SPD kritisiert HĂ€rtefallregelung beim Familiennachzug als zu streng
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 12:12 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Zahl der HĂ€rtefall-Visa liege im einstelligen Bereich. Dass nur so wenige AntrĂ€ge erfolgreich waren, bedeute nicht, dass sie grundlos gestellt worden seien. "Es liegt an den restriktiven Regelungen", sagte Nasr. Die zulĂ€ssigen Trennungszeiten fĂŒr Kinder und Eltern seien nicht familienfreundlich, sondern unzumutbar. "Wenn ein Kleinkind fĂŒnf Jahre von seinen Eltern getrennt sein darf, ein gröĂeres Kind zehn Jahre, dann bleiben nicht viele HĂ€rtefĂ€lle ĂŒbrig." Indem fĂŒr HĂ€rtefĂ€lle ein unzumutbares Einzelschicksal zur Bedingung gemacht worden sei, wĂŒrden zudem Krisen wie Gaza ausgeblendet, die gleichzeitig viele Menschen betrĂ€fen.
Nach Angaben der Caritas wurden seit Aussetzung des Familiennachzugs am 24. Juli 2025 bis Mitte Mai von subsidiĂ€r Schutzberechtigten 4.727 HĂ€rtefallantrĂ€ge gestellt, 1.022 davon seien geprĂŒft worden. Sieben HĂ€rtefall-Visa seien erteilt worden. Die Regelung gilt bis Juli 2027.
Der Kinderbeauftragte der SPD-Fraktion, Truels Reichardt, bezweifelte die RechtmĂ€Ăigkeit der EinschrĂ€nkung. Es sei "fraglich, ob die Regelung verfassungsrechtlich haltbar ist, wenn die HĂ€rtefallregelung nicht wirkt", sagte er dem RND. Denn der besondere Schutz der Familie stehe im Grundgesetz. Anders als oft behauptet, gehe es nicht darum, ganzen Clans die Einreise zu ermöglichen, sondern lediglich darum, die Kernfamilie zusammenzufĂŒhren, also Eltern und ihre minderjĂ€hrigen Kinder. "Dass hier Missbrauch getrieben wurde, ist eine nicht belegbare Behauptung", sagte Reichardt.
Nasr forderte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), der die Aussetzung vorangetrieben hatte, auf, deutlich zu machen, was die EinschrĂ€nkung gebracht habe. Eine VerlĂ€ngerung der auf zwei Jahre befristeten Aussetzung schloss Nasr aus. Dass dies nicht denkbar sei, sei klar, sagte sie. Schon jetzt mĂŒsse damit begonnen werden, die liegen gebliebenen AntrĂ€ge so vorzubereiten, dass nach Auslaufen der Regelung im Sommer 2027 keine weiteren Wartezeiten entstĂŒnden.
SubsidiĂ€r Schutzberechtigte sind Personen, die nicht als Asylberechtigte anerkannt sind, denen aber wegen Gefahren in ihrem Heimatland ein vorĂŒbergehendes Bleiberecht zugestanden wird, etwa wegen eines Krieges.
