Hamburg, Deutschland

Sabotageversuch an Marineschiff: Strahlkies im Motorblock

03.02.2026 - 15:36:01

Zwei MĂ€nner sind festgenommen worden. Ihnen wird versuchte Sabotage an einem Schiff vorgeworfen. Es gab Durchsuchungen in mehreren LĂ€ndern.

  • Ausschlaggebend fĂŒr die vollstreckten Haftbefehle sei eine versuchte Sabotagehandlung an der Korvette «Köln» gewesen, heißt es. (Archivbild) - Foto: Marcus Brandt/dpa

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  • Zwei MĂ€nner sind wegen mutmaßlicher Sabotage festgenommen worden - sie stehen im Verdacht, Schiffe manipuliert zu haben, die fĂŒr die Marine vorgesehen waren. (Symbolbild) - Foto: picture alliance / dpa

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Ausschlaggebend fĂŒr die vollstreckten Haftbefehle sei eine versuchte Sabotagehandlung an der Korvette «Köln» gewesen, heißt es. (Archivbild) - Foto: Marcus Brandt/dpaZwei MĂ€nner sind wegen mutmaßlicher Sabotage festgenommen worden - sie stehen im Verdacht, Schiffe manipuliert zu haben, die fĂŒr die Marine vorgesehen waren. (Symbolbild) - Foto: picture alliance / dpa

Festnahmen wegen des Verdachts der versuchten Sabotage: Die Polizei hat in Hamburg und in Griechenland zwei MĂ€nner festgenommen, denen versuchte Zerstörungen an einem fĂŒr die deutsche Marine vorgesehenen Schiff vorgeworfen werden. Bei den VerdĂ€chtigen handelt es sich um einen 37-jĂ€hrigen RumĂ€nen und einen 54-jĂ€hrigen Griechen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Hamburg mitteilte. Ausschlaggebend fĂŒr die vollstreckten Haftbefehle sei eine versuchte Sabotagehandlung an der Korvette «Köln» gewesen, sagte eine Sprecherin.

Die beiden MĂ€nner sollen im vergangenen Jahr wĂ€hrend ihrer TĂ€tigkeit im Hamburger Hafen an mehreren Korvetten Sabotagehandlungen vorgenommen haben. Die Schiffe lagen demnach auf einem WerftgelĂ€nde und waren fĂŒr die Marine bestimmt. Eine genaue Anzahl der betroffenen Schiffe nannte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft nicht. Die HintergrĂŒnde der mutmaßlichen Taten sind bislang unklar.

Erhebliche SchĂ€den befĂŒrchtet

Die MĂ€nner sollen, teils allein, teils gemeinschaftlich handelnd, ĂŒber 20 Kilogramm Strahlkies in den Motorblock eines der Schiffe eingebracht, Frischwasserzuleitungen zerstochen, Tankdeckel von Treibstofftanks entfernt und Sicherungsschalter der Schiffselektronik deaktiviert haben. 

WĂ€ren die jeweiligen Sabotagehandlungen unentdeckt geblieben, hĂ€tten sie zu erheblichen SchĂ€den an den Schiffen oder jedenfalls zu deren verspĂ€tetem Auslaufen gefĂŒhrt und dadurch die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und die Schlagkraft der Truppe gefĂ€hrden können, hieß es weiter. 

Die Auswertung der sichergestellten Beweismittel dauert laut Generalstaatsanwaltschaft an. Im Zuge der Ermittlungen wird auch
die Frage möglicher Auftraggeber der Beschuldigten geprĂŒft. 

Den Angaben nach wurden auch Wohnungen der Beschuldigten in Hamburg, RumÀnien und Griechenland durchsucht. Neben der europÀischen Justizbehörde Eurojust in Den Haag waren demnach das Landeskriminalamt Hamburg sowie griechische und rumÀnische Strafverfolgungsbehörden beteiligt. 

Geheimdienste warnen vor AktivitÀten Russlands

Zu den HintergrĂŒnden der Tat wurden zunĂ€chst keine Angaben gemacht. Nachrichtendienste warnten zuletzt aber erneut vor Spionage und Sabotage aus Russland. Diese sei «so prĂ€sent wie nie», stellte der MilitĂ€rgeheimdienst MAD im Dezember in seinem Jahresbericht fest. Die Bundeswehr sei dabei unter den am stĂ€rksten gefĂ€hrdeten Institutionen Deutschlands. 

Erst Ende Januar wurden die Gesetze gegen sogenannte Wegwerf-Agenten, die Sabotageaktionen fĂŒr auslĂ€ndische MĂ€chte durchfĂŒhren, verschĂ€rft. Sie mĂŒssen in Deutschland mit hĂ€rteren Strafen rechnen. Als «Wegwerf-Agenten» werden Handlanger ohne nachrichtendienstliche Ausbildung verstanden, die etwa ĂŒber soziale Medien angeworben werden und fĂŒr ein Handgeld gezielte SchĂ€den anrichten. 

Geschehnisse auf Korvette «Emden» Gegenstand der Ermittlungen

Der Inspekteur der Marine, Jan Christian Kaack, hatte im Februar vergangenen Jahres berichtet, Saboteure hÀtten in mehr als einem Fall gezielte SchÀden an Kriegsschiffen in Deutschland angerichtet. 

Es gebe «auf mehr als einer Einheit Zerstörung, also Sabotage», sagte der Vizeadmiral bei den «Navy Talks» in Berlin. In den Werften seien darauf entsprechende Maßnahmen getroffen worden. WDR, NDR und «SĂŒddeutsche Zeitung» hatten damals berichtet, die Korvette «Emden», die von der Hamburger Werft Blohm+Voss gebaut, aber zunĂ€chst nicht an die Marine ausgeliefert wurde, sei ein Sabotage-Ziel gewesen. 

Dem Bericht zufolge soll im Januar 2025 bei einer Kontrolle entdeckt worden sein, dass mehrere Kilogramm MetallspĂ€ne in den Antrieb des Kriegsschiffs gekippt wurden. Unentdeckt hĂ€tte dies zu erheblichen SchĂ€den gefĂŒhrt. Eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft sagte der dpa, die Geschehnisse auf der «Emden» seien Gegenstand der Ermittlungen.

Polizeiliche Maßnahme am Dienstag

Blohm + Voss ist Teil der MilitĂ€rsparte NVL der Bremer Werftengruppe LĂŒrssen. NVL bestĂ€tigte eine abgestimmte polizeiliche Maßnahme durch das Landeskriminalamt am Dienstagmorgen und kĂŒndigte eine enge Kooperation mit den verantwortlichen Behörden an. Das Sicherheitskonzept siehe unter anderem strenge Personenkontrollen beim Zutritt des WerftgelĂ€ndes vor. Â«Ăœber ein elektronisches Zutrittssystem wissen wir sehr genau, wer sich wann zu welchem Zweck auf einem Schiff befindet», teilte ein Sprecher mit. 

Die «Köln» und die «Emden» gehören zu fĂŒnf neuen Korvetten der Klasse 130, die die Bundeswehr 2017 fĂŒr etwa zwei Milliarden Euro in Auftrag gegeben hatte. FĂŒnf K130-Korvetten hatte die Marine bereits zwischen 2008 und 2013 in Dienst gestellt. Die Schiffe sind 89 Meter lang. Korvetten sind kleiner und wendiger als Fregatten und vor allem fĂŒr den Einsatz in sogenannten Randmeeren und KĂŒstengewĂ€ssern geeignet - also etwa in der Ostsee. In Hohe DĂŒne in Rostock ist das 1. Korvettengeschwader beheimatet.

Trinkwassersystem verunreinigt

Zuvor machten auch zwei andere VorfĂ€lle Schlagzeilen. So prĂŒften Behörden einen möglichen Sabotagefall gegen ein Kriegsschiff der Marine. Im Marinearsenal Wilhelmshaven sei ein «möglicher sicherheitsrelevanter Vorfall» festgestellt worden, teilte ein Sprecher des Operativen FĂŒhrungskommandos in Berlin dazu auf Anfrage im Februar vergangenen Jahres mit. 

Nach dpa-Informationen hatten Soldaten die MilitĂ€rpolizei («FeldjĂ€ger») und die zivile Polizei eingeschaltet, nachdem im SpĂŒlsystem des Saugwagens eines zivilen Auftragnehmers etwa 50 Liter Altöl bemerkt wurden und es eine Funktionsstörung gab. Ermittelt wurde zudem in einem weiteren Fall, in dem an einem Minenjagdboot KabelbĂ€ume durchtrennt wurden.

@ dpa.de

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