Förderung, Deutschland

Neue Kritik an Weimer wegen Eingriff in Jury-Entscheidung

27.03.2026 - 13:12:19 | dpa.de

Die Vergabe von Fördergeldern und Preisen lĂ€uft in Deutschland oft ĂŒber unabhĂ€ngige Auswahlgremien. Der Beauftragte fĂŒr Kultur und Medien ist offenbar nicht immer damit einverstanden.

Der GrĂŒne Sven Lehmann hat den Kulturstaatsminister schon mehrfach in den Kulturausschuss geladen, um Bericht zu erstatten. (Archivbild)  - Foto: Christoph Soeder/dpa
Der GrĂŒne Sven Lehmann hat den Kulturstaatsminister schon mehrfach in den Kulturausschuss geladen, um Bericht zu erstatten. (Archivbild) - Foto: Christoph Soeder/dpa

GrĂŒne und Linke ĂŒben erneut Kritik an Eingriffen von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer in die Entscheidung unabhĂ€ngiger Jurys bei der Vergabe von Fördermitteln. «Damit höhlt er den Grundsatz der Staatsferne aus, der fĂŒr die Kulturförderung in einer Demokratie ĂŒberlebenswichtig ist», sagte Sven Lehmann (GrĂŒne), der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag.

Solange die Kunstfreiheit im Grundgesetz gelte, habe sich der Kulturstaatsminister zurĂŒckzuhalten. Ähnlich Ă€ußerte sich der Linken-Kulturpolitiker David Schliesing.

Sprecherin: Empfehlungen der Jury seien nicht bindend

Hintergrund ist ein Bericht der «SĂŒddeutschen Zeitung», wonach Vertreter des Beauftragten fĂŒr Kultur und Medien die Auswahl der Jury beim Hauptstadtkulturfonds in einem Fall revidiert haben. Dabei ging es demnach um die Förderung eines Übersetzungsprojekts palĂ€stinensischer Autoren. Dieses sei «zurĂŒckgestellt» worden. 

Eine Sprecherin Weimers sagte der «SZ», die Auswahl der Projekte durch die Jury seien nur Empfehlungen, die nicht bindend seien. Die Deutsche Presse-Agentur hat Weimer um Stellungnahme gebeten.

Jury beklagt sich

Die Jury des Hauptstadtkulturfonds hatte sich ohne Nennung des Einzelfalls in einer ErklĂ€rung gegen «jede politische Einmischung in die Arbeit unabhĂ€ngiger Fachjurys» gewandt. «UnabhĂ€ngige Jurys sind in der öffentlichen Kulturförderung kein symbolisches Beiwerk, sondern ein institutioneller Schutz der Kunstfreiheit nach Art. 5 Abs. 3 GG», heißt es darin. «Wer solche Jurys nachtrĂ€glich korrigiert, delegitimiert oder politisch ĂŒbersteuert, greift nicht nur einzelne Entscheidungen an, sondern unterlĂ€uft den Schutzraum freier Kunst.»

Linken-Politiker Schliesing sagte, Weimer greife gezielt und systematisch in die Kunstfreiheit ein. «Ich erwarte, dass jetzt endlich die SPD auf den Tisch haut und den Bundeskanzler dazu zwingt, Weimer zu stoppen.» Und er fuhr fort: «Die Bundesregierung muss sich jetzt klar und unmissverstÀndlich dazu bekennen, jegliche politische Einflussnahme in der Kulturförderung zu unterlassen.» 

«Mehr als punktuelle ZufÀlle»

Auch der GrĂŒne Lehmann monierte: «Die derzeit stattfindenden Eingriffe sind mehr als nur punktuelle ZufĂ€lle. Es entsteht der Eindruck, die Regierung versuche, unliebsame Akteure auszusortieren.» Das unterwandere etablierte Instrumente staatsferner Kunstförderung und schaffe ein Klima von Angst, Misstrauen und Selbstzensur.

Weimer stand zuletzt in der Kritik, weil er drei linke BuchlĂ€den wegen «verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse» von der Liste des Deutschen Buchhandlungspreises gestrichen hatte. Die Auswahl hatte ebenfalls eine unabhĂ€ngige Jury getroffen. Schliesing hatte danach bereits Weimers RĂŒcktrit gefordert.

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