ROUNDUP, Trump

Trump will gĂŒnstigere Medikamente fĂŒr USA - Druck auf Europa

12.05.2025 - 18:11:39

Mit Druck auf Pharmakonzerne und auslÀndische Regierungen will US-PrÀsident Donald Trump die hohen Arzneimittelpreise in den Vereinigten Staaten senken.

Besonders im Visier: Europa. "Wir subventionieren die Gesundheitsversorgung anderer", sagte der Republikaner bei der Unterzeichnung eines entsprechenden Dekrets im Weißen Haus. Die Menschen in den USA hĂ€tten jahrelang viel zu viel gezahlt.

Ob Trumps Maßnahmen tatsĂ€chlich Wirkung zeigen, ist offen - zumal mit politischem und juristischem Widerstand zu rechnen ist. Der Republikaner hatte bereits wĂ€hrend seiner ersten Amtszeit versucht, die hohen Preise anzugehen, war damals jedoch gescheitert.

Trump nennt Europa "unverschÀmter als China"

"Ich mache den Pharmakonzernen nicht die grĂ¶ĂŸten VorwĂŒrfe", sagte Trump nun. Die Unternehmen seien oft gezwungen, sich unter Druck zu beugen. Besonders scharf griff er stattdessen europĂ€ische Staaten an. Amerikanische Patienten hĂ€tten "sozialistische Gesundheitssysteme" wie das in Deutschland mitfinanziert. Der EuropĂ€ische Union warf Trump vor, sich in Preisverhandlungen "unverschĂ€mter als China" zu verhalten. Europa mĂŒsse kĂŒnftig tiefer in die Tasche greifen: "Der Rest der Welt wird mehr zahlen mĂŒssen", sagte er. "Und Amerika wird viel weniger zahlen."

Trump beruft sich in seinem Dekret auf das Prinzip der "Most Favored Nation", das er schon wĂ€hrend seiner ersten Amtszeit einfĂŒhren wollte: Die USA sollen fĂŒr bestimmte Medikamente kĂŒnftig nicht mehr zahlen als das Land, das den weltweit niedrigsten Preis verlangt - unabhĂ€ngig von MarktgrĂ¶ĂŸe oder Wirtschaftskraft. "Dieses Spiel ist vorbei", sagte Trump mit Blick auf LĂ€nder, die seiner Ansicht nach bislang auf Kosten der USA von gĂŒnstigen Konditionen profitiert hĂ€tten.

Pharmabranche unter Druck

Die AnkĂŒndigung des US-PrĂ€sidenten setzt die Pharmabranche unter Druck. Die Auswirkungen auf die globale Pharmaindustrie und deutsche Unternehmen wĂ€ren weitreichend, analysiert die Beratungsgesellschaft Simon-Kucher. "Eine sinkende Ertragslage gefĂ€hrdet die Mittel fĂŒr Forschung, Produktion und ArbeitsplĂ€tze auch an deutschen Standorten", heißt es in einer Studie.

Mit einem UmsatzrĂŒckgang in den USA steige zudem der Druck fĂŒr Unternehmen, höhere Preise in anderen Industrienationen wie Deutschland zu erzielen. Ferner könnten Pharmafirmen den Markteintritt in Deutschland oder Europa verzögern oder gar nicht erst vornehmen, um niedrige Preisreferenzen zu vermeiden und somit den Preis in den USA zu schĂŒtzen, so Simon-Kucher.

Trump aktiviert mehrere Behörden

FĂŒr die Umsetzung des Dekrets sollen mehrere US-Behörden aktiv werden. So soll das Handelsministerium gegen Preispolitiken im Ausland vorgehen, die aus amerikanischer Sicht als unfair gelten - etwa staatlich festgelegte Höchstpreise, die US-Unternehmen benachteiligen. Das Gesundheitsministerium soll - wo möglich - DirektverkĂ€ufe von Medikamenten an US-Verbraucher zu den weltweit niedrigsten Preisen ermöglichen. Die Arzneimittelbehörde FDA soll außerdem prĂŒfen, ob kĂŒnftig Importe aus zusĂ€tzlichen IndustrielĂ€ndern erlaubt werden können. Auch ExportbeschrĂ€nkungen stehen laut Weißem Haus zur Diskussion.

Innerhalb von 30 Tagen soll das Gesundheitsministerium konkrete Ziele fĂŒr Preissenkungen festlegen. Auf dieser Grundlage will die Regierung mit der Pharmaindustrie verhandeln. Sollte die Industrie nicht freiwillig auf die Regierung zugehen und die Preise senken, seien weitere Maßnahmen geplant.

Im Mittelpunkt sollen vor allem Arzneimittel stehen, bei denen die Preisunterschiede zwischen dem US-Markt und dem Ausland besonders groß sind. Konkrete Medikamente oder Produktgruppen wurden zunĂ€chst nicht genannt. Eine EinschrĂ€nkung auf bestimmte Medikamentengruppen ist laut Regierungsangaben aber nicht vorgesehen.

Eine Lobby mit Einfluss - parteiĂŒbergreifend

Trump warf der Pharmabranche zu großen politischen Einfluss vor. Die Lobby sei "wahrscheinlich die mĂ€chtigste der Welt", sagte er und behauptete, die gegnerischen Demokraten hĂ€tten die Industrie ĂŒber Jahre geschĂŒtzt.

TatsĂ€chlich zĂ€hlt die Branche zu den einflussreichsten in Washington. Mit hohen Ausgaben gezielten Spenden - an Demokraten und Republikaner - verschaffen sich Pharmaunternehmen Gehör in der Gesetzgebung. Reformversuche zur Senkung von Medikamentenpreisen stoßen wohl auch deshalb parteiĂŒbergreifend immer wieder auf Widerstand - hĂ€ufig unter Verweis auf mögliche Folgen fĂŒr Forschung und Innovation.

Die Kosten fĂŒr Medikamente sind in den USA ein Dauerthema. Anders als in vielen anderen IndustrielĂ€ndern gibt es dort keine zentrale staatliche Preisregulierung. Die Preisgestaltung liegt weitgehend in der Hand der Pharmaunternehmen. Das fĂŒhrt zu oft erheblich höheren Kosten als etwa in Europa. In Deutschland greifen verschiedene Formen staatlicher Kontrolle.

@ dpa.de

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