Krankenhaus-Mitarbeiter, Essen

Besucher verletzen mehrere Krankenhaus-Mitarbeiter in Essen

22.09.2024 - 16:20:52 | dpa.de

Angehörige eines Patienten greifen in Essen die Mitarbeiter eines Krankenhauses an. Eine 23-JĂ€hrige wird schwer verletzt. JĂŒngst gibt es eine Zunahme der Gewalt gegen Klinik-BeschĂ€ftigte.

In einem Essener Krankenhaus wurden Mitarbeiter von Besuchern angegriffen und verletzt. Die Polizei griff ein. (Symbolbild) - Foto: Soeren Stache/dpa

Mindestens sechs Mitarbeiter eines Krankenhauses in Essen sind von Angehörigen eines Patienten angegriffen und verletzt worden, eine 23-JÀhrige schwer. Ein 41 Jahre alter TatverdÀchtiger sei festgenommen worden, teilte eine Sprecherin der Polizei mit. Die 23-JÀhrige wird demnach noch im Krankenhaus behandelt, befindet sich jedoch nicht in Lebensgefahr.

Der Vorfall ereignete sich bereits am Freitag im Stadtteil Huttrop. Ein Team habe sich um die Versorgung des schwer kranken Patienten gekĂŒmmert und versucht, ihn zu reanimieren, teilte das Elisabeth-Krankenhaus mit. Trotz aller BemĂŒhungen sei der Patient gestorben - nahezu gleichzeitig sei es zu dem Angriff der Angehörigen auf das Reanimationsteam und weitere Kollegen gekommen, hieß es weiter.

Der 41 Jahre alte TatverdĂ€chtige wurde laut Polizei noch am Abend wieder freigelassen. Gegen ihn wurde Anzeige erstattet wegen des Verdachts der gefĂ€hrlichen Körperverletzung und wegen der BeschĂ€digung von Krankenhaus-Inventar. GeprĂŒft werden den Angaben zufolge auch Verbindungen zur ClankriminalitĂ€t. Die Polizei sucht nach einem weiteren Krankenhausbesucher, der an der Auseinandersetzung beteiligt war und flĂŒchtig ist. Zeugen sind aufgerufen, sich zu melden.

Die Bezeichnung ClankriminalitÀt ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund alleine aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert.

Krankenhaus fĂŒhrt Sicherheitsmaßnahmen ein

Aufgrund des Angriffes fĂŒhrte das Krankenhaus noch am Freitag einen kontrollierten Einlass am Haupteingang und weitere Sicherheitsmaßnahmen ein. Der Tag sei eine ZĂ€sur, «denn hier hat eine bisher noch nie dagewesene AggressivitĂ€t und Gewalt gegenĂŒber Mitarbeitenden unseres Hauses stattgefunden», sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Peter Berlin.

Auch der Essener OberbĂŒrgermeister Thomas Kufen (CDU) Ă€ußerte sich am Wochenende zu den Ereignissen. «Auch der Verlust eines nahen Angehörigen entschuldigt oder rechtfertigt nicht ein solches Verhalten oder gar einen Angriff auf Krankenhauspersonal und ein Krankenhaus. Ich verurteile das aufs SchĂ€rfste und habe fĂŒr ein solch asoziales Verhalten ĂŒberhaupt kein VerstĂ€ndnis», sagte er. Staatsanwaltschaft und Gerichte seien nun gefordert, darauf eine klare Antwort zu geben.

Umfrage: Zunahme der Gewalt bei 73 Prozent der KrankenhÀuser

BeschĂ€ftigte von KrankenhĂ€usern sind nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) immer hĂ€ufiger von gewalttĂ€tigen Übergriffen betroffen. Laut einer im Auftrag des Interessenverbandes im April durchgefĂŒhrten reprĂ€sentativen Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts gaben 73 Prozent der KrankenhĂ€user an, dass die Zahl der Übergriffe in den HĂ€usern in den vergangenen fĂŒnf Jahren mĂ€ĂŸig (53 Prozent) oder deutlich (20 Prozent) gestiegen ist. Nur vier Prozent verzeichneten weniger Gewalt. 

Am stĂ€rksten betroffen ist demnach der Pflegedienst. Als eine der Hauptursachen fĂŒr Gewalt nannten die Kliniken «einen allgemeinen Respektverlust» gegenĂŒber Krankenhauspersonal. Die KrankenhĂ€user versuchen der Umfrage zufolge den Übergriffen mit Deeskalationstrainings und baulichen Maßnahmen wie ZutrittsbeschrĂ€nkungen und VideoĂŒberwachung vorzubeugen. 28 Prozent der Kliniken setzen einen Sicherheitsdienst ein. Mehr als 90 Prozent der KrankenhĂ€user fordern angesichts der zunehmenden Gewalt eine StrafverschĂ€rfung. 

«Die Gewalt gegen Helfer und damit auch in KrankenhĂ€usern hat in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen. Sehr hĂ€ufig ist der Grund, dass Patienten die Reihenfolge, wie NotfĂ€lle behandelt werden, nicht verstehen», sagte DKG-Sprecher Joachim Odenbach. In der persönlichen Notsituation werde zunehmend Gewalt angewendet, bei Gruppen sei dies besonders hĂ€ufig der Fall. «Gewalt scheint immer mehr ein Mittel der Auseinandersetzung zu werden.» Gesellschaftliche Schieflagen dĂŒrften aber nicht auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgewĂ€lzt werden.

Gewerkschaft der Polizei NRW: Ereignis passt in aktuelle Entwicklung

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in NRW, Michael Mertens, sagte: «Was in Essen geschehen ist, passt leider in die aktuelle Entwicklung. Es gibt eine Zunahme bei der Gewalt an Personen, die anderen Menschen helfen oder sie schĂŒtzen. Dazu zĂ€hlen Feuerwehrleute, Polizisten, Rettungsdienst und Krankenhausangestellte.» Die Gewerkschaft fordert, die Sachverhalte in diesem Bereich schnell aufzuklĂ€ren und hart zu bestrafen.

Eine Abfrage bei den LandeskriminalÀmtern zeigt: Die Zahl von Gewalttaten in deutschen KrankenhÀusern steigt. Bundesweit ist die Zahl sogenannter Rohheitsdelikte in medizinischen Einrichtungen seit 2019 um etwa 18 Prozent auf mehr als 6.190 Taten im Jahr 2022 gestiegen. Unter Rohheitsdelikte fallen Straftaten wie Raub oder Körperverletzung und Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Im Jahr 2019 waren es noch etwa 5.245 Delikte im Umfeld einer medizinischen Einrichtung. 

Möglicherweise erhebliche Dunkelziffer

Die Zahlen gehen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik der LandeskriminalĂ€mter hervor. Die LĂ€nder Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind bei den Daten nicht inbegriffen, da sie Tatorte erst seit 2020 gesondert in ihrer Statistik erfassen. Die Daten lassen allerdings nicht erkennen, von wem die Gewalt verĂŒbt wurde. So kann sowohl das Opfer als auch der TatverdĂ€chtige aus dem Bereich des Ă€rztlichen oder pflegerischen Personals stammen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und das Deutsche Krankenhausinstitut gehen von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Gerade kleinere Übergriffe wĂŒrden vielfach nicht angezeigt, hieß es.

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