Steuererhöhungen: LÀnder stellen sich gegen PlÀne der Bundesregierung
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 14:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie geplanten Erhöhungen von Tabak-, Alkohol- und Sektsteuern stoĂen im Bundesrat auf Widerstand, wĂ€hrend mehrere LĂ€nder eine stĂ€rkere Entlastung bei den Spritpreisen fordern.
LÀnder kritisieren SteuerplÀne
Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein (CDU) lehnte die geplanten Steuererhöhungen in der LĂ€nderkammer ab. Eine höhere Sektsteuer treffe Hessen als Weinland besonders, eine Zuckersteuer belaste mittelstĂ€ndische GetrĂ€nkehersteller. Auch ThĂŒringens MinisterprĂ€sident Mario Voigt (CDU) sprach sich gegen zusĂ€tzliche Belastungen aus, insbesondere bei Lebensmitteln.
Die Bundesregierung will mit einer neuen Plastikabgabe sowie höheren Tabak-, Alkohol- und Sektsteuern Einnahmen erzielen, um Löcher im Haushalt zu schlieĂen. Eine Zuckersteuer wird vorbereitet; Einzelheiten sind noch offen.
Forderung nach billigerem Sprit
Mehrere LĂ€nder verlangen zugleich eine stĂ€rkere Entlastung an der Tankstelle. Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte, der geplante Tankrabatt von 17 Cent je Liter reiche nicht aus; der Sprit mĂŒsse wieder unter zwei Euro kosten. Voigt nannte die Energiepolitik die soziale Frage der aktuellen Zeit.
Bremens BĂŒrgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) warnte dagegen vor pauschalen Milliardenhilfen bei jedem neuen Ălpreisschock und forderte gezieltere Entlastungen. Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder (CSU) verlangte einen grundlegenden Ansatz fĂŒr dauerhaft niedrigere Energiepreise und verwies auf CO2-Bepreisung und staatliche Preisregeln.
Bundeshaushalt und Reformdruck
Anlass der Bundesratsdebatte war die erste Befassung mit dem Bundeshaushalt 2027. Der Entwurf sieht Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro vor; allein im Kernhaushalt sind neue Schulden von 118,7 Milliarden Euro eingeplant. Hinzu kommen Sonderkredite fĂŒr Infrastruktur, KlimaneutralitĂ€t und die Bundeswehr.
Schwesig forderte Bundeskanzler Friedrich Merz auf, die MinisterprĂ€sidenten an den geplanten Sozialreformen zu beteiligen. Voigt kĂŒndigte an, die MinisterprĂ€sidenten wĂŒrden innerhalb der Union einen programmatischen Neuanfang einfordern. Das CDU-PrĂ€sidium will am 11. Oktober in Berlin ĂŒber die politischen Konsequenzen beraten.
Skepsis gegenĂŒber Merz
Im ZDF-Politbarometer erwarteten 67 Prozent der Befragten nicht, dass Merz die Fortsetzung seiner Reformen im GroĂen und Ganzen gelingen werde. 28 Prozent rechneten mit einer erfolgreichen Umsetzung. 65 Prozent erwarteten ein vorzeitiges Ende seiner Kanzlerschaft, wĂ€hrend 31 Prozent von einer vollen Amtszeit bis 2029 ausgingen.
Nur 17 Prozent bewerteten die Arbeit des Kanzlers als eher gut, 79 Prozent als eher schlecht.
Steuerpolitik trifft auf Entlastungsforderungen
Die Debatte verbindet zwei gegensĂ€tzliche Ziele: Die Bundesregierung will mit zusĂ€tzlichen Abgaben Einnahmen erzielen, wĂ€hrend mehrere LĂ€nder angesichts hoher Energiepreise eine Entlastung der Verbraucher verlangen. Im Bundesrat wird damit nicht nur ĂŒber einzelne Steuern gesprochen, sondern ĂŒber die Verteilung der finanziellen Lasten zwischen Staat, Haushalten und Unternehmen.
Der geplante Tankrabatt soll Benzin und Diesel ab Oktober bis Jahresende um rund 17 Cent je Liter verbilligen. Bund und LĂ€nder mĂŒssten dafĂŒr zusammen bis zu 2,5 Milliarden Euro an SteuerausfĂ€llen tragen. Die MaĂnahme soll kurzfristig wirken, bleibt aber politisch umstritten, weil sie auch Menschen mit hohen Einkommen zugutekommt und nicht gezielt nach BedĂŒrftigkeit unterscheidet.
Haushalt unter Druck
Der Haushaltsentwurf fĂŒr 2027 sieht Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro und 118,7 Milliarden Euro neue Schulden im Kernhaushalt vor. Hinzu kommen kreditfinanzierte Sonderausgaben fĂŒr Infrastruktur, KlimaneutralitĂ€t und die Bundeswehr. Höhere Verbrauchsteuern könnten Einnahmen erhöhen, verteuern aber zugleich Produkte des tĂ€glichen Lebens und könnten damit den politischen Druck auf die Koalition verstĂ€rken.
FĂŒr die LĂ€nder geht es auĂerdem um Mitsprache bei den angekĂŒndigten Sozialreformen. Die Forderungen nach gezielteren Entlastungen und niedrigeren Energiepreisen zeigen, dass die Bundesregierung ihre Reformagenda mit unterschiedlichen Interessen in LĂ€ndern und Koalitionsparteien abstimmen muss. Die im Politbarometer dokumentierte Skepsis erhöht dabei den Handlungsdruck, ersetzt aber keine parlamentarische Entscheidung ĂŒber Haushalt und Steuern.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Merkur: âSpritpreisdeckel 2027 â warum Experten vor Tankstellen-EngpĂ€ssen warnenâ (24.09.2026)
Der Bericht bestÀtige die geplante Entlastung von rund 17 Cent je Liter und stelle sie in den Zusammenhang mit einem möglichen Preisdeckel ab 2027. Er setze einen anderen Schwerpunkt als die Bundesratsdebatte und beschreibe Warnungen der Mineralölbranche vor Versorgungsproblemen sowie Kritik an einer pauschalen Entlastung. Offen bleibe demnach, wie ein Preisdeckel ausgestaltet werde, ohne die Versorgungssicherheit zu gefÀhrden.
BR24: âPro & Contra: Tankrabatt kommt zurĂŒck â eine sinnvolle MaĂnahme?â (24.09.2026)
Der Beitrag stelle BefĂŒrworter und Kritiker des Tankrabatts gegenĂŒber. Die Pro-Seite argumentiere, eine schnelle, befristete Entlastung helfe Pendlern und anderen auf MobilitĂ€t angewiesenen Gruppen; die Contra-Seite halte gezielte Hilfen fĂŒr wirksamer und verweise auf mögliche Mitnahmeeffekte. Damit bestĂ€tige der Artikel den politischen Streit ĂŒber den Tankrabatt, wĂ€hrend die konkrete Ausgestaltung der geplanten Steuererhöhungen nicht im Mittelpunkt stehe.
Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigten die geplante Kraftstoffentlastung, setzten aber unterschiedliche Akzente: Der Merkur-Bericht richte den Blick auf Preisregulierung und Versorgung, BR24 auf die soziale Treffsicherheit und klimapolitischen WidersprĂŒche.
