Baden-Württemberg, Deutschland

Stadt Stuttgart will mit Eritrea-Vereinen Kontakt aufnehmen

17.09.2023 - 04:10:55 | dpa.de

Verletzte Beamte, Festnahmen und Videos mit brutalen Szenen: Das ist die traurige Bilanz der Ausschreitungen am Stuttgarter Römerkastell. Die Polizei ermittelt, wer hinter der Gewalt steckt.

Eine Gruppe von Menschen wird nach Ausschreitungen bei einer Eritrea-Veranstaltung von Polizeikräften eingekesselt. - Foto: Jason Tschepljakow/dpa
Eine Gruppe von Menschen wird nach Ausschreitungen bei einer Eritrea-Veranstaltung von Polizeikräften eingekesselt. - Foto: Jason Tschepljakow/dpa

Nach massiven Ausschreitungen am Rande eines Eritrea-Treffens in Stuttgart will die Stadt zeitnah mit den betroffenen Gruppierungen Kontakt aufnehmen. «Wir werden nächste Woche sofort mit den in Stuttgart ansässigen Vereinen das Gespräch suchen», teilte der städtische Integrationsbeauftragte Gari Pavkovic mit.

«Unsere Linie in den regelmäßigen Gesprächen mit den verschiedenen Migrantenorganisationen ist, dass wir in Stuttgart keine Auseinandersetzungen und Ausschreitungen zu den Konflikten in den Herkunftsländern dulden.»

In Stuttgart war es am Samstagnachmittag am Rande einer Eritrea-Veranstaltung zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Bis zu 200 Personen hätten Polizisten mit Steinen, Flaschen und Holzlatten angegriffen, teilte ein Polizeisprecher mit. 26 Beamte seien verletzt worden, sechs davon seien im Krankenhaus behandelt worden, hieß es in einer Mitteilung aus der Nacht auf Sonntag.

Die Polizei kesselte am Abend 200 Personen ein, um ihre Personalien aufzunehmen und Platzverweise auszusprechen. Sie würden alle des schweren Landfriedensbruchs beschuldigt, sagte ein Sprecher am Abend. Kurz vor Mitternacht waren immer noch Personen eingekesselt. In der Nacht teilte die Polizei mit, dass der Einsatz beendet und sich die Gruppen aufgelöst hätten. Festgenommen wurde nach Angaben eines Sprechers niemand.

Keine Gründe für Verbot

Auslöser war nach Polizeiangaben eine Veranstaltung des Verbands eritreischer Vereine in Stuttgart und Umgebung. Die Vereine sympathisierten mit der Regierung in Eritrea, sagte der Polizeisprecher. Oppositionelle und Regimegegner hätten sich versammelt und seien am Stuttgarter Römerkastell auf die Beamten und Teilnehmer des Treffens losgegangen. Die Polizei wehrte sich mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Angreifer. Kräfte wurden aus umliegenden Polizeipräsidien und der Bundespolizei beordert. Auch mit dem Hubschrauber wurden Polizisten eingeflogen.

Von welcher der beiden Gruppen wie viel Gewalt ausging, war zunächst unklar. Wer den ersten Stein geworfen hat, müsse noch ermittelt werden, aber der Anziehungspunkt sei die Veranstaltung gewesen, sagte der Sprecher. Die Polizei will am Sonntag (12.00 Uhr) vor Ort Presse-Statements abgeben.

Für das Eritrea-Treffen gab es nach Ansicht der Stadt keine Gründe für ein Verbot. «Versammlungen im geschlossenen Raum sind nicht anmeldepflichtig», teilte die Landeshauptstadt am Samstagabend mit. «Es lagen keine Gründe für ein Verbot der heutigen Eritrea-Veranstaltung vor.» Die Stadt Stuttgart werde Konsequenzen aus den Ermittlungsergebnissen der Staatsanwaltschaft ziehen.

Im Juli war es bereits in der hessischen Stadt Gießen zu Ausschreitungen bei einem Eritrea-Festival gekommen. Mindestens 26 Polizisten wurden verletzt, als Gegner der Veranstaltung Sicherheitskräfte mit Stein- und Flaschenwürfen attackierten und Rauchbomben zündeten. Die Beamten hatten unter anderem Schlagstöcke gegen sie eingesetzt. Die Organisatoren des Events in Gießen standen der umstrittenen Führung des ostafrikanischen Landes nahe. In Stockholm kam es im August bei einem Eritrea-Festival zu gewalttätigen Ausschreitungen mit mehr als 50 Verletzten.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | politik | 64010138 |

Weitere Meldungen

Streit um Rundfunkbeitrag - Was heute dazu erwartet wird. Nun folgt eine Entscheidung. Was kann und muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk leisten? Am Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg geht es um die Bewertung von Vielfalt und Ausgewogenheit. (Unterhaltung, 21.04.2026 - 04:00) weiterlesen...

Betriebsrat warnt vor Jobabbau bei Rolls-Royce am Bodensee. Das Unternehmen betont jedoch die Bedeutung des Standorts Friedrichshafen. Bis zu 3.000 Stellen bei Rolls-Royce Power Systems könnten laut Betriebsrat gefährdet sein. (Wirtschaft, 20.04.2026 - 14:00) weiterlesen...

FC Bayern jagt das Triple: «Kakadu macht große Reise». Die Bayern genießen ihre 35. Meisterschaft vorerst nur gedrosselt. Sie - und eine kuriose Kultfigur - sind schließlich auf Triple-Mission. Vincent Kompany lässt für wenige Momente das Feierbiest raus. (Politik, 20.04.2026 - 12:57) weiterlesen...

Polizei: Rund 1.000 Fans bei Schlägerei vor Bayern-Stuttgart. Die Polizei berichtet tags darauf von Details des Vorfalls. Vor dem Bayern-Spiel gegen Stuttgart kommt es in der Nähe des Stadions zu einer Schlägerei von rivalisierenden Ultras. (Politik, 20.04.2026 - 12:53) weiterlesen...

Gedämpfte Bayern-Party: Meister mit Kakadu. Doch die Münchner Triple-Jäger haben noch einiges vor. Für Wehmut sorgt das Fehlen eines verletzten Nationalspielers. Der vorzeitige Gewinn der Meisterschaft löst beim FC Bayern Riesenfreude aus. (Politik, 20.04.2026 - 04:44) weiterlesen...

«Extrem speziell»: Bayern dank Tore-Party vorzeitig Meister. Erst der Champions-League-Erfolg gegen Real Madrid, dann der vorzeitige Gewinn der 35. Meisterschaft. Doch es gibt einen Wermutstropfen. Was für eine Woche für den FC Bayern. (Politik, 19.04.2026 - 19:38) weiterlesen...