition in die bundespolitische Debatte ein und beleuchtet den Widerstand gegen zentrale Vorhaben. Im Mittelpunkt stehen dabei neben Migration weitere Konfliktfelder des Sondierungspapiers.

rbb24: „Sondierungspapier: Das planen Linke, GrĂŒne und SPD fĂŒr Berlin“ (18.10.2026)

Der Artikel stellt die inhaltlichen Vorhaben des Sondierungspapiers vor und beschreibt die erreichte HĂŒrde auf dem Weg zu möglichen Koalitionsverhandlungen. Anders als die bundespolitischen Reaktionen konzentriert sich der Beitrag stĂ€rker auf die geplante Berliner Agenda.

Gemeinsam ist den BeitrÀgen die EinschÀtzung, dass die Sondierung noch keine Regierungsbildung bedeutet. Unterschiede zeigen sich vor allem beim Schwerpunkt: WÀhrend die bundespolitische Kritik die Umsetzbarkeit einzelner Vorhaben betont, beschreibt der Berliner Blick das Gesamtpaket der möglichen Koalition.

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