Die nÀchste EnttÀuschung: So ist Portugal kein WM-Favorit
28.06.2026 - 06:17:53 | dpa.deCristiano Ronaldo ging als Erster vom Platz. Eine Umarmung noch fĂŒr Kolumbiens StĂŒrmer Luis SuĂĄrez, ein paar freundliche Gesten fĂŒr die gegnerischen Fans - dann war Portugals KapitĂ€n in der Kabine verschwunden.
Das enttĂ€uschende und obendrein glĂŒckliche 0:0 gegen Kolumbien verstĂ€rkte auch bei «CR7» den Eindruck, der schon beim schwachen WM-Auftakt gegen die Demokratische Republik Kongo entstanden war: In dieser Form ist Portugal kein Titelkandidat bei der FuĂball-Weltmeisterschaft. Nach nur einem Sieg in drei Vorrunden-Spielen reichte es nicht einmal zum ersten Platz in der Gruppe K.
Trainer Roberto Martinez sieht das weiterhin anders: «Es gibt bei der WM keine Mannschaft, die jedes Spiel mit 3:0 gewinnt. So funktioniert FuĂball nicht», sagte der Spanier. Dieses Spiel sei ein «wertvoller Test» gewesen. Eine Art PrĂŒfung, «nach der man sich deutlich besser prĂ€pariert fĂŒhlt fĂŒr die nĂ€chsten Aufgaben. Wenn das Ziel der WM-Sieg ist, mĂŒssen wir uns weiterentwickeln.»
FuĂspitze entscheidet: Portugal im GlĂŒck
Dies ist schon eine sehr wohlwollende Lesart fĂŒr ein Spiel, das Kolumbien in nahezu jeder Hinsicht dominierte. In der Nachspielzeit hatten Ronaldo und Co. noch einmal besonders viel GlĂŒck, als ein Kopfballtor von Davinson SĂĄnchez nicht gegeben wurde (90.+1). Kolumbiens Abwehrspieler hatte mit der FuĂspitze im Abseits gestanden.
Ansonsten spuckte der Abend in Miami eine Menge Daten aus, von denen den Portugiesen nur eine Zahl gefallen konnte: Im Ranking der WM-Rekordspieler zog der 41 Jahre alte Ronaldo mit dem zweitplatzierten Lothar MatthÀus gleich. Sein 25. WM-Einsatz war einer seiner schwÀchsten.
Und die anderen Werte? Zu Buche standen 24:13 TorschĂŒsse und 5:2 GroĂchancen fĂŒr Kolumbien. Als bester Spieler der Partie wurde Portugals Torwart Diogo Costa ausgezeichnet. Auch das sagt viel ĂŒber die Leistung des Europameisters von 2016 aus.
«Ich hĂ€tte das Spiel lieber gewonnen und meine Auszeichnung gegen einen Sieg eingetauscht», sagte der Schlussmann des FC Porto. «Wir haben uns phasenweise zu sehr von der emotionalen Seite des Spiels mitreiĂen lassen, anstatt die Kontrolle zu behalten. Das fĂŒhrte zeitweise zu Unordnung.»
Kolumbien kann weit kommen
Es ist das groĂe Problem dieser hoch veranlagten Auswahl, das sich seit dem EM-Titel vor zehn Jahren praktisch durch jede Welt- und Europameisterschaft zieht: Aus vielen klangvollen Namen einen stimmigen Verbund zu bilden, gelingt den Portugiesen einfach nicht. Spielen Ronaldo und JoĂŁo FĂ©lix vorne, fehlen dem Spiel Tempo und Tiefgang. RĂŒckt Rafael LeĂŁo an die Seite des alternden Stars, spielt Portugal in der RĂŒckwĂ€rtsbewegung praktisch nur zu neunt.
Auf der anderen Seite haben die Kolumbianer fast alles, was man braucht, um bei einer WM weit zu kommen: individuelle QualitĂ€t, eine Menge Wucht und noch mehr Willen. Und dazu die UnterstĂŒtzung zehntausender Fans bei diesem Turnier.
Erst Kroatien, dann Spanien? Schwerer Weg fĂŒr Portugal
Der völlig verdiente Gruppensieg beschert den SĂŒdamerikanern nun den vermeintlich leichteren Weg durch den weiteren Verlauf der WM. NĂ€chster Gegner ist Ghana (Samstag, 4. Juli, 3.30 Uhr). Danach geht es im Erfolgsfall gegen die Schweiz oder Algerien weiter.
Portugals Turnierpfad liest sich auf dem Papier deutlich schwerer. Als NĂ€chstes wartet Kroatien - und das nach der Ortszeit in Toronto gerechnet nur einen Abend vor dem ersten Todestag des StĂŒrmers Diogo Jota. Dahinter lauert der groĂe Nachbar Spanien in einem möglichen Achtelfinal-Duell. Das sind der aktuelle WM-Dritte und der amtierende Europameister: ein hoher Preis fĂŒr den Vorrunden-Platz zwei.
«Jetzt beginnt ein neues Turnier», sagte Trainer Martinez ĂŒber die K.o.-Phase der WM. «In den ersten drei Spielen geht es nur darum, diese Aufgabe zu bestehen und zu wachsen. Das haben wir getan!»
