Deutschland, Gesundheit

KBV: Milliarden-Sparpaket bedroht Millionen Arzttermine

09.05.2026 - 10:39:14 | dpa.de

Um den Anstieg der KrankenkassenbeitrĂ€ge zu stoppen, hat die Koalition Sparmaßnahmen auf den Weg gebracht. GekĂŒrzt wird unter anderem bei Arztpraxen. Die Mediziner warnen vor weniger Terminen.

Kommt es durch das Gesundheitssparpaket zu weiteren TerminengpÀssen und lÀngeren Wartezeiten? Die KassenÀrzte warnen davor. (Symbolbild) - Foto: Daniel Karmann/dpa
Kommt es durch das Gesundheitssparpaket zu weiteren TerminengpÀssen und lÀngeren Wartezeiten? Die KassenÀrzte warnen davor. (Symbolbild) - Foto: Daniel Karmann/dpa

Die KassenĂ€rzte erwarten wegen der geplanten Einsparungen im Gesundheitswesen im kommenden Jahr deutlich weniger Behandlungen in den Arztpraxen. Nach Berechnungen der KassenĂ€rztlichen Vereinigungen wĂ€ren durch die geplanten Sparmaßnahmen rund 46 Millionen BehandlungsfĂ€lle nicht finanziert. «Bild» hatte zuerst ĂŒber ein entsprechendes Papier der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung (KBV) berichtet.

HausĂ€rzte und Allgemeinmediziner, die bisher im Schnitt 984 Patientinnen und Patienten pro Quartal behandelten, könnten demnach nur noch 892 FĂ€lle behandeln. Bei KinderĂ€rzten wĂŒrde die Zahl der maximal versorgten Patienten rechnerisch von 1.189 auf 1.124 sinken. 

Sparpaket soll Beitragsanstieg stoppen

Das Bundeskabinett hatte Ende April ein Sparpaket fĂŒr das Gesundheitswesen auf den Weg gebracht, das noch durch Bundestag und Bundesrat muss. Es soll den stetigen Anstieg der KrankenkassenbeitrĂ€ge stoppen, mit dem die steigenden Kosten im System immer wieder aufgefangen wurden. Die gesetzlichen Krankenkassen sollen mit dem Paket 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlastet werden. Das ist etwas mehr als das erwartete Defizit von 15,3 Milliarden Euro.

KĂŒrzungen und höhere Zahlungen

Geplant sind Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und Pharmabranche - aber auch höhere Zuzahlungen fĂŒr Medikamente, höhere BeitrĂ€ge fĂŒr Gutverdiener und EinschrĂ€nkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Bei Ärzten und Kliniken sollen VergĂŒtungsanstiege begrenzt werden. Bei Praxen sollen mehrere Extra-Zahlungen wegfallen.

KBV-Chef: «heckenschnittartiges Spargesetz»

KBV-Chef Andreas Gassen sagte «Bild»: «Vor uns liegt ein heckenschnittartiges Spargesetz. Kommt es in der bisher vorliegenden Form, werden die KassenĂ€rztlichen Vereinigungen das ambulante Leistungsangebot reduzieren mĂŒssen.» Schon heute wĂŒrden viele Untersuchungen und Behandlungen nicht bezahlt, heißt es in dem Papier. Über 40 Millionen Termine erbrĂ€chten FachĂ€rztinnen und FachĂ€rzte ohne VergĂŒtung.

Die KBV hatte bereits nach dem Kabinettsbeschluss Ende April vor spĂŒrbaren Konsequenzen mit weniger Terminen und Leistungen fĂŒr Patienten gewarnt. Ihren Angaben zufolge stehen durch die KĂŒrzungsmaßnahmen rund 2,7 Milliarden Euro weniger fĂŒr die ambulante Versorgung gesetzlich Versicherter
Patientinnen und Patienten zur VerfĂŒgung.

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