Bahn: GDL fordert 555 Euro mehr und weniger Arbeitszeit
05.06.2023 - 15:48:15Die LokfĂŒhrer-Gewerkschaft GDL strebt fĂŒr die im Herbst beginnenden Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn neben einer deutlichen Lohnerhöhung auch eine ArbeitszeitverkĂŒrzung an. Zu den Kernforderungen gehören eine «allgemeine Entgelterhöhung» von 555 Euro, eine Erhöhung der Zulagen fĂŒr Schichtarbeit um 25 Prozent sowie eine Senkung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38 auf 35 Stunden fĂŒr Schichtarbeiter ohne anteilige Lohnabsenkung. Ebenso will die GDL eine steuerfreie InflationsausgleichsprĂ€mie von 3000 Euro durchsetzen. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll maximal zwölf Monate betragen, wie die Gewerkschaft am Montag weiter mitteilte.
Die Forderung der GDL mit ihrem Bundesvorsitzenden Claus Weselsky platzt mitten in den laufenden Tarifkonflikt der Deutschen Bahn (DB) mit der weit gröĂeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Die mit der GDL konkurrierende EVG versucht seit Ende Februar, bei der Deutschen Bahn und Dutzenden weiteren Bahnunternehmen ein Gehaltsplus von 650 Euro pro Monat beziehungsweise 12 Prozent bei den oberen Lohngruppen auszuhandeln. Sie verhandelt dabei fĂŒr rund 230.000 BeschĂ€ftigte, gut 180.000 davon arbeiten bei der Deutschen Bahn.
Noch gilt Friedenspflicht
Der bundeseigene Konzern ist bisher bereit, prozentuale Erhöhungen zwischen 8 und 12 Prozent (je nach Einkommensgruppe) in zwei Stufen zu zahlen, dazu 2850 Euro InflationsausgleichsprÀmie in ebenfalls zwei Schritten. Bei der Laufzeit sieht die Bahn 24 Monate vor - und damit doppelt so viel wie die Gewerkschaft.
Zwischen der DB und der GDL gilt noch bis Ende Oktober eine Friedenspflicht, erst danach geht es in die Auseinandersetzung - und womöglich in Warnstreiks. In den vergangenen Jahren ist die GDL bei Tarifverhandlungen stets recht hart aufgetreten und hat die Bahn ein ums andere Mal mit Warnstreiks unter Druck gesetzt.
Die Deutsche Bahn nahm die Forderungen der GDL nach eigener Aussage zur Kenntnis und wird diese «zu gegebener Zeit prĂŒfen und bewerten». Mit der GDL werde im Herbst ĂŒber neue TarifvertrĂ€ge fĂŒr etwa 10.000 DB-BeschĂ€ftigte verhandelt, sagte eine Bahn-Sprecherin. Im Fokus stĂŒnden aktuell die Verhandlungen um neue TarifvertrĂ€ge mit der EVG, die fĂŒr rund 180.000 DB-BeschĂ€ftigte Anwendung fĂ€nden.
Der bisher letzte Tarifkonflikt zwischen der GDL und der Deutschen Bahn wurde im September 2021 gelöst. Vereinbart wurden damals Tariferhöhungen von insgesamt 3,3 Prozent sowie Einmalzahlungen - mit Blick auf die deutlich gestiegene Inflation ist ein Abschluss in dieser GröĂenordnung dieses Mal völlig ausgeschlossen.
Die Gewerkschaft schaffte es damals allerdings auch, TarifvertrĂ€ge fĂŒr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in WerkstĂ€tten und in der Verwaltung abzuschlieĂen. Sie versucht auf diesem Weg, ihren Einfluss im DB-Konzern zu erhöhen, auch wenn die TarifvertrĂ€ge nicht immer zur Anwendung kommen. Gestreikt wurde bei diesem Tarifkonflikt dreimal, die MinisterprĂ€sidenten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Stephan Weil (SPD) und Daniel GĂŒnther (CDU), vermittelten.


