Kirchen sind gegen Gesetzentwurf der Union zur Migration
29.01.2025 - 08:53:57Die beiden groĂen Kirchen stellen sich kurz vor den anstehenden Bundestagsabstimmungen gegen den scharfen Migrationskurs von Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz. In einer Stellungnahme zum Entwurf des sogenannten Zustrombegrenzungsgesetzes erklĂ€ren die Berliner Vertreter der katholischen Bischöfe und des Rats der Evangelischen Kirche ihn fĂŒr «nicht geeignet, zur Lösung der anstehenden migrationspolitischen Fragen beizutragen».Â
Die Union bringe ihren Gesetzentwurf «im Zuge einer aufgeheizten öffentlichen Debatte ĂŒber die Möglichkeiten der Begrenzung von Fluchtmigration», heiĂt es darin. Und mit Blick auf den Anlass fĂŒr die Initiative der Union - eine Reihe tödlicher Attacken, bei denen Migranten unter Tatverdacht stehen, heiĂt es: «Die beiden groĂen Kirchen weisen hiermit darauf hin, dass die nun vorgeschlagenen GesetzesĂ€nderungen nach aktuellem Wissensstand keinen der AnschlĂ€ge verhindert hĂ€tten.»Â
Die Todesfahrt ĂŒber den Magdeburger Weihnachtsmarkt und der Messerangriff von Aschaffenburg vor einer Woche seien offensichtlich von psychisch Kranken begangen worden. «Die Taten zeigen aus Sicht der Kirchen daher ein Defizit hinsichtlich des Informationsaustausches unterschiedlicher Behörden und einen eklatanten Mangel an adĂ€quater Versorgung psychisch Kranker auf.»
«Familiennachzug rechtlich unerlÀsslich»
Abgelehnt wird besonders das Ziel der Union, den Familiennachzug zu GeflĂŒchteten mit eingeschrĂ€nktem Schutzstatus zu stoppen. «Aus Sicht der beiden Kirchen ist es rechtlich unerlĂ€sslich, den Familiennachzug zu subsidiĂ€rÂ
Schutzberechtigen unter erfĂŒllbaren Bedingungen zuzulassen, da Art. 6 Abs. 1 GG (Grundgesetz) auch das tatsĂ€chliche Zusammenleben der Familienmitglieder schĂŒtzt und es sich nicht um ein Deutschengrundrecht handelt.» Das Zusammenleben als Familie gehöre zu den sozialen GrundbedĂŒrfnissen. «Dies gilt auch und besonders unter den Bedingungen von Flucht und Vertreibung.»
Die Kirche sehen nach eigenen Worten auĂerdem einen Widerspruch zwischen dem Ziel der Begrenzung des Zuzugs und der auch gesetzlich angestrebten Erleichterung des Zuzugs von ArbeitskrĂ€ften auf allen Qualifikationsstufen.Â
FĂŒr die CDU verteidigte die Vizevorsitzende Karin Prien den Kurs von Merz. Die CDU mĂŒsse nicht «immer eins zu eins mit den Kirchen einer Meinung» sein, sagte sie im Deutschlandfunk. «Wir machen Politik auf Grundlage unseres christlichen Menschenbildes.» Menschen, die Schutz brauchten und die in Not seien, wolle die CDU auch weiter Aufnahme gewĂ€hren. «Aber das, was wir im Moment machen, ist doch ein Asylsystem, was auf europĂ€ischer Ebene, auf deutscher Ebene, auf Verwaltungsebene schlicht nicht funktioniert.» Deshalb sei ein Politikwechsel notwendig.


