Brandenburgs Landtag gegen Neuwahl - BSW stimmt mit AfD
09.01.2026 - 15:31:40Nach dem Scheitern der bundesweit einzigen Rot-Lila-Koalition in Brandenburg kommt es nicht zur Neuwahl - ein AfD-Antrag zur Auflösung des Parlaments ist gescheitert. Die möglichen kĂŒnftigen Regierungspartner SPD und CDU lehnten ihn im Landtag in Potsdam ab. Das BSW stimmte bei der namentlichen Abstimmung geschlossen fĂŒr den AfD-Antrag - ebenso wie die AfD. FĂŒr einen Erfolg wĂ€re eine Zweidrittelmehrheit nötig gewesen. SPD und CDU planen GesprĂ€che fĂŒr eine Koalition.
MinisterprĂ€sident Dietmar Woidke (SPD) strebt statt einer Neuwahl eine Koalition von SPD und CDU an. «Die Herausforderungen sind so groĂ, dass wir da keine Wechsel oder Einarbeitungszeit oder anderes gebrauchen können», sagte Woidke nach der Sondersitzung. «Dann werden wir intensiv daran arbeiten, dass es wieder eine parlamentarische Mehrheit gibt. (...) Wir sind in ersten GesprĂ€chen.»
SPD/CDU-Koalition in Planung
Woidke hatte die SPD/BSW-Koalition am Dienstag beendet. Als GrĂŒnde nannte er InstabilitĂ€t durch Zerfall der BSW-Fraktion nach den Austritten dreier Abgeordneter sowie ein fehlendes Bekenntnis zur Koalition. Woidke will vorerst mit einer Minderheitsregierung weiterarbeiten. Eine Koalition mit der CDU hĂ€tte zwei Stimmen Mehrheit - so viele wie SPD und BSW nach der Landtagswahl 2024. Die GesprĂ€che mit der CDU sollen nĂ€chste Woche beginnen. Am Freitag trafen sich Woidke und CDU-Landeschef Jan Redmann zu einem ersten Austausch.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Björn LĂŒttmann sagte, SPD und BSW seien lange gemeinsam auf einem guten Weg gewesen. «Was die Menschen aber nicht wollen, ist monatelanger Streit in einer Fraktion.» CDU-Fraktionschef Redmann sagte vor der Sitzung, eine Koalition aus CDU und SPD hĂ€tte Chancen, «den Menschen auch HandlungsfĂ€higkeit zu beweisen».
AfD und BSW sehen Missachtung des WĂ€hlerwillens
Die AfD hĂ€lt nur eine Neuwahl fĂŒr konsequent. «Wenn drei Abgeordnete dieses BSW verlassen, von denen sich zwei der SPD anschlieĂen, dann ist das eine Missachtung des WĂ€hlerwillens zugunsten eigener Ambitionen», sagte Fraktionschef Hans-Christoph Berndt.
Das BĂŒndnis Sahra Wagenknecht (BSW) argumentierte Ă€hnlich. Es wirft der SPD vor, eine Koalition mit der CDU von langer Hand geplant zu haben, die aber nicht dem WĂ€hlerwillen bei der Landtagswahl 2024 entsprochen habe.
«Es ist die Unwahrheit, wenn heute behauptet wird, die BSW-Fraktion sei wegen internen Streits nicht regierungsfĂ€hig», sagte Fraktionschef Niels-Olaf LĂŒders. «Weil wir im besten Sinne ein unbequemer Koalitionspartner waren und zunehmend geworden sind, wurde im November gezielt auf infame Weise ein Streit vom Zaun gebrochen.»
Zwei weitere Austritte aus dem BSW
Die Krise des BSW weitet sich aus: Die BSW-Abgeordneten Melanie Matzies und Reinhard Simon treten nach eigenen Angaben aus Partei und Fraktion aus. Die GrĂŒnde lĂ€gen «in unĂŒberbrĂŒckbaren Differenzen» im Umgang und der Ausrichtung unter Landeschefin Friederike Benda. Eine versprochene Mediation fĂŒr die Fraktion sei nicht gekommen, zudem sei ein Ja zum AfD-Antrag fĂŒr eine Auflösung des Landtags empfohlen worden. Das sei mit ihren GrundĂŒberzeugungen nicht mehr vereinbar.
Beide waren im November bereits aus der Partei ausgetreten, machten das aber rĂŒckgĂ€ngig. Ihr Mandat wollen sie behalten. Nach fĂŒnf Austritten in dieser Woche hat die Fraktion nur noch neun Abgeordnete, sechs waren am Freitag anwesend. Am Donnerstag waren die BSW-Minister Britta MĂŒller (Gesundheit) und Detlef Tabbert (Verkehr) aus der Partei ausgetreten, um die HandlungsfĂ€higkeit der Regierung zu sichern.
BSW stimmt erstmals mit AfD
Zum Auftakt der Sitzung am Freitag stimmte die BSW-Fraktion erstmals geschlossen fĂŒr einen AfD-Antrag. Die AfD wollte VizeprĂ€sidentin Jouleen Gruhn nach ihrem Wechsel von der BSW- zur SPD-Fraktion abwĂ€hlen. Der Antrag scheiterte.Â
SPD und BSW hatten als Koalition vereinbart, gegen AntrĂ€ge der Opposition zu stimmen. Der BSW-Abgeordnete Sven Hornauf votierte aber mehrfach fĂŒr AfD-AntrĂ€ge. Der Verfassungsschutz Brandenburg stuft die AfD als rechtsextremistisch ein. Die AfD geht dagegen vor. Der Landtag beschloss auch, dass die SPD mehr und das BSW weniger Vertreter in AusschĂŒsse entsendet.





