Sachsen-Anhalt, Sachsen

Neonazi Liebich in MÀnnergefÀngnis verlegt

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 08:46 Uhr, dpa.de

Nach ihrer Flucht ins Ausland ist die Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich erst seit Mittwoch wieder in Deutschland. ZunÀchst wurde sie in ein FrauengefÀngnis gebracht - doch dabei bleibt es nicht.

  • Tschechien hatte Liebich nach Deutschland ausgeliefert. (Archivbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
    Tschechien hatte Liebich nach Deutschland ausgeliefert. (Archivbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
  • Liebich war nach ihrer Verurteilung ins Ausland geflohen. (Archivbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
    Liebich war nach ihrer Verurteilung ins Ausland geflohen. (Archivbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
Tschechien hatte Liebich nach Deutschland ausgeliefert. (Archivbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa Liebich war nach ihrer Verurteilung ins Ausland geflohen. (Archivbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Obwohl Neonazi Marla Svenja Liebich offiziell als Frau gilt, soll sie ihre Haftstrafe in einem GefĂ€ngnis fĂŒr MĂ€nner verbĂŒĂŸen. Das habe die Anstaltsleitung im FrauengefĂ€ngnis in Chemnitz entschieden, teilte das sĂ€chsische Justizministerium der Deutschen Presse-Agentur mit. 2025 war bekanntgeworden, dass Liebich den Geschlechtseintrag von mĂ€nnlich zu weiblich hatte Ă€ndern lassen, was Kritiker fĂŒr eine Provokation hielten.

Nach ihrer Auslieferung von Tschechien nach Deutschland am Mittwoch war Liebich zunĂ€chst in das FrauengefĂ€ngnis in Chemnitz gebracht worden. Noch am selben Tag sei sie in die Justizvollzugsanstalt Zeithain im Landkreis Meißen verlegt worden, hieß es nun.

AbwĂ€gung maßgeblicher Aspekte

«Gut, dass die JVA schnell Klarheit geschaffen und sich nicht auf Inszenierungen eingelassen hat», sagte Sachsens Justizministerin Constanze Geiert (CDU). Die Entscheidung der Anstaltsleitung wurde demnach unter anderem nach einem GesprĂ€ch mit Liebich und einer Untersuchung von ihr getroffen. In der AbwĂ€gung maßgeblicher Aspekte sei es auch um die Sicherheit der Frauen im Justizvollzug in Chemnitz gegangen, hieß es. 

Seit Liebichs Ankunft in der JVA Chemnitz ist die sĂ€chsische Justiz fĂŒr sie zustĂ€ndig. Die Staatsanwaltschaft Halle bleibt jedoch die zustĂ€ndige Vollstreckungsbehörde fĂŒr den Fall Liebich. Dort habe man auch schon vor der Entscheidung zur Verlegung von Liebich mit den Verantwortlichen in Chemnitz in engem Austausch gestanden, sagte Oberstaatsanwalt Dennis Cernota der dpa. Dass Liebich nun nach Zeithain gebracht wurde, sei auch das Ergebnis aus einem engen Austausch zwischen allen beteiligten Behörden - auch denen in Tschechien. 

Gerichtsentscheidung zu Änderung von Geschlecht steht aus

Im Juli 2023 war die Rechtsextremistin - damals noch als Mann mit dem Vornamen Sven - vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, ĂŒbler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne BewĂ€hrung verurteilt worden. UrsprĂŒnglich sollte Liebich die Haft schon Ende August 2025 antreten.

In der Zwischenzeit hatte Sven Liebich seinen Geschlechtseintrag von mĂ€nnlich auf weiblich und den Vornamen in Marla Svenja Ă€ndern lassen. Kritiker sprachen von einem Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes. Vor dem Amtsgericht in Halle steht derzeit noch eine Entscheidung darĂŒber aus, ob die Änderungen rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden können. Der Saalekreis hatte nach eigenen Angaben im Dezember 2025 rechtliche Schritte fĂŒr eine Berichtigung des Eintrags eingeleitet. 

Weil Liebich dennoch seit der Änderung offiziell als Frau gilt, war sie zum Haftantritt in das FrauengefĂ€ngnis Chemnitz geladen worden. Es ist das nĂ€chstgelegene GefĂ€ngnis von Liebichs Meldeadresse. Allerdings trat die Rechtsextremistin ihre Haft im vergangenen Jahr nicht an, floh stattdessen und wurde erst im April dieses Jahres in Tschechien gefasst.

Liebich wollte nicht nach Deutschland gebracht werden

Daraufhin wurde sie nach Pilsen (Plzen) gebracht. Vor dem Gericht in der Stadt im Westen Tschechiens gab Liebich an, nicht nach Deutschland gebracht werden zu wollen, weil sie Angst habe, in einem deutschen MĂ€nnergefĂ€ngnis ums Leben zu kommen. Schließlich gab die tschechische Justiz aber grĂŒnes Licht fĂŒr die Auslieferung.

Liebich hatte seit 2014 regelmĂ€ĂŸig Demonstrationen organisiert, oft auf dem Marktplatz in Halle in Sachsen-Anhalt. Immer wieder kam es dabei auch zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten. Mehrfach mussten sich Gerichte mit Beschuldigungen gegen Liebich auseinandersetzen.

In dem Prozess gegen Liebich, der mit dem rechtskrĂ€ftigen Urteil zur Freiheitsstrafe endete, hatte die Staatsanwaltschaft Halle in sechs Anklagen unterschiedliche VorwĂŒrfe gegen die 1970 in Merseburg im Saalekreis geborenen Rechtsextremistin erhoben. Einige VorfĂ€lle lagen zu Beginn des Prozesses bereits mehrere Jahre zurĂŒck.

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