WM, Schweiz

Finalfluch hÀlt an: Schweiz nur «Weltmeister der Herzen»

01.06.2026 - 08:58:48 | dpa.de

10.000 Fans, Tennis-Ikone Roger Federer in der Kabine, pure Euphorie – und dann wieder TrĂ€nen: Warum die Schweizer Eishockey-Stars in den WM-Finalspielen am Ende doch wieder scheitern.

  • Die Schweiz um KapitĂ€n Roman Josi (l) trauert nach dem verlorenen WM-Finale gegen Finnland. - Foto: Claudio Thoma/KEYSTONE/dpa
    Die Schweiz um KapitÀn Roman Josi (l) trauert nach dem verlorenen WM-Finale gegen Finnland. - Foto: Claudio Thoma/KEYSTONE/dpa
  • Großer Frust bei den Schweizern nach der erneuten Final-Niederlage. - Foto: Darko Bandic/AP/dpa
    Großer Frust bei den Schweizern nach der erneuten Final-Niederlage. - Foto: Darko Bandic/AP/dpa
  • Der Moment nach dem Gegentor: TorhĂŒter Leonardo Genoni und sein Team haben erneut ein WM-Finale verloren. - Foto: Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE/dpa
    Der Moment nach dem Gegentor: TorhĂŒter Leonardo Genoni und sein Team haben erneut ein WM-Finale verloren. - Foto: Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE/dpa
  • Der Finne Konsta Helenius entscheidet mit seinem Treffer das WM-Finale gegen Gastgeber Schweiz. - Foto: Darko Bandic/AP/dpa
    Der Finne Konsta Helenius entscheidet mit seinem Treffer das WM-Finale gegen Gastgeber Schweiz. - Foto: Darko Bandic/AP/dpa
  • Finnlands Konsta Helenius trifft mit seinem Tor in der VerlĂ€ngerung die Schweiz tief ins Herz. - Foto: Roni Rekomaa/Lehtikuva/dpa
    Finnlands Konsta Helenius trifft mit seinem Tor in der VerlÀngerung die Schweiz tief ins Herz. - Foto: Roni Rekomaa/Lehtikuva/dpa
Die Schweiz um KapitĂ€n Roman Josi (l) trauert nach dem verlorenen WM-Finale gegen Finnland. - Foto: Claudio Thoma/KEYSTONE/dpa Großer Frust bei den Schweizern nach der erneuten Final-Niederlage. - Foto: Darko Bandic/AP/dpa Der Moment nach dem Gegentor: TorhĂŒter Leonardo Genoni und sein Team haben erneut ein WM-Finale verloren. - Foto: Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE/dpa Der Finne Konsta Helenius entscheidet mit seinem Treffer das WM-Finale gegen Gastgeber Schweiz. - Foto: Darko Bandic/AP/dpa Finnlands Konsta Helenius trifft mit seinem Tor in der VerlĂ€ngerung die Schweiz tief ins Herz. - Foto: Roni Rekomaa/Lehtikuva/dpa

TrĂ€nen bei den Schweizer NHL-Stars, Schockstarre in der Arena in ZĂŒrich und jubelnde Gegner: Das Finaltrauma bei der Eishockey-Weltmeisterschaft geht weiter. «Es ist einfach zum Kotzen», sagte der Schweizer StĂŒrmer Christoph Bertschy. Wie schon bei den Final-Niederlagen 2013, 2018, 2024 und 2025 waren die Schweizer bereits in der Kabine, als der neue Champion - in diesem Fall Finnland - den Pokal hochreckte. «Weltmeister der Herzen und Schmerzen», titelte das Schweizer Boulevardblatt «Blick».

Dabei war alles angerichtet fĂŒr den ersten WM-Titel. 10.000 Fans in der Arena in ZĂŒrich, Euphorie im ganzen Land, Tennis-Ikone Roger Federer sowie Ski-Star Marco Odermatt als Einpeitscher in der Kabine und ein Lied, das zur neuen Lieblingshymne der Schweizer mutierte. Doch die «W. Nuss vo BĂŒmpliz» von Patent Ochsner wurde am Sonntagabend nicht gespielt, anders als in den vorherigen neun Partien. Mit teils furiosen Erfolgen und 48:8 Toren spazierte die Schweiz durch das Turnier und scheiterte erneut am letzten, entscheidenden Schritt.

Die goldene Generation um den NHL-Star Roman Josi von den Nashville Predators bleibt weiter ohne Krönung. «Wir hatten das GefĂŒhl, es sei unser Tag», sagte KapitĂ€n Josi nach der fĂŒnften Niederlage im fĂŒnften Endspiel. Erstmals ging seine Mannschaft als Favorit ins finale Match. Und doch scheiterte die «Nati» am Ende an den eigenen Erwartungen. 

Goldene Generation ohne Krönung?

Viele Möglichkeiten hat die Mannschaft um den 36 Jahre alten Josi, dem ĂŒberragenden TorhĂŒter Leonardo Genoni (38) und StĂŒrmer Nino Niederreiter (33) nicht mehr. «Die Jahre sind gezĂ€hlt, vor allem fĂŒr mich», betonte Niederreiter von den Winnipeg Jets. Schweiz ist zwar mittlerweile ein Eishockey-Land geworden, die Vielzahl an Topspielern wie in Schweden, Finnland und vor allem in den USA und Kanada gibt es jedoch nicht.

In ZĂŒrich zeigte sich wie bei den Final-Niederlagen 2024 und 2025 zudem ein gleiches Muster. Wieder glĂ€nzte die Schweiz in der Vorrunde, in der auch die deutsche Mannschaft beim 1:6 eine Lehrstunde erhielt. In der K.o.-Runde war der WM-Gastgeber zunĂ€chst ebenfalls nicht zu stoppen, eliminierte sogar Angstgegner Schweden (3:1) im Viertelfinale - bis die ominösen Endspiele kommen.

«Wir finden keine Wege, um Tore zu schießen», monierte Niederreiter. In den Finalspielen ist das gegnerische Tor wie zugenagelt. Kein Treffer vor zwei Jahren beim 0:2 gegen Tschechien, kein Tor beim 0:1 nach VerlĂ€ngerung gegen die USA vor zwölf Monaten und nun war nur der Finne Konsta Helenius in der VerlĂ€ngerung erfolgreich. «Die NervositĂ€t hat uns etwas gehemmt», merkte Trainer Jan Cadieux an, der wenige Wochen vor dem Erfolgscoach Patrick Fischer ersetzte. Der 50-JĂ€hrige stolperte ĂŒber das Bekanntwerden eines gefĂ€lschten Covid-Impfzertifikates vor Olympia 2022 in Peking.

Nicht wegen der Final-Niederlagen, aber wegen des Skandals um den langjĂ€hrigen Nationaltrainer Fischer, zog Verbands-PrĂ€sident Urs Kessler am Montag Konsequenzen und trat nach nur knapp neun Monaten zurĂŒck. «Ich habe mich entschieden, das Amt als PrĂ€sident per sofort niederzulegen und den Weg freizumachen fĂŒr einen Neuanfang, welchen der Verband dringend benötigt», sagte der 64-JĂ€hrige. «Die fortwĂ€hrenden Diskussionen haben mir gezeigt, dass ich dafĂŒr nicht die richtige Person bin.» Kessler hatte Fischer zunĂ€chst gestĂŒtzt, sich nach dem immer grĂ¶ĂŸeren werdenden Druck fĂŒr eine Trennung entschieden. Dies sorgte in der WM-Vorbereitung fĂŒr viel Wirbel.

NĂ€chste Chance in Deutschland

Die nĂ€chste Chance der Schweizer gibt es ausgerechnet im Land des Erzrivalen. Lange Jahre war die deutsche Mannschaft auf Augenhöhe mit dem Vize-Weltmeister, aktuell ist die Schweiz weit enteilt. Bei der kommenden WM 2027 in Mannheim und DĂŒsseldorf gehört sie als neuer FĂŒhrender der Weltrangliste zu den Favoriten. «Wir werden wieder aufstehen», kĂŒndigte der Schweizer StĂŒrmer Timo Meier von den New Jersey Devils an. «Aber momentan ist das alles nur ein scheiß GefĂŒhl.»

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