Richterbund schlÀgt angesichts offener Strafverfahren Alarm
12.02.2026 - 00:00:00Gerichte und Staatsanwaltschaften seien ĂŒberlastet. "Ende 2020 waren es noch rund 700.000 offene Verfahren. Das entspricht einer Steigerung von annĂ€hernd 50 Prozent in fĂŒnf Jahren", sagte der DRB-Chef. "Allein im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen stapelten sich zuletzt fast 284.000 unerledigte Verfahren", so Rebehn. "Jahr fĂŒr Jahr schieben die Ermittler einen immer gröĂeren Berg an Verfahren vor sich her und können diesen ohne zusĂ€tzliches Personal nicht abtragen", sagte der BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Richterbundes.
Eine gefĂ€hrliche Folge der Ăberlastungen der Justiz sind den Angaben des Richterbundes zufolge aus der Untersuchungshaft entlassene TatverdĂ€chtige, wie Fristen nicht eingehalten werden können. "2025 sind bundesweit 50 dringend TatverdĂ€chtige aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil die Verfahren zu lange gedauert haben. In diesen FĂ€llen geht es in der Regel um den Vorwurf eines Verbrechens, also zum Beispiel um Tötungsdelikte, Vergewaltigungen oder schwere Körperverletzungen. Im Schnitt fast jede Woche ein freigelassener TatverdĂ€chtiger - das ist eine viel zu hohe Zahl und ein Weckruf fĂŒr die Politik, die chronisch unterbesetzte Strafjustiz deutlich besser aufzustellen", mahnte Rebehn. "Es erschĂŒttert das Rechtsempfinden der Menschen, wenn die Justiz nur noch eine Strafverfolgung nach Kassenlage leisten kann", sagte er.
Als besonders belastet bezeichnete er auch die Verwaltungsgerichte. "Der andere Brennpunkt, den wir derzeit sehen, sind die steigenden Klagezahlen vor den Verwaltungsgerichten gegen Asylbescheide. Das Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge arbeitet die FĂ€lle inzwischen deutlich schneller ab und die Ablehnungsquote steigt. Das wird dann juristisch angegriffen und es landet bei den Gerichten", erlĂ€uterte Rebehn.
"Wir haben in den vergangenen drei Jahren mehr als eine Verdopplung der VerfahrenseingÀnge in Asylsachen gesehen. 2022 waren es noch rund 62.000 Klagen, im vergangenen Jahr mehr als 140.000 Verfahren. Also rund 80.000 FÀlle oder 125 Prozent obendrauf. Das ist nur mit mehr Richtern zu schultern, zumal die Verwaltungsgerichte Asylklagen nach dem Willen der Politik in höchstens sechs Monaten erledigen sollen", sagte er.
Rebehn rief Bund und insbesondere die LÀnder auf, mehr Stellen zu finanzieren. "Es fehlen bundesweit noch immer 2.000 StaatsanwÀlte und Strafrichter, allein in NRW brauchen wir rund 350 zusÀtzliche Strafverfolger. Und einige Hundert Verwaltungsrichter fehlen bundesweit ebenfalls, um die Klageflut in Asylsachen bewÀltigen zu können", sagte er.
"Die gute Nachricht ist, dass die PersonalengpĂ€sse rasch beseitigt werden können, wenn das Geld fĂŒr den geplanten Bund-LĂ€nder-Rechtsstaatspakt erst einmal freigegeben wird. Es hakt nicht an fehlenden Bewerbern, es hakt daran, dass einige Landesfinanzminister die Dringlichkeit nicht erkennen wollen und Geld fĂŒr zusĂ€tzliche Stellen bislang verweigern", kritisierte Rebehn. @ dts-nachrichtenagentur.de
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