Deutschland, Verkehr

Jeden Tag fünf Bahnbeschäftigte körperlich attackiert

04.01.2026 - 06:00:08

Eigentlich wollen sie nur Kunden beraten, Tickets kontrollieren oder im Bahnhof saubermachen. Doch die offizielle Statistik zeigt: Wer bei der Bahn arbeitet, erlebt oft Aggression.

Bei der Deutschen Bahn sind in den ersten zehn Monaten 2025 im Schnitt jeden Tag fünf Beschäftigte im Dienst körperlich angegriffen worden. Hinzu kamen statistisch noch einmal vier Fälle von Bedrohung pro Tag. Dies geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des Linken-Politikers Dietmar Bartsch hervor. Bei der Bundespolizei wurden demnach täglich 30 Beschäftigte Opfer einer Straftat. Tendenz: steigend.

Statistik für die Zeit von Januar bis Oktober

Laut Innenministerium wurden 2025 in der Zeit von Januar bis Ende Oktober insgesamt 2.987 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahn Opfer von Straftaten. Darunter waren 1.148 Fälle von Bedrohung, 1.231 Fälle von Körperverletzung und 324 Fälle von gefährlicher Körperverletzung.

Für die Bundespolizei weist die Statistik für den Zeitraum 9.329 Beschäftigte als Opfer einer Straftat aus. Darunter waren 7.529 Fälle von Widerstand, 2.981 tätliche Angriffe und 1.796 Fälle von Bedrohung, wie das Ministerium mitteilte. Datengrundlage ist dabei die Polizeiliche Eingangsstatistik der Bundespolizei.

«Trauriger Rekord»

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2024 erstatteten 3.151 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn Anzeigen wegen Körperverletzung oder Bedrohungen. Die Zahl der erfassten Opfer von Straftaten gegen Angehörige der Bundespolizei lag 2024 bei 10.726. Die Zahlen hatte damals ebenfalls Bartsch abgefragt.

Nimmt man die noch nicht erfassten Monate November und Dezember dazu, geht Bartsch für 2025 von einem «traurigen Rekordjahr» aus. «Mehr als 10.000 angepöbelte, angespuckte und körperlich angegriffene Bundespolizisten und Bahnmitarbeiter – diese inakzeptablen Zahlen stellen unserem Land ein verheerendes Zeugnis aus», meinte der Linken-Politiker. «Diese Verrohung darf nicht hingenommen werden.» Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) müsse einen Plan mit Schutzmaßnahmen vorlegen.

«Jeder Übergriff zu viel»

Ein Bahnsprecher betonte auf Anfrage: «Jeder Übergriff auf einen DB-Beschäftigten ist einer zu viel. Die Sicherheit unserer Mitarbeitenden – wie die aller Fahrgäste – hat oberste Priorität. Deshalb setzen wir im Rahmen unserer drei Sofortprogramme 2026 auch genau hier einen besonderen Schwerpunkt: bei der Sicherheit und Sauberkeit an den Bahnhöfen.»

Der damalige Bahnchef Richard Lutz hatte im vergangenen Jahr erläutert, dass bei rund der Hälfte der Übergriffe Zugpersonal im Regionalverkehr betroffen sei. Aber auch Reinigungskräfte oder Servicekräfte am Bahnhof oder Kundenberaterinnen oder Busfahrer seien angegriffen worden. Seit 2024 stattet die Bahn Personal für Kontakt mit Fahrgästen im Nahverkehr schrittweise und auf freiwilliger Basis mit Bodycams aus.

@ dpa.de

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