Berlin, Deutschland

Theaterleiter Ulrich Khuon: Â«Ăœben zuzuhören»

18.06.2023 - 11:38:44 | dpa.de

Nach 14 Jahren verabschiedet sich Ulrich Khuon als Intendant des Deutschen Theaters in Berlin. Er erklÀrt zum Abschied, warum er die Gesellschaft als gereizt erlebt - und wie er es mit gendergerechter Sprache hÀlt.

Ulrich Khuon verlÀsst das Deutsche Theater in Berlin. - Bild: Jens Kalaene/dpa
Ulrich Khuon verlÀsst das Deutsche Theater in Berlin. - Bild: Jens Kalaene/dpa

Der langjĂ€hrige Theaterintendant Ulrich Khuon hat fĂŒr mehr Gelassenheit und Dialogbereitschaft in aktuellen Debatten plĂ€diert. Die Gesellschaft erlebt er als gereizt. «Die Themen werden in einer Dramatik diskutiert, wo ich dann oft sagen wĂŒrde: 'Wir machen es jetzt mal so. Und dann gucken wir in zehn Jahren. Wir vertrauen dem Prozess'», sagte Khuon der Deutschen Presse-Agentur. «Ich muss nicht heute die endgĂŒltige Antwort haben.»

Khuon verabschiedet sich nach 14 Jahren als Intendant des Deutschen Theaters in Berlin. Nach Stationen in Hannover und Hamburg hatte er den Posten 2009 ĂŒbernommen. In Zukunft soll er die Interimsintendanz 2024/2025 am Schauspielhaus ZĂŒrich ĂŒbernehmen.

FĂŒr die Gesellschaft wĂŒnscht er sich mehr Bereitschaft zuzuhören. «Man muss GegensĂ€tze diskutieren dĂŒrfen, aber man muss nicht immer gleich das GefĂŒhl des Weltuntergangs haben, wenn das und das passiert», sagte der 72-JĂ€hrige. Die Bereitschaft, grundsĂ€tzlich zuzuhören, sei nicht so ausgeprĂ€gt, sondern es gebe eine starke Blockbildung. «Manchmal denkt man: Jede Seite macht zu wenig auf. Und da ist das Dritte, die Kunst, gut.»

Über «Bescheidwisserei»

Ein Thema, das in den vergangenen Jahren öfter diskutiert wurde, ist das Gendern. Khuon bemĂŒht sich darum und spricht bei manchen Wörtern ein «*innen» mit Pause. Zur Frage, warum er sich dafĂŒr entschieden hat, sagte er: Er als Mann könne nicht sagen, das generische Maskulinum habe es schon immer gegeben und Frauen und alle anderen Geschlechter seien mitgemeint.

«Es gilt: Das GegenĂŒber bestimmt, was ankommt. Und da hat natĂŒrlich auch mein Umfeld hier dazu beigetragen», erzĂ€hlte Khuon im GesprĂ€ch. Sie hĂ€tten zum Beispiel eine queere Arbeitsgruppe am Haus und von dieser habe er sehr viel gelernt. «Ich habe in meinem eigenen Leben so viel Bescheidwisserei produziert, dass ich immer sagen wĂŒrde: 'Üben zuzuhören.'»

«Also die Sprache ist wichtig, weil sie natĂŒrlich auch etwas erzĂ€hlt ĂŒber meine Haltung, aber die Haltung selbst ist trotzdem noch wichtiger», sagte Khuon. Es sei auch eine Gefahr, dass man auf der sprachlichen Ebene immer super korrekt sei, dann aber ganz anders denke und handle. «Deswegen finde ich: Wie wir Menschen begegnen, ist das Entscheidende. Aber wie wir sprechen, sagt schon auch etwas darĂŒber aus, wie wir ihnen begegnen wollen.»

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