Gewalt gegen LehrkrÀfte nimmt deutlich zu
10.04.2026 - 04:30:05 | dpa.deLehrerinnen und Lehrer werden in Deutschland immer hĂ€ufiger Opfer von Körperverletzung und anderen Formen von Gewalt. Das zeigt eine Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die einen Zeitraum von zehn Jahren umfasst. Danach stieg die Zahl der FĂ€lle, in denen LehrkrĂ€fte als Opfer vorsĂ€tzlicher einfacher Körperverletzung aktenkundig wurden, 2024 auf 1.283 FĂ€lle. Zum Vergleich: In den Jahren 2015 bis 2023 meldeten die Polizeibehörden der LĂ€nder zwischen 717 und 1.017 FĂ€lle an das Bundeskriminalamt (BKA).Â
Dass es 2021 mit 564 FĂ€llen deutlich weniger solcher Ăbergriffe gab, dĂŒrfte mit den vorĂŒbergehenden SchulschlieĂungen wĂ€hrend der Corona-Pandemie zu tun haben. Die PKS fĂŒr 2025 ist noch nicht veröffentlicht.
Die Auswertung der bundesweiten Polizeidaten zu Gewalttaten gegen LehrkrĂ€fte liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Sie ist Teil einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der GrĂŒnen-Bundestagsfraktion zur Sicherheit der BeschĂ€ftigten im öffentlichen Dienst.Â
557 schwere FĂ€lle
Ein Anstieg ist demnach auch bei den gegen Lehrerinnen und Lehrer gerichteten Straftaten zu beobachten, die in der PKS in der Kategorie GewaltkriminalitĂ€t aufgefĂŒhrt werden. Dazu zĂ€hlen Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Ăbergriff im besonders schweren Fall, Raubdelikte, Körperverletzung mit Todesfolge, erpresserischer Menschenraub und Geiselnahme sowie schwere und gefĂ€hrliche Körperverletzung.Â
Seit 2015 hat die Zahl solcher Taten gegen LehrkrĂ€fte kontinuierlich zugenommen â mit Ausnahme der Corona-Jahre 2020 und 2021, in denen ein leichter RĂŒckgang zu verzeichnen war. 2015 zĂ€hlte die Polizei bundesweit 268 FĂ€lle, in denen eine Lehrkraft Opfer von GewaltkriminalitĂ€t im Sinne der Statistik wurde. 2023 wurden 477 FĂ€lle registriert, ein Jahr spĂ€ter wurden 557 FĂ€lle aktenkundig.
Als Gewalttaten gegen LehrkrĂ€fte zĂ€hlt die Polizei nur Straftaten, bei denen die Tatmotivation in Beziehung zur beruflichen TĂ€tigkeit stehen. Der Fall eines Lehrers, der beispielsweise auf einem Volksfest von einem Menschen, der ihn in seiner Eigenschaft als Lehrer nicht kennt, geschlagen wird, wĂŒrde zwar als Opfer in der Statistik auftauchen, nicht jedoch als von Gewalt betroffene Lehrkraft.
Lehrerverband: Bedrohungen und Respektlosigkeit
Der PrĂ€sident des Deutschen Lehrerverbands (DL), Stefan DĂŒll, erklĂ€rte: «Die Zahlen sind alarmierend und bestĂ€tigen, was viele LehrkrĂ€fte seit Jahren erleben: Gewalt, Bedrohungen und Respektlosigkeit.» Eltern, Influencer, Politiker und andere öffentliche Persönlichkeiten tragen hier aus seiner Sicht als Vorbilder besondere Verantwortung. Er sagt: Wer selbst Grenzen ĂŒberschreitet oder Gewalt relativiert, darf sich nicht wundern, wenn genau dieses Verhalten in Schule und Gesellschaft ankommt.» Er wĂŒnsche sich eine gesellschaftliche Debatte darĂŒber, «wie wir unsere Kinder erziehen».
Erneute GesetzesÀnderung geplant
Zwischen 2018 und 2024 nahm laut Polizeistatistik auch die Zahl der Gewaltdelikte gegen Mitarbeiter von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Polizei zu. Im Mai 2017 waren durch eine GesetzesÀnderung zur StÀrkung des Schutzes von Vollstreckungsbeamten StraftatbestÀnde geÀndert und neue StraftatbestÀnde geschaffen worden. Daher sind die Opferzahlen der Jahre 2018 bis 2024 nicht mit den Daten der Vorjahre vergleichbar.
Kurz vor Silvester hatte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) einen Gesetzentwurf zum besseren Schutz von Polizisten, Feuerwehrleuten und RettungskrĂ€ften vorgelegt. Er sieht hĂ€rtere Mindeststrafen fĂŒr Angriffe auf diese Gruppen vor.
Höhere Strafen fĂŒr Angriffe auf Polizisten und RettungskrĂ€fte
Laut Justizministerium soll es dafĂŒr kĂŒnftig Freiheitsstrafen von mindestens sechs statt wie bisher mindestens drei Monaten geben. In besonders schweren FĂ€llen soll eine Mindeststrafe von einem Jahr statt wie bisher sechs Monaten drohen. Das soll etwa fĂŒr ĂberfĂ€lle gelten, bei denen EinsatzkrĂ€fte in einen Hinterhalt gelockt werden. Wer Rettungs- und EinsatzkrĂ€fte bei ihrer Arbeit behindert, soll grundsĂ€tzlich nicht mehr mit einer Geldstrafe davonkommen können, sondern in Haft. Einen Kabinettsbeschluss zu dem Vorhaben gibt es noch nicht.
Der innenpolitische Sprecher der GrĂŒnen-Fraktion, Marcel Emmerich, findet es alarmierend, dass die Gewalt gegen Menschen zunimmt, die in ihrem beruflichen Alltag Verantwortung fĂŒr die öffentliche Infrastruktur, die Sicherheit und die Bildung kĂŒnftiger Generationen tragen. Besonders besorgniserregend sei, dass sich die Zahl der GewaltvorfĂ€lle gegen LehrkrĂ€fte in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt habe. Emmerich sagt: «Es ist höchste Zeit fĂŒr wirksame Schutzkonzepte.» Diese mĂŒssten auf die jeweilige Berufsgruppe zugeschnitten sein. Ebenso wichtig seien einheitliche Verfahrensstandards fĂŒr den Umgang mit Ăbergriffen sowie der Einsatz verlĂ€sslicher technischer UnterstĂŒtzung, etwa durch moderne Alarmsysteme.
Neues Meldeverfahren fĂŒr Berliner Schulen
Im Schuljahr 2024/2025 hatten sich nach Angaben der Berliner Bildungssenatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (CDU) 82 Prozent aller Berliner Schulen an einem neuen Meldeverfahren beteiligt. Von diesen 599 Schulen meldeten demnach 53,6 Prozent VorfĂ€lle mit körperlicher Gewalt, 9,2 Prozent angedrohte Gewalt, 7,5 Prozent selbstverletzendes Verhalten von SchĂŒlern und 4,3 Prozent Ăbergriffe auf Schulpersonal.
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