Merkel leuchtet: PortrĂ€t fĂŒr Kanzlergalerie enthĂŒllt
30.06.2026 - 20:06:24 | dpa.deMit entschlossenem, aber auch nachdenklichem Blick, in leuchtend blauem Blazer vor goldbraunem Hintergrund hat sich Angela Merkel fĂŒr die PortrĂ€tgalerie im Kanzleramt malen lassen. Am Abend wurde das GemĂ€lde des deutsch-französischen KĂŒnstlers JĂ©rĂ©mie Queyras im Berliner Bode-Museum in Anwesenheit der frĂŒheren Kanzlerin enthĂŒllt. Im Oktober soll es Regierungschef Friedrich Merz fĂŒr das Kanzleramt ĂŒbergeben werden - aber nur als Leihgabe.Â
Bis dann soll es auf der Berliner Museumsinsel nur wenige Meter von ihrer Wohnung einem breiten Publikum prĂ€sentiert werden. Zur PrĂ€sentation im kleinen Kreis kamen eine Reihe frĂŒherer WeggefĂ€hrten Merkels, darunter Ex-Kanzleramtschef Peter Altmaier und die frĂŒhere Bildungsministerin Annette Schavan.
Die Ex-Kanzlerin hat sich sehr lange Zeit gelassen, bis sie sich im vergangenen Jahr fĂŒr den heute erst 28-jĂ€hrigen KĂŒnstler aus einer Freiburger Musikerfamilie entschied. Ihr Ausscheiden aus dem Amt nach 16 Jahren liegt nun schon fast fĂŒnf Jahre zurĂŒck. «Ich brauchte Abstand», sagt Merkel bei der EnthĂŒllung. Das PortrĂ€t sollte kein Punkt auf einer abzuarbeitenden To-Do-Liste werden, «sondern ich wollte Freude an einem solchen Vorgang haben».Â
Spuren der Macht im Gesicht der Ex-Kanzlerin
FĂŒr den blauen Blazer hat sich Merkel entschieden, weil die Farbe etwas Starkes, Herrschaftliches hat. Deswegen hat sie sich anders als alle ihre sieben VorgĂ€nger auch im Stehen malen lassen - in leichter ĂberlebensgröĂe, bis zu den Knien. Auf das Gesicht fĂ€llt ein starkes Licht, das die «Spuren der Macht» zur Geltung bringen soll, wie es heiĂt. Die HĂ€nde sind nicht zur Merkel-typischen Raute geformt. Die linke Hand liegt stattdessen auf einer Sessellehne.Â
Sie trĂ€gt eine Bernsteinkette. Auf dem Tisch neben ihr liegt eine Aktenmappe und ein silberner WĂŒrfel, den sie als Kanzlerin gerne drehte und wendete, wenn es knifflig wurde. «In der Ruhe liegt die Kraft», steht auf dem Original. Sie hat ihn aus dem Kanzleramt mit in ihr neues BĂŒro genommen.Â
Handschriftliche Bewerbung schon 2022
Der KĂŒnstler hatte sich bei Merkel schon 2022 handschriftlich beworben, musste dann aber drei Jahre auf den Auftrag warten. Im April 2025 folgte das erste GesprĂ€ch, und ein Prozess begann, der im FrĂŒhjahr zum offiziellen «StaatsportrĂ€t» Merkels fĂŒhrte. Die Entscheidung fĂŒr Queyras sei ein «kleines Abenteuer» gewesen, sagt die 71 Jahre alte Ex-Kanzlerin. Immerhin trennten sie mehr als 40 Lebensjahre. Der junge Deutsch-Franzose habe ihr Interesse aber vor allem als «Wanderer zwischen den Welten» geweckt.
Das Projekt habe sein Leben verĂ€ndert, sagt Queyras bei der EnthĂŒllung. «Ein PortrĂ€t wie dieses konnte nur da entstehen, wo Vertrauen herrscht», sagt er. Er habe Merkel als Mensch, aber auch ihrer Amtszeit gerecht werden wollen. Sein Ziel sei es gewesen, sie so zu malen, dass man sie sofort erkennt, aber auch von einer neuen Seite kennenlernt.
Kindheitserinnerungen an das Bode-Museum
Der Raum im Bode-Museum, in dem das GemĂ€lde nun vorĂŒbergehend hĂ€ngt, ist eigentlich der französischen Kunst des 18. Jahrhunderts gewidmet. Ein GemĂ€lde musste fĂŒr das Merkel-PortrĂ€t weichen - aber nur fĂŒr drei Monate. Der Ort weckt bei Merkel Erinnerungen an die Kindheit. Schon mit 13, 14 war sie dort, hat aus der damaligen Zeit vor allem die MĂŒnzsammlung in Erinnerung. Jetzt wohnt sie schrĂ€g gegenĂŒber am benachbarten Pergamonmuseum.
Die Idee, mit dem PortrÀt zunÀchst ins Bode-Museum zu gehen, hat sie von Helmut Kohl. Der hatte sein PortrÀt vor 23 Jahren zunÀchst in der Neuen Nationalgalerie in Berlin prÀsentiert.
«Da hÀng' ich dann eben»
Im Kanzleramt wird Merkel ihren Platz neben Gerhard Schröder bekommen, den der inzwischen verstorbene DĂŒsseldorfer KĂŒnstler Jörg Immendorff malte - mit viel Gold. Der goldbraune Hintergrund des Merkel-PortrĂ€ts sei nicht zufĂ€llig goldbraun geworden, heiĂt es mit Blick darauf.Â
Dass sie nun zu einem Kunstwerk erstarrt, behagt der einst mĂ€chtigsten Frau der Welt offenbar nicht so ganz. «Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird», sagte sie kĂŒrzlich einem «Zeit»-Journalisten, der die Entstehung des GemĂ€ldes begleitete. «Da hĂ€ng' ich dann eben.»
Scholz hat sich noch nicht entschieden
Neben Merkel gibt es einen weiteren Ex-Kanzler, der noch gemalt werden muss. Olaf Scholz hatte bereits wĂ€hrend seiner Amtszeit im April 2024 in einer Fragerunde mit SchĂŒlerinnen im Kanzleramt verraten, dass er sich schon Gedanken ĂŒber den KĂŒnstler gemacht habe. Er habe «auch schon eine erste Idee», die er aber nicht ausplaudern wolle, sagte er damals. Entschieden hat er sich nach Angaben seines BĂŒros aber bis heute nicht.
Um sein PortrĂ€t unterzubringen, muss aber wahrscheinlich die ganze Galerie neu organisiert werden: Wenn Merkel dort hĂ€ngt, ist kein Platz mehr. VorschlĂ€ge «zu einer alternativen HĂ€ngung» der PortrĂ€ts seien in PrĂŒfung, heiĂt es dazu aus dem Kanzleramt.
