Spur des Geldes: Aktionsplan soll Verbrecherbanden eindÀmmen
25.02.2026 - 15:02:06 | dpa.deDrogenhandel, Waffenschmuggel, GeldwĂ€sche: Organisierte KriminalitĂ€t in Deutschland hat die Allgemeinheit zuletzt mindestens 2,6 Milliarden Euro gekostet. Die Zahl nannte Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) am Mittwoch in Berlin und verband dies mit einer Kampfansage: «Der Rechtsstaat verschĂ€rft die Gangart und er lĂ€sst sich nicht mehr auf der Nase herumtanzen.»Â
Gemeinsam mit Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) stellte Klingbeil einen im Bundeskabinett beschlossenen «Aktionsplan gegen Organisierte KriminalitĂ€t» vor. Zentraler Punkt ist eine engere Zusammenarbeit von Zoll - dafĂŒr ist Klingbeils Ministerium zustĂ€ndig - und Bundeskriminalamt.
Geplant sind unter anderem ein neues Kompetenzzentrum, gemeinsame Ermittlungsgruppen, der gegenseitige Zugriff auf Daten der Behörden, die systematische Auswertung mit KI und biometrischer Internetsuche. Klingbeil sprach von einem «Gamechanger», Dobrindt von einer «Zeitenwende» auch in der inneren Sicherheit und von einem Meilenstein.Â
Wo es wehtut
Man werde, sagte Dobrindt, die Organisierte KriminalitĂ€t da treffen, wo es am meisten wehtut: beim Geld. Wenn zum Beispiel jemand mit geringem offiziellem Einkommen eine Villa oder einen Sportwagen kauft, soll es viel leichter werden, das Vermögen einzuziehen. Das Stichwort heiĂt: Beweislastumkehr. Betroffene mĂŒssten nachweisen, dass sie das verwendete Geld aus legalen Quellen haben. «Wir Ă€ndern heute schlichtweg die Spielregeln», sagte der Innenminister.
Das Bundeskriminalamt wertete Organisierte KriminalitĂ€t schon in seinem Lagebild 2024 als eine der gröĂten Bedrohungen der inneren Sicherheit in Deutschland. JĂ€hrlich wurden zuletzt bis zu rund 650 Ermittlungsverfahren gegen die dahinter stehenden Banden gefĂŒhrt, 2024 gab es rund 7.000 TatverdĂ€chtige und knapp 300 mutmaĂliche Gewaltverbrechen, hinter denen das BKA auch EinschĂŒchterung von Rivalen oder Zeugen vermutet.Â
«Machtprobe mit dem Staat»
Drogenhandel bleibt laut BKA das illegale Gewerbe Nummer eins, doch geht es auch um WirtschaftskriminalitĂ€t und GeldwĂ€sche, um kriminell erworbenes Vermögen wieder in den Umlauf zu bringen. Die Verbrecher versuchen nach EinschĂ€tzung des BKA auch gezielt, Einfluss auf staatliche Institutionen, Wirtschaft und Politik zu gewinnen.Â
Es gehe um nichts weniger als die Verteidigung des Rechtsstaats, sagte Justizministerin Hubig. «Clans und Kartellen geht es letztlich um eine Machtprobe mit dem Staat.» Sie spielten nach ihren eigenen Regeln. Dem wolle man mit VerbrechensbekÀmpfung auf der Höhe der Zeit begegnen, sagte die SPD-Politikerin.
Konkrete Punkte aus dem Aktionsplan:
- ein besserer Informationsaustausch zwischen Zoll und BKA und dafĂŒr «zweckgebundene und rechtssichere direkte Zugriffe auf Daten und ihre Nutzung»
- neue Befugnisse der Sicherheitsbehörden zur automatisierten Datenanalyse, den biometrischen Internetabgleich und das Testen und Trainieren von IT-Produkten
- neue Regelungen zum Einzug der Profite aus schweren Straftaten
- die bessere BekÀmpfung «unerlaubter Formen des sogenannten Hawala Bankings»
- ein neues «gemeinsames Kompetenzzentrum» von Zoll und BKA, ein Ermittlungszentrum GeldwÀsche beim Zoll und eine Gemeinsame Ermittlungsgruppe GeldwÀsche von Zoll und BKA
- ein «gemeinsames Analyse- und Auswertungszentrum Rauschgift» von Zollkriminalamt und BKA und eine gemeinsame Ermittlungsgruppe beim Bund.
Gemischte Reaktionen
Der Deutsche Richterbund begrĂŒĂte grundsĂ€tzlich, dass die Strafverfolgung verstĂ€rkt werden soll. BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Sven Rebehn merkte allerdings an: «AktionsplĂ€ne sind dabei das eine, ihre effektive Umsetzung aber das andere.» Strafverfolgungsbehörden seien chronisch unterbesetzt und technisch schlecht ausgestattet. 2.000 StaatsanwĂ€lte fehlten. Das spiele der organisierten KriminalitĂ€t in die HĂ€nde, kritisierte Rebehn.
Auch die Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft lieĂ Skepsis anklingen. «Organisierte KriminalitĂ€t profitiert auch von AnkĂŒndigungspolitik», sagte der Vorsitzende Thomas Liebel. «Ein Aktionsplan ist schnell formuliert â aber das Vermögen der Kriminellen rechtssicher einzuziehen, ist harte Vollzugsarbeit. Wenn wir nicht frĂŒher und konsequenter ansetzen, laufen wir den Strukturen weiter hinterher.»
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