Parteien

Schröder ruft SPD zu neuer Agenda-Politik auf

25.03.2026 - 00:01:00 | dts-nachrichtenagentur.de

Nach der Serie herber Wahlniederlagen rĂ€t Altkanzler Gerhard Schröder der SPD zu einem mutigen Reformprogramm nach dem Vorbild seiner Agenda-2010-Politik."Wir haben die Wirtschaft vernachlĂ€ssigt, wir haben uns zu sehr mit Nebenthemen beschĂ€ftigt", sagte Schröder der "SĂŒddeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe) in Hannover.

So-yeon Schröder-Kim und Gerhard Schröder (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
"Eigentlich braucht das Land jetzt eine neue Agenda-Politik, aber das kann nur klappen, wenn die SPD das mit echtem Willen und Mut angeht."

Nur missmutig Reformen und kleinen Schritten zuzustimmen, sei der falsche Weg, so Schröder. FrĂŒher sei die Sozialdemokratie Treiber gesellschaftlichen Fortschritts und mutiger gewesen. So mĂŒsse man jetzt zwingend "die Frage des Rentenalters neu diskutieren", da die letzte große Rentenreform 20 Jahre her sei. Die SPD dĂŒrfe bei Reformen nicht stĂ€ndig ein schlechtes Gewissen haben.

Zudem rĂ€t Schröder der SPD zur Abkehr von der Doppelspitze. "Die Doppelspitze ist Quatsch und ich wĂŒrde sie wieder abschaffen", sagte das SPD-Mitglied. "Das mag bei den GrĂŒnen funktionieren, aber eine Organisation wie die SPD braucht klare FĂŒhrung."

Er forderte in dem Zusammenhang, Vizekanzler Lars Klingbeil zu stÀrken. Der sei "ohne Zweifel ein guter Mann". Die Co-Vorsitzende BÀrbel Bas erwÀhnte Schröder nicht.

Schröder sagte, er vermisse bei der SPD im Bund eine stĂ€rker lebensbezogene Politik. "Die SPD ist ĂŒberall da noch stark, wo sie sich klar gemacht hat: Regieren ist Lebenswirklichkeit und nicht nur Programmwirklichkeit", so Schröder. "Mit dieser Lebenswirklichkeit derer, die mich gewĂ€hlt haben und kĂŒnftig wĂ€hlen sollen, muss ich mich auseinandersetzen." Das schaffe ein ganz anderes PolitikverstĂ€ndnis, als wenn man Politik nur als die Formulierung und Umsetzung eigener Programme begreife.

Ihm sei sein Satz vom Wahlabend 1998, das Land sei wichtiger als die Partei, um die Ohren gehauen worden. "Das ist aber der Kernsatz, den die SPD heute wieder viel mehr verinnerlichen mĂŒsste. Denn man macht Politik ja nicht fĂŒr sich selber, sondern fĂŒr das Land". So habe zuletzt auch Cem Özdemir in Baden-WĂŒrttemberg argumentiert. Dieses VerstĂ€ndnis sei in der SPD gerade im Bund leider etwas verloren gegangen, sagte Schröder.

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