Merkel rÀumt VersÀumnisse in Verteidigungs- und Digitalpolitik ein
05.06.2026 - 15:45:30 | dts-nachrichtenagentur.deDer "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) sagte Merkel, der Aufwuchs der Verteidigungsausgaben sei zu langsam gewesen. Zwar teile sie nicht die Auffassung, dass die Bundeswehr zu Beginn des Ăberfalls Putins auf die Ukraine "blank" gewesen sei. Auch habe es von 2015 an - nachdem die Nato-Staaten sich 2014 auf dem Gipfel in Wales das Ziel gesetzt hĂ€tten, bis zu zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts fĂŒr die Verteidigung auszugeben - wieder AufwĂŒchse im Verteidigungsetat gegeben. Doch fĂŒgte Merkel hinzu: "RĂŒckblickend betrachtet waren wir dabei aber nicht schnell genug."
Die frĂŒhere Kanzlerin Ă€uĂerte sich auch selbstkritisch zur Digitalisierungspolitik. Sie sei sehr unzufrieden gewesen mit der Geschwindigkeit der Digitalisierung. "Da hatten wir uns sehr viel mehr vorgenommen, aber das durchzusetzen ist im Rahmen unserer föderalen Strukturen extrem schwierig." Sie wĂŒnsche dem jetzigen Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) allen Erfolg. "Das ist echt schwierig, und da sind wir zu langsam gewesen."
Zur Klimapolitik sagte Merkel: "Ich habe mich auĂerdem sehr selbstkritisch auseinandergesetzt mit der Frage, was wir im Zusammenhang mit dem Klimaschutz gemacht haben. Sind wir dem Vorsorgeprinzip gerecht geworden? Da kann ich nicht sagen: Da haben wir gemessen an dem, was notwendig ist, genug getan."
Merkel will kein weiteres Amt ĂŒbernehmen. "Hinter mir liegt ein wirklich erfĂŒlltes politisches Leben. Die Kraft, die Spannkraft und die Neugierde fĂŒr neue Ămter habe ich nicht", sagte Merkel der FAS.
Was da manchmal "herumgeistert", das seien "Spielereien", fĂŒgte sie hinzu und machte klar, dass sie solche GerĂŒchte nicht schĂ€tzt. "Das sind manchmal auch Ă€rgerliche Spielereien. Man muss sich ja nicht schĂ€men, wenn einer sich mich auch als BundesprĂ€sidentin vorstellen kann. Aber es liegt auch eine kleine Unernsthaftigkeit darin. Und so sollte nicht ĂŒber das oberste Staatsamt gesprochen werden."
Merkel wies auch Ăberlegungen zurĂŒck, sie könne im russisch-ukrainischen Konflikt vermitteln. Man könne, das wisse sie aus ihrer Erfahrung, mit dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin nur verhandeln, wenn man mit politischer Macht ausgestattet sei, die in der Demokratie auf Zeit vergeben werde. Mit Blick auf ihre Zeit als Kanzlerin sagte sie, der damalige französische PrĂ€sident Francois Hollande und sie selbst hĂ€tten auch nicht jemanden gebeten, an ihrer Stelle mit Putin die Verhandlungen in Minsk zu fĂŒhren. Auch heute sei das Sache derer, die ĂŒber Macht und Legitimation verfĂŒgten.
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