Deutschland, Bundesregierung

Koalition vor wegweisenden Wochen - AfD im Aufwind

17.05.2026 - 12:32:28 | dpa.de

Bis zu parlamentarischen Sommerpause sind es nur noch zwei Monate. Bis dahin will die Koalition wichtige Entscheidungen fÀllen. Union und SPD stehen unter Druck - auch wegen der Umfragen.

  • HĂ€lt die schwarz-rote Koalition? - Foto: Michael Kappeler/dpa
    HĂ€lt die schwarz-rote Koalition? - Foto: Michael Kappeler/dpa
  • CSU-Chef Söder warnt vor einem Scheitern der Koalition. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    CSU-Chef Söder warnt vor einem Scheitern der Koalition. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Die CSU fordert Bewegung von der SPD - Foto: Michael Kappeler/dpa
    Die CSU fordert Bewegung von der SPD - Foto: Michael Kappeler/dpa
  • Eine Reform der Einkommensteuer gehört zu den dicken Brocken. - Foto: Malin Wunderlich/dpa
    Eine Reform der Einkommensteuer gehört zu den dicken Brocken. - Foto: Malin Wunderlich/dpa
  • Auch Sachsens MinisterprĂ€sident macht sich Sorgen. - Foto: Robert Michael/dpa
    Auch Sachsens MinisterprÀsident macht sich Sorgen. - Foto: Robert Michael/dpa
HÀlt die schwarz-rote Koalition? - Foto: Michael Kappeler/dpa CSU-Chef Söder warnt vor einem Scheitern der Koalition. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Die CSU fordert Bewegung von der SPD - Foto: Michael Kappeler/dpa Eine Reform der Einkommensteuer gehört zu den dicken Brocken. - Foto: Malin Wunderlich/dpa Auch Sachsens MinisterprÀsident macht sich Sorgen. - Foto: Robert Michael/dpa

Die Koalition aus Union und SPD steht vor wegweisenden Wochen - und angesichts des Umfrage-Aufwinds fĂŒr die AfD noch zusĂ€tzlich unter Druck. CSU-Chef Markus Söder warnt vor einem Aus der Regierung. «Wenn jetzt wieder eine demokratische Regierung scheitert, aus welchen GrĂŒnden auch immer, (...), dann gehen wir den Weimarer Weg», sagte der bayerische MinisterprĂ€sident am Samstag auf dem Katholikentag in WĂŒrzburg. «Die Anzeichen sind doch da. Es ist nicht das Gleiche, aber es ist irgendwie Ă€hnlich.»

Der CSU-Landesgruppenvorsitzende im Bundestag, Alexander Hoffmann, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: «Diese Koalition muss halten und liefern.» Er sieht die Koalition unter Zwang, Lösungen fĂŒr die Probleme des Landes zu finden. Sonst wĂŒchsen die radikalen RĂ€nder. «Das war das Problem der Weimarer Demokratie, und diesen Fehler sollten die Parteien der Mitte heute nicht wiederholen.» 

Die Weimarer Republik war die erste demokratische Republik in Deutschland. Sie endete 1933 mit der MachtĂŒbergabe an Adolf Hitlers Nationalsozialisten und der Errichtung der Diktatur. Historiker sehen nur sehr begrenzt Parallelen zur Gegenwart und warnen davor, die AfD mit den Nazis gleichzusetzen.

Allerdings legt die Rechtsaußenpartei immer weiter zu und erreicht inzwischen Umfragewerte von bis zu 29 Prozent. Ihr Vorsprung vergrĂ¶ĂŸert sich, die Koalitionsparteien fallen zurĂŒck, auch die Union. 

Reformpaket bis zum Sommer angestrebt

Angesichts der Wirtschaftskrise und dieses Umfragedrucks will die Bundesregierung vor den anstehenden Landtagswahlen HandlungsfĂ€higkeit beweisen und bis zur Sommerpause ein großes Reformpaket schnĂŒren: zu den zentralen Themen Steuern, Arbeitsmarkt, Rente und BĂŒrokratieabbau. Doch bei der konkreten Umsetzung gibt es noch große Differenzen.

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sagte im ARD-«Bericht aus Berlin», er sei sich sicher, dass es die Koalition schaffe, sich auf Kompromisse zu einigen. Das habe die Koalition bereits bewiesen, sagte Miersch mit Blick etwa auf das Tariftreuegesetz. 

Steuerreform

Zu den dicken Brocken gehört eine Steuerreform, welche die Koalition mit Wirkung zum 1. Januar 2027 plant - um vor allem kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Das Vorhaben kostet viele Milliarden, die Finanzierung ist unklar.

Die SPD will höhere Einkommen und Erbschaften stĂ€rker belasten. Die CSU fordert den Koalitionspartner aber auf, nicht allein auf Umverteilung innerhalb des Systems zu setzen. «Wir sind einen großen Schritt auf die SPD zugegangen und können uns vorstellen, uns bei der Reichensteuer zu bewegen», schrieb CSU-Landesgruppenchef Hoffmann auf der Plattform X. «Im Gegenzug muss aber auch etwas von der SPD kommen. Es kann keine Gegenfinanzierung ausschließlich innerhalb des Einkommensteuersystems geben. Reine Umverteilung fĂŒhrt in die Sackgasse, weil sie keinen Wohlstand schafft.» 

Bei der Einkommensteuer ist zu unterscheiden zwischen dem Spitzensatz im regulÀren Tarifverlauf - das sind 42 Prozent - und der Reichensteuer, die derzeit bei Ledigen ab knapp 278.000 Euro greift und 45 Prozent betrÀgt. 

Pauschale KĂŒrzungen?

Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) hatte sich fĂŒr eine pauschale Abschmelzung bei allen Subventionen und SteuervergĂŒnstigungen um fĂŒnf Prozent ausgesprochen, um Steuerentlastungen zu finanzieren. Miersch nannte dies in der ARD einen Ansatz. Allerdings habe die «RasenmĂ€her»-Methode das Problem, dass man dann auch an elementare Dinge gehe, die möglicherweise sehr wichtig seien. Er nannte etwa den sozialen Wohnungsbau. Zu einer möglichen Erhöhung der Mehrwertsteuer sagte Miersch, dies wĂŒrde untere Einkommen ĂŒberproportional belasten.

Konsens mit Sozialpartnern? Verdi-Chef kritisiert Merz

Die Koalition will Arbeitgeber und Gewerkschaften in den Reformprozess einbinden. Das könnte aber schwierig werden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds am Dienstag fĂŒr tiefgreifende Sozialreformen geworben - und dafĂŒr Pfiffe und Buhrufe kassiert. 

Verdi-Chef Frank Werneke warf Merz vor, fĂŒr die ReformplĂ€ne der Bundesregierung bislang keinen Konsens mit den Gewerkschaften gesucht zu haben. Er warnte in der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin» vor einem Abbau von Arbeitnehmerrechten. Auch ein höheres Renteneintrittsalter sei nichts, wozu man Ja sagen werde. 

Warnungen vor der AfD

Söder sagte auf dem Katholikentag in WĂŒrzburg, die AfD sei erfolgreich, weil sich viele Menschen vor VerĂ€nderung sorgten und Angst vor Abstieg hĂ€tten. «Und aus Angst erwĂ€chst hĂ€ufig auch RadikalitĂ€t.» 

Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer (CDU) sagte dem Magazin «Stern», entscheidend sei, dass die Bundesregierung ein mit Arbeitgebern und Gewerkschaften abgestimmtes Gesamtpaket vorlege. «Wenn nicht, vergrĂ¶ĂŸert dies nur erneut die ProjektionsflĂ€che der AfD. Das könnte bei den Landtagswahlen im September fatale Folgen haben. Dann wĂ€ren wir an dem Punkt, an dem die HandlungsfĂ€higkeit ganzer LĂ€nder infrage steht.»

In Umfragen etwa zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September liegt die AfD mit Werten um 40 Prozent derzeit weit vorn. 

Umfrage sieht AfD im Bund bei 29 Prozent 

Auf Bundesebene steigt die AfD beim Meinungsforschungsinstitut Insa auf 29 Prozent (plus eins gegenĂŒber der Vorwoche) - den höchsten je fĂŒr sie gemessenen Wert. Die Union fĂ€llt in der Erhebung fĂŒr die «Bild am Sonntag» auf 22 Prozent (minus eins) zurĂŒck - bei Insa ihr schwĂ€chster Wert seit mehr als vier Jahren. Die SPD rutscht auf 12 Prozent (minus eins). Zusammen erreicht Schwarz-Rot nur noch 34 Prozent. Andere Institute sahen die AfD zuletzt zwischen 25 und 28 Prozent und die Union zwischen 22 und 24 Prozent. Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet.

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