Israel, Libanon

Trump: Weniger Angriffe auf Libanon – Bald Verhandlungen

09.04.2026 - 23:10:44 | dpa.de

Die israelischen Angriffe auf den Libanon gefÀhrden die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Nun hat US-PrÀsident Trump offenbar Druck auf den israelischen Regierungschef gemacht.

  • Israel bombardierte am Mittwoch zahlreiche Hisbollah-Ziele im Libanon – dabei wurden mehr als 300 Menschen getötet. - Foto: Hassan Ammar/AP/dpa
  • Die Not im Libanon ist nach den Bombardements aus Israel groß. - Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa
Israel bombardierte am Mittwoch zahlreiche Hisbollah-Ziele im Libanon – dabei wurden mehr als 300 Menschen getötet. - Foto: Hassan Ammar/AP/dpa Die Not im Libanon ist nach den Bombardements aus Israel groß. - Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa

Israel wird nach Angaben von US-PrĂ€sident Donald Trump die Angriffe im Libanon zurĂŒckfahren. Zugleich nehmen diplomatische BemĂŒhungen fĂŒr ein Ende des Kriegs zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon Fahrt auf. Wie ein Beamter des US-Außenministeriums bestĂ€tigte, soll es in der kommenden Woche in Washington Verhandlungen zwischen beiden LĂ€ndern ĂŒber eine Waffenruhe geben. Wann genau die GesprĂ€che stattfinden und wer teilnimmt, blieb zunĂ€chst unklar. 

Trump sagte dem US-Sender NBC in einem Telefoninterview, er habe mit Israels MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu gesprochen und dieser habe eine Reduzierung der Attacken zugesagt. 

Die andauernden und heftigen Angriffe Israels gegen die vom Iran unterstĂŒtzte Hisbollah im Libanon bedrohen die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. US-Medien sowie der israelische Sender N12 berichteten, dass Trump und sein Sondergesandter Steve Witkoff Druck auf Netanjahu gemacht hĂ€tten, die Angriffe auf den Libanon zu reduzieren.

Netanjahu: Werden Hisbollah mit HÀrte bekÀmpfen

Am Abend kĂŒndigte Netanjahu direkte Verhandlungen mit dem nördlichen Nachbarland an. Trumps Darstellung bestĂ€tigte er in einem spĂ€teren Statement allerdings nicht. 

Stattdessen sagte er, Israel werde die libanesische Hisbollah-Miliz weiterhin mit HĂ€rte bekĂ€mpfen und nicht aufhören, ehe es Sicherheit fĂŒr die Bevölkerung im Norden Israels gebe. «Es gibt keine Waffenruhe im Libanon.» Aus libanesischen Regierungskreisen hieß es dagegen, mögliche Verhandlungen sollten nur unter den Bedingungen einer Waffenruhe stattfinden. 

300 Tote an einem Tag im Libanon

Nach Beginn des Iran-Kriegs vor mehr als fĂŒnf Wochen hatte auch die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel wieder aufgenommen. Erstmals seit Beginn einer Waffenruhe im November 2024 griff sie Israel wieder mit Raketen an. Israel reagierte mit heftigen Luftangriffen und BodeneinsĂ€tzen in dem nördlichen Nachbarland. Vor der Waffenruhe hatte es einen einjĂ€hrigen Krieg gegeben. 

Am Mittwoch setzte Israel seine Angriffe trotz Feuerpause im Iran-Krieg fort und bombardierte eigenen Angaben zufolge zahlreiche Hisbollah-Ziele im Libanon, auch in der Hauptstadt Beirut. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden dabei mehr als 300 Menschen getötet. Am Donnerstag gingen die gegenseitigen Angriffe weiter. 

Am Abend hieß es in einer Mitteilung von Netanjahus BĂŒro, der Regierungschef habe das Kabinett nach wiederholten Bitten des Nachbarlandes angewiesen, die GesprĂ€che mit dem Libanon «so bald wie möglich» zu beginnen. Die Verhandlungen sollen sich demnach auf die Entwaffnung der Hisbollah und die Aufnahme friedlicher Beziehungen zwischen Israel und dem Libanon konzentrieren. 

In einer Videobotschaft sagte der israelische Regierungschef, Ziel der direkten Verhandlungen sei «ein historisches, dauerhaftes Friedensabkommen zwischen Israel und dem Libanon».

AuswÀrtiges Amt: GesprÀche können wichtiger erster Schritt sein

Libanons PrÀsident Joseph Aoun hatte in der Vergangenheit mehrfach die Bereitschaft zu Verhandlungen mit Israel signalisiert. 

Wie die israelische Nachrichtenseite «ynet» unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person berichtete, sollen die GesprÀche zwischen Israel und dem Libanon nÀchste Woche in Washington stattfinden. Demnach sollen zunÀchst die US-Botschafter der beiden verfeindeten LÀnder daran teilnehmen.

Auch die israelische Zeitung «Maariv» meldete, dass die GesprÀche nÀchste Woche beginnen sollen. Der israelische Sender N12 berichte von Verhandlungen «voraussichtlich Anfang nÀchster Woche». Ein Sprecher von Netanjahu wollte die Zeitangabe auf Anfrage zunÀchst nicht bestÀtigen.

Das AuswĂ€rtige Amt in Berlin begrĂŒĂŸte Netanjahus AnkĂŒndigung: «Die DirektgesprĂ€che können ein wichtiger erster Schritt sein hin zu einer gemeinsamen Zukunft als Nachbarn, in der Israels legitime Sicherheitsinteressen und Libanons Recht auf territoriale IntegritĂ€t und SouverĂ€nitĂ€t gleichermaßen Rechnung getragen werden kann», teilte eine Sprecherin mit. 

«Pakistan-Modell» fĂŒr Verhandlungen?

FĂŒr die erwarteten GesprĂ€che zwischen Israel und dem Libanon wurde aus libanesischen Regierungskreisen ein «Pakistan-Modell» vorgeschlagen, angelehnt an ein Ă€hnliches Vorgehen bei den Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA. Dieses sehe eine zweiwöchige Feuerpause vor, wobei GesprĂ€che 72 Stunden nach Inkrafttreten beginnen sollen.

Den Angaben zufolge soll die libanesische Delegation von dem Ex-Botschafter in den USA, Simon Karam, geleitet werden. Ihr wĂŒrden zudem weitere Mitglieder angehören, die im Rahmen der verfassungsmĂ€ĂŸigen Befugnisse des PrĂ€sidenten bestimmt werden, darunter auch ein schiitischer Vertreter. Im aktuellen Krieg ist die libanesische Regierung keine aktive Kriegspartei. Die schiitische und vom Iran unterstĂŒtze Hisbollah beschießt sich derzeit mit dem israelischen MilitĂ€r. Eine schiitische ReprĂ€sentation ist fĂŒr den Erfolg von Verhandlungen daher wichtig.

Kritik von der Hisbollah

Der libanesische Abgeordnete der Hisbollah, Ali Fajad, forderte die Regierung dazu auf, auf eine Waffenruhe als Voraussetzung fĂŒr weitere Schritte zu bestehen. Erst danach sollten nachfolgende Maßnahmen in Betracht gezogen werden.

Hisbollah-Chef Naim Kassim hatte zuletzt gesagt, GesprĂ€che unter andauerndem Beschuss kĂ€men einer Kapitulation gleich und wĂŒrden den Libanon seiner HandlungsfĂ€higkeit berauben. Verhandlungen seien grundsĂ€tzlich abzulehnen, solange der Gegner weiterhin Gebiete besetze und tĂ€gliche Angriffe fortsetze.

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