Bovenschulte: AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt stoppt Bundesrat nicht
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 06:53 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBundesratsprĂ€sident Andreas Bovenschulte sieht in einer möglichen Ăbernahme der Landesregierung in Sachsen-Anhalt durch die AfD keine Gefahr fĂŒr die ArbeitsfĂ€higkeit des Bundesrates. Die LĂ€nderkammer könne von einer AfD-Regierung nicht lahmgelegt werden, sagte der SPD-Politiker dem "Handelsblatt".
Bovenschulte verweist auf Verfassung und GeschÀftsordnung
"Wir haben 16 LĂ€nder und eine Verfassung, die mit dieser Situation umgehen kann", betonte der Bremer BĂŒrgermeister. Zudem sei die GeschĂ€ftsordnung des Bundesrates in den vergangenen Jahren robuster ausgestaltet worden. Gleichwohl sprach Bovenschulte von einer neuen Lage, sollte es zu einem AfD-Regierungschef kommen: Mit einem AfD-MinisterprĂ€sidenten gĂ€be es erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik einen Regierungschef im Bundesrat, der die freiheitlich-demokratische Grundordnung ablehne.
Warnung vor finanziellen Sanktionen gegen Sachsen-Anhalt
Bovenschulte wandte sich gegen Ăberlegungen, Sachsen-Anhalt Finanzhilfen zu entziehen, falls eine AfD-Regierung dort eine repressive Politik verfolgen sollte. "Die Feinde der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekĂ€mpfen wir nicht, indem wir den Rechtsstaat abschaffen", sagte der BundesratsprĂ€sident. Zur AfD sagte er weiter, diese wĂŒrde "nicht eine einzige Sekunde davor zurĂŒckschrecken, mit ihren Gegnern kurzen Prozess zu machen, wenn sie die Möglichkeit dazu hĂ€tte".
Vorsitz der MinisterprÀsidentenkonferenz umstritten
Der SPD-Politiker sprach sich zudem dafĂŒr aus, dass Sachsen-Anhalt nicht wie vorgesehen zum 1. Oktober den Vorsitz der MinisterprĂ€sidentenkonferenz ĂŒbernimmt. "Eine so wichtige Funktion in dieser Lage zu ĂŒbernehmen, das funktioniert schon praktisch nicht", sagte Bovenschulte. Die MinisterprĂ€sidentenkonferenz sei als Koordinationsgremium der LĂ€nder zu wichtig, um sich dort InstabilitĂ€t zu erlauben.
Kritik am Reformprogramm der Bundesregierung
DarĂŒber hinaus forderte Bovenschulte Korrekturen am Reformprogramm der Bundesregierung. Es mĂŒsse darĂŒber gestritten werden, wer die Lasten der Zeitenwende trĂ€gt. Er stellte infrage, ob es richtig sei, den Haushalt vor allem ĂŒber KĂŒrzungen bei Elterngeld, Wohngeld und Rente zu sanieren. Stattdessen regte er an, hohe Einkommen und Vermögen stĂ€rker heranzuziehen.
Die ĂuĂerungen von BundesratsprĂ€sident Andreas Bovenschulte fallen in eine Phase intensiver Debatten ĂŒber den Umgang mit möglichen AfD-Regierungen in ostdeutschen BundeslĂ€ndern. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Folgen ein AfD-gefĂŒhrtes Kabinett in Sachsen-Anhalt fĂŒr die ArbeitsfĂ€higkeit der bundesstaatlichen Institutionen hĂ€tte und wie Bund und LĂ€nder darauf politisch reagieren sollten.
Institutionelle StabilitĂ€t und politische BrĂŒche
Mit dem Hinweis auf die Verfassung und die GeschĂ€ftsordnung des Bundesrates betont Bovenschulte die institutionelle StabilitĂ€t der LĂ€nderkammer. Das Bundesratsstimmrecht ist an LĂ€nderregierungen gebunden, nicht an einzelne Parteien. Selbst ein AfD-MinisterprĂ€sident könnte BeschlĂŒsse nicht im Alleingang blockieren, sondern wĂ€re an Koalitionsabsprachen und Mehrheiten im Bundesrat gebunden. Zugleich markiert Bovenschulte eine politische ZĂ€sur: Er spricht offen von einem Regierungschef, der die freiheitlich-demokratische Grundordnung ablehnt, und stellt damit die Frage nach der Integration eines solchen Akteurs in die bisherigen Kooperationsmuster der LĂ€nder.
Konfliktlinien um Sanktionen und Rollen in der Bund-LĂ€nder-Koordination
Besonders konflikttrĂ€chtig ist die Debatte um mögliche finanzielle Sanktionen gegen ein AfD-regiertes Sachsen-Anhalt und um die Rolle des Landes in der MinisterprĂ€sidentenkonferenz. Bovenschulte warnt vor der Idee, Bundes- oder Landesfinanzhilfen als politisches Druckmittel zu entziehen und stellt den Schutz des Rechtsstaats ĂŒber reaktive StrafmaĂnahmen. Gleichzeitig plĂ€diert er dafĂŒr, den turnusgemĂ€Ăen Vorsitz der MinisterprĂ€sidentenkonferenz nicht an Sachsen-Anhalt zu ĂŒbertragen, um das zentrale Koordinationsgremium der LĂ€nder vor InstabilitĂ€t zu schĂŒtzen. FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger verdeutlichen diese Positionen, dass die Auseinandersetzung mit der AfD nicht nur auf WahlkĂ€mpfen und Parlamenten, sondern zunehmend auch auf der Ebene föderaler Macht- und Verfahrensfragen gefĂŒhrt wird.
Soziale Verteilungskonflikte als weiterer Spannungsbogen
Indem Bovenschulte das Reformprogramm der Bundesregierung und die Verteilung der âZeitenwendeâ-Lasten anspricht, verknĂŒpft er die institutionelle Debatte mit sozialen Fragen. KĂŒrzungen bei Elterngeld, Wohngeld und Rente gegenĂŒber einer stĂ€rkeren Belastung hoher Einkommen und Vermögen sind eine klassische Konfliktlinie zwischen unterschiedlichen wirtschafts- und sozialpolitischen Lagern. Seine Kritik deutet darauf hin, dass die politische Auseinandersetzung mit der AfD und die Diskussion um soziale Gerechtigkeit parallel verlaufen und sich gegenseitig beeinflussen können.
