Bericht: Magdeburg-AttentÀter will vermutlich vor Gericht aussagen
09.11.2025 - 20:26:32 | dts-nachrichtenagentur.deTaleb A. wurde aus der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Plötzensee vorgefĂŒhrt und erklĂ€rte seine Verteidigungsstrategie. Ob er diese vor Gericht umsetzt, muss der Prozess zeigen. Dass er von seinem Schweigerecht Gebrauch macht, erscheint jedoch unwahrscheinlich angesichts seiner Angaben in der Anhörung. Taleb A. erklĂ€rte dem Richter, er wolle sich vor allem auf einen "Notstand" nach den Paragrafen 34 und 35 des Strafgesetzbuches berufen. Danach ist eine Strafbefreiung fĂŒr FĂ€lle vorgesehen, in denen sich der Beschuldigte in einer "gegenwĂ€rtigen Gefahr fĂŒr Leben, Leib oder Freiheit" befindet, die er nicht anders abwenden kann als durch die ihm zur Last gelegte Tat. Aus dem Protokoll der mehr als drei Stunden langen Anhörung geht hervor, dass sich der aus Saudi-Arabien stammende und heute 51 Jahre alte Angeklagte schon lange vor der Tat in diverse VerschwörungserzĂ€hlungen hineingesteigert haben muss. Er selbst sieht sich als Islamkritiker. GegenĂŒber dem Richter erklĂ€rt er, staatliche Behörden und FlĂŒchtlingsinitiativen in Deutschland wĂŒrden mit dem Regime in Saudi-Arabien kooperieren, um jede islamkritische Opposition auszuschalten. Die Magdeburger Polizei habe sogar versucht, saudische Asylsuchende umzubringen. Ziel einer umfassenden Verschwörung, von der auch er sich bedroht fĂŒhle, sei die Islamisierung Europas. Im Verlauf der Anhörung erhebt Taleb A. laut "Stern" immer weitere VorwĂŒrfe, die darin gipfeln, dass bei der Amokfahrt ĂŒber den Weihnachtsmarkt von Magdeburg nicht er, sondern die Polizei der eigentliche TĂ€ter gewesen sei. Mit der offiziellen Darstellung des Geschehens wĂŒrden die Opfer des Anschlages nachtrĂ€glich betrogen. Taleb A., der vor seiner Tat als Facharzt fĂŒr Psychiatrie und Psychotherapie arbeitete, Ă€uĂert mehrfach, er habe bei all seinen Konflikten mit Polizei, Gerichten und Behörden das GefĂŒhl gehabt, nicht wie ein Mensch behandelt worden zu sein. Trotz seiner massiven Drohungen seit 2023 habe er immer versucht, zu einer friedlichen Lösung zu kommen. Am Tag des Anschlages sei er gegen 16 Uhr, also etwa drei Stunden vor der Tat, in einem "Edeka"-Supermarkt gewesen und habe sich dort bereits innerlich von der Welt verabschiedet, weil er damit gerechnet habe, dass ihn bald ein Polizist erschieĂen werde. Damit, so Taleb A., wĂ€ren auch seine Schmerzen vorbei gewesen, die er nicht habe aushalten können. Bei dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt am 20. Dezember 2024 hatte der TĂ€ter einen schweren BMW-SUV am Abend in die Besuchermenge gesteuert. Sechs Menschen wurden getötet, zahlreiche andere verletzt, zum Teil lebensgefĂ€hrlich.

