Deutschland, Bundesregierung

Sozialstaat soll bĂŒrgernĂ€her werden

27.01.2026 - 04:30:06

Union und SPD wollen den Sozialstaat umkrempeln. Im Stillen ĂŒberlegten sich Bund, LĂ€nder und Kommunen ein Konzept. Jetzt sind die Empfehlungen ihrer Kommission da. Gefordert wird ein großer Kraftakt.

  • Geht es nach der Sozialstaatskommission, soll das System einfacher und transparenter werden. (Archivfoto) - Foto: Carsten Koall/dpa

    Carsten Koall/dpa

  • Die Sozialstaatskommission soll ihren Bericht an Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) ĂŒbergeben. (Archivfoto) - Foto: Kay Nietfeld/dpa

    Kay Nietfeld/dpa

Geht es nach der Sozialstaatskommission, soll das System einfacher und transparenter werden. (Archivfoto) - Foto: Carsten Koall/dpaDie Sozialstaatskommission soll ihren Bericht an Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) ĂŒbergeben. (Archivfoto) - Foto: Kay Nietfeld/dpa

Schlanker, bĂŒrgernĂ€her, transparenter: Bund, LĂ€nder und Kommunen wollen den Sozialstaat tiefgreifend reformieren. Das geht aus dem Entwurf fĂŒr «Empfehlungen der Kommission zur Sozialstaatsreform» hervor. Der Bericht liegt der Deutschen Presse-Agentur vor, auch «Bild», die «SĂŒddeutsche Zeitung» und andere Medien berichten vorab darĂŒber. Heute Mittag (13.00 Uhr) sollen die VorschlĂ€ge an Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) ĂŒbergeben werden. 

Zentrale Elemente: BĂŒrgergeld, Kinderzuschlag und Wohngeld sollen in einem einzigen Sozialleistungssystem zusammengefĂŒhrt werden. Generell sollen Sozialleistungen schneller und unkomplizierter zugĂ€nglich werden. Insgesamt formuliert die Kommission aus Vertretern von Bundesregierung, LĂ€ndern und kommunalen SpitzenverbĂ€nden 26 konkrete Empfehlungen. Um die Ziele zu erreichen, schlĂ€gt sie «einen politischen, rechtlichen und auch gesamtgesellschaftlichen Kraftakt» vor. 

FĂŒr jeden soll es kĂŒnftig nur eine Anlaufstelle geben - die Jobcenter fĂŒr erwerbsfĂ€hige und die SozialĂ€mter der Kommunen fĂŒr nicht erwerbsfĂ€hige Personen. Aus bislang vier Behörden sollen so zwei werden. Heute mĂŒssen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger oft mehrere AntrĂ€ge auf UnterstĂŒtzung stellen. Eine komplette Zusammenlegung der Leistungsverwaltung wĂ€re aus Sicht der Kommission gut, wĂŒrde aber eine GrundgesetzĂ€nderung notwendig machen. Bei den konkreten Leistungen soll es laut Kommission nicht zu Schlechterstellungen kommen. 

Einfachere Leistungen

Die Leistungen sollen schneller und einfacher zugĂ€nglich werden. Sie sollen stĂ€rker pauschaliert werden, eine Pflicht zum Vorhalten von Belegen soll umfangreiche einzelne Nachweispflichten ersetzen. Das Kindergeld soll laut den Empfehlungen kĂŒnftig automatisch nach der Geburt ausgezahlt werden.

«Konsequente Digitalisierung» ist als zentraler Hebel fĂŒr schlanke VorgĂ€nge vorgesehen. Die Kommissionsmitglieder erhoffen sich «einen digitalen Neustart des Sozialstaats». So soll ein zentrales Anlauf? und Service?Portal digitale Antragstellung ermöglichen. 

«Durch die einheitliche Erfassung von Daten entfÀllt das lÀstige Wiederholen von Angaben bei Behördenwechseln, und die Verfahren werden zum Beispiel durch Pauschalierungen, verlÀngerte Bewilligungsfristen und vereinfachte Nachweisverfahren deutlich schlanker», verspricht das Gremium. Auch die öffentlichen Finanzen und der Arbeitsmarkt sollten profitieren. Union und SPD hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag auf die Sozialstaatskommission geeinigt. 

Bei der Umsetzung soll aufs Tempo gedrĂŒckt werden. Zahlreiche der Maßnahmen seien bereits durch Ausschöpfung des geltenden verfassungsrechtlichen Rahmens schnell zu verwirklichen, heißt es. FĂŒr einige der vorgeschlagenen Lösungswege seien allerdings Änderungen des Grundgesetzes Voraussetzung. Bund, LĂ€nder und Kommunen rufen die Kommissionsmitglieder zu Entschlossenheit auf, «hier gemeinsam einen Neustart beherzt anzugehen».

«Wir sind froh, dass die Sozialstaatskommission eine ambitionierte Einigung erreicht hat, die geprĂ€gt ist von konkreten VorschlĂ€gen der Vereinfachung», erklĂ€rte die PrĂ€sidentin des Deutschen Caritas-Verbands, Eva Welskop-Deffaa. «Die Verwaltung wird effizienter, und fĂŒr die Menschen werden die Sozialleistungen einfacher zugĂ€nglich und besser verstĂ€ndlich. Das ist eine zentrale Voraussetzung, um das Vertrauen in den Sozialstaat zu stĂ€rken.» Bei der Umsetzung der ReformvorschlĂ€ge mĂŒsse nun aber auch sichergestellt werden, dass das soziale Schutzniveau insgesamt wirklich gewahrt wird.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Koalition will kritische Infrastruktur besser schĂŒtzen. Die Bundesregierung will reagieren. Überhaupt, so das Versprechen, soll 2026 «das Jahr des Anpackens» werden. Der Stromausfall in Berlin hat die Verletzbarkeit der deutschen Infrastrukturen gezeigt. (Politik, 28.01.2026 - 20:43) weiterlesen...

Merz: Kritische Infrastruktur besser schĂŒtzen. Die Bundesregierung will reagieren. Der Stromausfall in Berlin habe die Verletzbarkeit von Infrastrukturen gezeigt, sagt der Kanzler. (Politik, 28.01.2026 - 20:00) weiterlesen...

Langer Weg zum Wirtschafts-Comeback - Reiche senkt Prognose. Das Wachstum wird getrieben vor allem von staatlichen, schuldenfinanzierten Ausgaben. Auch in diesem Jahr geht es nicht richtig bergauf mit der Wirtschaft. (Politik, 28.01.2026 - 16:45) weiterlesen...

Wachstum 2026 schwĂ€cher - Bundesregierung senkt Prognose Ein spĂŒrbarer wirtschaftlicher Aufschwung in Deutschland lĂ€sst weiter auf sich warten. (Boerse, 28.01.2026 - 14:38) weiterlesen...

Wachstum 2026 schwÀcher - Bundesregierung senkt Prognose. Das Wachstum wird getrieben vor allem von staatlichen Ausgaben. Auch in diesem Jahr geht es nicht richtig bergauf mit der Wirtschaft. (Politik, 28.01.2026 - 14:32) weiterlesen...

Wie der Sozialstaat einfacher und digitaler werden soll. Die Bundessozialministerin will sie bis Ende 2027 umsetzen. Quantensprung oder Angriff auf den Sozialstaat? Neue ReformvorschlÀge auf 50 Seiten haben es in sich. (Politik, 27.01.2026 - 12:11) weiterlesen...