Medaillentraum lebt: Handballer stĂŒrmen ins EM-Halbfinale
28.01.2026 - 19:30:37Bundestrainer Alfred Gislason verfolgte mit einem zufriedenen LĂ€cheln den Jubeltanz der deutschen Handballer. Angetrieben von einem famosen Juri Knorr ist die DHB-Auswahl ins Halbfinale der Europameisterschaft gestĂŒrmt und darf weiter von der ersten EM-Medaille seit dem Gold-Triumph vor zehn Jahren trĂ€umen. Der Olympia-Zweite behielt im Hauptrunden-Endspiel gegen Rekord-Weltmeister Frankreich die Nerven und ĂŒberzeugte beim 38:34 (19:15) mit einer im Turnier bisher vermissten Offensiv-Power.
Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich begeistert. Der CDU-Politiker gratulierte der deutschen Mannschaft aus Berlin. «Das ist eine groĂe Freude», sagte Merz bei einer Pressekonferenz. Jetzt hoffe er auf einen Einzug ins Endspiel. Um dorthin zu gelangen, muss die DHB-Auswahl im Halbfinale am Freitag den WM-Zweiten Kroatien besiegen. «Jetzt wollen wir auch ins Finale», sagte Gislason.Â
Nach dem verdienten Sieg gegen Frankreich sprach der 66-JĂ€hrige von einer «phĂ€nomenalen Leistung» und zeigte sich «extrem stolz» von der Teamleistung. Ein Extra-Lob gab es fĂŒr Knorr, der mit zehn Toren bester deutscher Werfer war. «Die Leistung war phĂ€nomenal. Er hat sich sehr unter Druck gesetzt. Heute hat er das beste Spiel gemacht, das ich je von ihm gegen so eine Nation gesehen habe», sagte Gislason.Â
Jetzt gegen Kroatien
Vor 10.850 Zuschauern in Herning legte die DHB-Auswahl einen furiosen Auftritt hin und distanzierte in der zweiten Turnierphase mit 8:2 Punkten die starke Konkurrenz aus Frankreich, Spanien, Portugal und Norwegen. Nur der punktgleiche Weltmeister und Olympiasieger DĂ€nemark lag wegen des gewonnenen Direktvergleichs vor der deutschen Mannschaft und bekommt es im Halbfinale nun mit Island zu tun.Â
Wie schon beim «Wunder von Lille» bei den Sommerspielen 2024, als Deutschland im Viertelfinale in der VerlĂ€ngerung siegte, gab es im DHB-Lager nach dem Abpfiff grenzenlose Freude. «Wir freuen uns natĂŒrlich, dass wir das Ding geholt haben», sagte RĂŒckraumspieler Renars Uscins.Â
Klar ist: In dieser Form darf das DHB-Team bei der Endrunde in DĂ€nemark, Norwegen und Schweden weiter auf das erste EM-Edelmetall seit dem sensationellen Titelgewinn 2016 hoffen. Der starke Auftritt gegen Frankreich dĂŒrfte auch die Diskussionen um die Zukunft von Gislason, dessen Vertrag bis zum Ende der Heim-WM 2027 gilt, verstummen lassen.
Deutsches Offensiv-FeuerwerkÂ
Die Ausgangslage vor dem Showdown war klar: Der deutschen Mannschaft reichte schon ein Remis zum Einzug ins Halbfinale, der viermalige Europameister musste unbedingt gewinnen. Entsprechend motiviert gingen beide Teams in die Partie, in der das DHB-Team kurzfristig auf den erkrankten Abwehrspezialisten Tom Kiesler verzichten musste.Â
Anders als in den Partien zuvor agierte die deutsche Mannschaft im Angriff von Beginn an konzentriert und effektiv. DafĂŒr fand die Deckung zunĂ€chst keine Einstellung. Erst nach einer Viertelstunde konnte Torwart Andreas Wolff, der nach seiner Reservistenrolle gegen DĂ€nemark wieder begann, erstmals einen Wurf der Franzosen abwehren.
Die Parade wirkte wie ein Signal an seine Vorderleute, noch aggressiver zu Werke zu gehen. Und das taten sie. Nach 18 Minuten war Deutschland beim 11:7 auf vier Tore enteilt. GroĂen Anteil daran hatte Knorr, der endlich die erhoffte Torgefahr ausstrahlte und zur prĂ€genden Figur in der ersten Halbzeit avancierte. Zudem erwies sich Justus Fischer am Kreis als sicherer Vollstrecker.
Abwehrprobleme bleiben folgenlos
Frankreich setzte der deutschen OffensivstĂ€rke nur die Torgefahr von Dika Mem entgegen. Der Star vom FC Barcelona, der im Sommer 2027 zum deutschen Meister FĂŒchse Berlin wechselt, war kaum zu stellen. Dennoch nahm die DHB-Auswahl unter dem Jubel der zahlreichen deutschen Fans ein Vier-Tore-Polster in die Pausenkabine mit.
Weil Wolff in der ersten Halbzeit ĂŒberhaupt kein Faktor war, schickte der Bundestrainer mit Wiederbeginn David SpĂ€th zwischen die Pfosten. Und der 23-JĂ€hrige lieferte zunĂ€chst, sodass sich seine Vorderleute den einen oder anderen Fehlwurf leisten konnten.Â
Zwölf Minuten vor Ultimo stand die Partie beim 29:28 aber plötzlich wieder auf der Kippe. Wolff kehrte zurĂŒck und entschĂ€rfte gleich den ersten Wurf. In der dramatischen Schlussphase hatte Deutschland das bessere Ende fĂŒr sich und greift nun nach einer Medaille.















