Nötigung, GeldwÀsche, Volksverhetzung? Halemba vor Gericht
07.01.2026 - 12:39:09Geschniegelt und gestriegelt kommt Daniel Halemba ins Amtsgericht WĂŒrzburg. Der bayerische AfD-Landtagsabgeordnete wirkt angespannt. Als der 24-JĂ€hrige noch vor Prozessbeginn am Amtsgericht WĂŒrzburg vor die Presse tritt, gibt er sich jedoch â angesichts von VorwĂŒrfen wie Volksverhetzung, GeldwĂ€sche und Nötigung â kĂ€mpferisch: «Das Verfahren ist politisch motiviert aus meiner Sicht.» Es hĂ€tte lĂ€ngst eingestellt werden mĂŒssen, ein Freispruch sei nun das einzig Denkbare.
Halemba hat drei Verteidiger im GepĂ€ck, einen Mann und zwei Frauen. Vor dem Schöffengericht Ă€uĂert sich der AfD-Politiker zunĂ€chst nicht zu dem, was die Anklage ihm vorwirft. Auch seine Verteidiger lassen sich nicht zur Sache ein.Â
Rechtsanwalt Dubravko Mandic, der Halemba seit Jahren beiseite steht, schimpft vor der Jugendkammer allerdings auf eine angeblich «politisch weisungsgebundene Staatsanwaltschaft», die ein «wackeliges Konstrukt» an VorwĂŒrfen zusammengetragen habe. Ob Halemba irgendetwas vorzuwerfen ist, sagt Mandic nicht.Â
Neonazi-Lied abgespielt?
Mehr als eineinhalb Jahre nach der Anklage des in Teilen der AfD umstrittenen Politikers listet Oberstaatsanwalt Tobias Kostuch zahlreiche VorwĂŒrfe auf: So geht es zum einen um das Abspielen des Liedes «Wacht an der Spree» der vor vielen Jahren aufgelösten Neonazi-Band Landser. Der Titel der 2005 vom Bundesgerichtshof als kriminelle Vereinigung eingestuften Band soll auf Halembas Geburtstagsfeier im Juli 2022 gelaufen sein â kurz nach Mitternacht, als Halemba bereits 21 Jahre alt war.Â
«Der Angeklagte Halemba wusste hierbei, dass der Inhalt des Liedes zum Hass gegen die in Deutschland lebende tĂŒrkische Bevölkerung aufstachelt, indem von einer "Kanackenrepublik" gesprochen und propagiert wird, dass es gelte, diesen Teil der Bevölkerung mit Gewalt aus dem Land zu vertreiben», sagt Kostuch.
FĂŒr die Anklage ist das Abspielen des Liedes von einem angeblich Halemba gehörenden USB-Stick ein Fall von Volksverhetzung. Der Angeklagte, derzeit Spitzenkandidat der AfD WĂŒrzburg fĂŒr die Kommunalwahl in Bayern im MĂ€rz, argumentierte vor Prozessbeginn stets, er sei zur fraglichen Zeit bei der Feier ĂŒberhaupt nicht anwesend gewesen.Â
Anwalt bedroht?
Daneben bezichtigt die Anklage den 24-JĂ€hrigen der GeldwĂ€sche, SachbeschĂ€digung, Nötigung und versuchten Nötigung. Unter anderem soll Halemba im Mai 2023 einen Anwalt bedrĂ€ngt und mit einem 29-JĂ€hrigen, der ebenfalls vor dem Amtsgericht steht, dessen KanzleitĂŒr beschĂ€digt haben. Der mutmaĂlich geschĂ€digte Jurist, der in dem Prozess diffiziler Weise den Mitangeklagten Halembas vertritt, war laut Kostuch als PrĂ€sident des Landesschiedsgerichts der AfD Bayern beteiligt an der DurchfĂŒhrung von Parteiausschlussverfahren.
Halemba und der Mitangeklagte sollen im April 2023 versucht haben, den Anwalt einzuschĂŒchtern. Sie wollten laut Anklage verhindern, dass ein bereits laufendes Parteiausschlussverfahren gegen ein damaliges AfD-Mitglied zeitnah eingestellt wird â Halemba soll die Betroffene als Konkurrentin fĂŒr seine Nominierung zur bayerischen Landtagswahl im Oktober 2023 betrachtet haben.
Das Parteiausschlussverfahren wurde der Anklage zufolge vor der Kandidatennominierung der AfD tatsĂ€chlich nicht mehr eingestellt. «Ob dies allerdings auf den EinschĂŒchterungen durch den Angeschuldigten
und deren MittÀter oder auf anderen UmstÀnden beruhte, lÀsst sich nicht mehr klÀren», sagt Kostuch.
Vorwurf GeldwÀsche
Halemba soll zudem einen Zeugen in dem Ermittlungsverfahren vor seiner geplanten Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft WĂŒrzburg eingeschĂŒchtert haben. Die Behörde wirft dem 24-JĂ€hrigen darĂŒber hinaus vor, einen mittleren vierstelligen Geldbetrag von seinem Privatkonto auf ein Konto im Baltikum transferiert zu haben. Das Geld soll aus BetrĂŒgereien eines Dritten stammen â der Vorwurf lautet auf GeldwĂ€sche. Fraglich ist, ob Halemba wusste, dass das Geld aus illegalen Machenschaften stammen soll.
Nach Aussage eines Zeugen, der zum damaligen Zeitpunkt mit Halemba befreundet war, wusste der 24-JĂ€hrige nicht, dass das Geld ergaunert gewesen sei. «Das war ein reiner Freundschaftsdienst», fĂŒr einen gemeinsamen Bekannten, der ein deutsches Konto gebraucht habe fĂŒr Zahlungen von Kunden, die bei ihm Waren wie FahrrĂ€der gekauft hĂ€tten.
Nach Angaben eines vom Gericht befragten Polizisten wurden drei Menschen geschĂ€digt, die Mitte 2022 bei dem besagten Dritten Waren bestellt hatten, die nie geliefert worden seien.Â
Verhandlung vor Jugendkammer
Insgesamt hat die Jugendkammer acht Verhandlungstage bis zum 29. Januar terminiert. Der Prozess findet vor einem Jugendschöffengericht statt, weil Halemba bei einem Teil der vorgeworfenen Handlungen aufgrund seines damaligen Alters noch unter Jugendstrafrecht fĂ€llt.Â
Halemba gilt als RechtsauĂen in der bayerischen AfD. Die AfD-Fraktion im Landtag hat sich bisher mehrheitlich hinter ihren umstrittenen Jung-Parlamentarier gestellt, sein Abgeordnetenmandat nimmt er weiter wahr.





