Frankreich, Brasilien

Air France und Airbus wegen Todesflug Rio-Paris verurteilt

21.05.2026 - 13:54:11 | dpa.de

Vereiste Sonden und unvorbereitete Piloten: Nach dem Absturz des Air-France-Fluges 2009 werden die Airline und Flugzeugbauer Airbus schuldig gesprochen. Wie das Pariser Gericht das Urteil begrĂŒndet.

  • Im Berufungsprozess um den Todesflug Rio-Paris ist das Urteil gefallen.(Archivbild) - Foto: --/epa/dpa
    Im Berufungsprozess um den Todesflug Rio-Paris ist das Urteil gefallen.(Archivbild) - Foto: --/epa/dpa
  • Die juristische Aufarbeitung des Todesfluges Rio-Paris zog sich viele Jahre in die LĂ€nge. (Archivbild) - Foto: Michel Euler/AP/dpa
    Die juristische Aufarbeitung des Todesfluges Rio-Paris zog sich viele Jahre in die LĂ€nge. (Archivbild) - Foto: Michel Euler/AP/dpa
Im Berufungsprozess um den Todesflug Rio-Paris ist das Urteil gefallen.(Archivbild) - Foto: --/epa/dpa Die juristische Aufarbeitung des Todesfluges Rio-Paris zog sich viele Jahre in die LĂ€nge. (Archivbild) - Foto: Michel Euler/AP/dpa

Im Berufungsprozess um den Absturz eines Air-France-Flugs von Rio de Janeiro nach Paris im Jahr 2009 mit 228 Toten haben die Richter die Airline und den Flugzeugbauer Airbus schuldig gesprochen. Das Berufungsgericht in Paris verurteilte beide Unternehmen wegen fahrlĂ€ssiger Tötung und verhĂ€ngte eine Geldstrafe von jeweils 225.000 Euro. Bei dem Absturz waren damals auch 28 Deutsche ums Leben gekommen. Das Gericht urteilte, dass ausschließlich die Airline und der Flugzeugbauer fĂŒr den Absturz und den Schadenersatz verantwortlich seien. 

Die Air-France-Maschine des Flugs AF 447 war am 1. Juni 2009 auf dem Weg von Brasilien in die französische Hauptstadt in eine Unwetterfront geraten und von den Radarschirmen verschwunden. Der Airbus vom Typ A330 stĂŒrzte in den Atlantik. Erst im Mai 2011 wurden die letzten Leichen und der Flugdatenschreiber aus etwa 4.000 Metern Tiefe geborgen.

Vereiste Sonden und unvorbereitete Piloten

Konkret wurde Airbus in dem Prozess vorgehalten, die Folgen eines Ausfalls der fĂŒr die Geschwindigkeitsmessung zustĂ€ndigen Sonden unterschĂ€tzt zu haben. Diese waren auf dem Flug vereist. Air France soll seine Piloten nicht ausreichend geschult und auf eine Extremsituation wie bei dem UnglĂŒcksflug vorbereitet haben, hatte es in der Anklage geheißen. Ein Expertengutachten hatte 2012 geurteilt, die Crew sei danach mit der eigentlich beherrschbaren Lage ĂŒberfordert gewesen.

In erster Instanz waren Air France und Airbus vor zwei Jahren vom Vorwurf der fahrlĂ€ssigen Tötung freigesprochen worden. Das Gericht hatte damals geurteilt, dass sie zwar teils nachlĂ€ssig oder unvorsichtig gehandelt hĂ€tten, doch ein eindeutiger Kausalzusammenhang zum UnglĂŒck sich nicht herstellen lasse. Im Urteil hieß es dennoch, VorfĂ€lle mit den Sonden seien von Airbus nicht ausreichend nachverfolgt worden, zudem seien Informationen zurĂŒckgehalten worden. Air France hĂ€tte seine Piloten besser auf Probleme mit den Sonden hinweisen können, hieß es.

Langes juristische Tauziehen

Das Gericht stellte außerdem eine zivilrechtliche Verantwortung der Unternehmen fest. Air France und Airbus hatten die Verantwortung fĂŒr den Todesflug von sich gewiesen. Die Staatsanwaltschaft war gegen die erstinstanzliche Entscheidung in Berufung gegangen. Im Berufungsverfahren forderte sie nun eine Verurteilung.

Die juristische Aufarbeitung zog sich nach dem Absturz ĂŒber lange Jahre. Dass es 2022 ĂŒberhaupt zu einem Prozess kam, war fĂŒr die Hinterbliebenen ein Erfolg. Denn noch 2019 hatten Ermittlungsrichter ein Verfahren abgewiesen.

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