Deutschland, Bundesregierung

LĂ€nder fassen Plan fĂŒr modernen Staat - Finanzfrage vertagen

04.12.2025 - 15:53:32 | dpa.de

Der Finanzstreit von Bund und LĂ€ndern scheint festgefahren. DafĂŒr hat ein anderer Plan gute Aussichten: 200 Punkte fĂŒr einen modernen Staat.

Erst berieten die LĂ€nder unter sich, dann ging es ins Kanzleramt.  - Bild: Michael Kappeler/dpa
Erst berieten die LĂ€nder unter sich, dann ging es ins Kanzleramt. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Große Einigkeit beim Plan fĂŒr einen modernen Staat - doch wenig Chancen auf Kompromisse beim grĂ¶ĂŸten Streitthema mit dem Bund: Vor GesprĂ€chen im Kanzleramt schlagen die LĂ€nder eine Vertagung der seit Monaten schwelenden Finanzierungsfragen vor. 

Es gebe aktuell keine Aussichten auf eine Lösung - «und ich vermute, es wird auch nach dem GesprÀch mit dem Kanzler nicht anders sein», sagte der MinisterprÀsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD), nach einer Runde der LÀnder-Regierungschefs in Berlin. Die MinisterprÀsidenten schlagen deshalb vor, das Thema in einigen Wochen erneut anzusetzen - um «dem Bund die Chance zu geben, sein Angebot noch mal zu verbessern», wie Schweitzer betonte. 

Wer bezahlt fĂŒr teure Gesetze? 

In dem Streit geht es darum, ob der Bund Einbußen in den Haushalten von LĂ€ndern und Kommunen auffangen muss, die durch BeschlĂŒsse von Bundesregierung und Bundestag entstehen. Die BundeslĂ€nder drĂ€ngen darauf, dass bei neuen Steuer- und Leistungsgesetzen gilt: Wer bestellt, der bezahlt. In der Vergangenheit sei das bei Gesetzen zur Kinderbetreuung, zur Inklusion und in der FlĂŒchtlingspolitik oft nicht der Fall gewesen. 

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ist bereit, StĂ€dte und Gemeinden finanziell stĂ€rker zu unterstĂŒtzen, wenn kĂŒnftige Leistungsgesetze Auswirkungen auf die kommunalen Haushalte haben. Die LĂ€nder bestehen jedoch darauf, dass auch sie Geld bekommen, wenn ihre Kassen betroffen sind. 

«Wir brauchen eine deutliche Anerkennung der Kostenursache Bund gegenĂŒber den Kommunen und gegenĂŒber den LĂ€ndern», betonte Schweitzer. Eine Einigung könne nicht ewig hinausgezögert werden. Bis zur nĂ€chsten regulĂ€ren MinisterprĂ€sidentenkonferenz im Sommer 2026 könne man nicht warten. «Wir brauchen sehr bald eine Lösung.» Vorstellbar sei eine Sonder-Konferenz im Januar oder Februar. 

Wie wird Deutschland moderner?

Einfacher dĂŒrften die GesprĂ€che mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) beim Thema Staatsmodernisierung werden. Die MinisterprĂ€sidenten kommen mit einem geeinten 200-Punkte-Plan ins Kanzleramt. Es gehe darum, Verwaltungsprozesse fĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger einfacher und damit auch kostengĂŒnstiger zu machen, sagte Schweitzer.

Als Beispiele nannte er einfachere Beantragungen von Ausweisen sowie einfachere Um- und Abmeldungen von Wohnungen. Personalausweise fĂŒr ĂŒber 70-JĂ€hrige sollen in Zukunft unbefristet gĂŒltig sein. Generell soll man beim Amt weniger Beglaubigungen brauchen. Wo man bisher noch Schreiben auf Papier braucht, sollen im Amtsverkehr kĂŒnftig oft auch Mails rechtsgĂŒltig sein. 

Unternehmen sollen entlastet werden, indem Berichts- und Auskunftspflichten sowie Dokumentationspflichten um mindestens ein Drittel reduziert werden. Das soll Zeit und Personalkosten in den Unternehmen sparen.

Die MinisterprĂ€sidentinnen und MinisterprĂ€sidenten wollen außerdem eine Lastenumkehr erreichen: Wenn ein Antrag vollstĂ€ndig eingereicht, aber nicht binnen drei Monaten bearbeitet wurde, soll er automatisch als bewilligt gelten. UnternehmungsgrĂŒndungen sollen beschleunigt und innerhalb von 24 Stunden möglich gemacht werden. Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer (CDU) forderte generell ein höheres Reformtempo: «Deutschlandgeschwindigkeit darf in dieser Zeit kein Schneckentempo sein», betonte er.

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