Meistens zu trocken: 2025 war extrem blitzarm
03.01.2026 - 04:00:312025 hat es in Deutschland ungewöhnlich selten geblitzt. 99.930 Erdblitze zĂ€hlte der Informationsdienst Aldis/Blids im Jahresverlauf. Das waren nicht einmal halb so viele wie im Vorjahr, als das Sensornetzwerk der in Ăsterreich ansĂ€ssigen Experten 209.619 EinschlĂ€ge registrierte.
Auch in bis 2005 zurĂŒckreichenden Daten von Aldis/Blids findet sich kein Jahr, in dem es auch nur annĂ€hernd so wenige Blitze gab, wie im vergangenen. Noch am nĂ€chsten kommt 2022 mit 148.664. In den Jahren 2021 und frĂŒher sind ĂberschĂ€tzung der Blitzzahlen möglich und Vergleiche daher schwierig, sie weisen allerdings ebenfalls sehr viel höhere Werte zwischen 208.845 und mehr als einer halben Million Blitzen auf.Â
Doch warum war 2025 so blitzarm? Wetter ist komplex, die Antwort also vielschichtig, doch ein wichtiger Effekt ist relativ klar: in den meisten der gewittertrĂ€chtigen Monate war es diesmal schlicht zu trocken. Hohe Blitzzahlen gibt es typischerweise von Mai bis September, die allermeisten im Juni, Juli und August. Und laut Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war es - abgesehen vom Juli und September - deutlich trockener als sonst. Und ausgerechnet im Juli war es zwischenzeitlich eher kalt.Â
Feuchte, Energie und ein Hebeimpuls
Damit fehlte also relativ oft eine der zentralen Zutaten fĂŒr Blitze: FĂŒr Gewitter brauche man feuchte und energiereiche Luftmassen, erklĂ€rt Tanja Egerer vom DWD, zudem groĂe Temperaturunterschiede zwischen oben und unten und einen Hebungsimpuls, der dafĂŒr sorgt, dass die Luft vom Boden nach oben kommt. Letzteres kann beispielsweise ein Gebirge, Hitze am Boden oder auch ein Impuls aus höheren Luftschichten sein. «Oft geht es um die Mittagszeit im Bergland mit Gewittern los, die dann abhĂ€ngig von den StrömungsverhĂ€ltnissen ins Umland ziehen», erklĂ€rt die Meteorologin.Â
Da wundert es kaum, dass in der Vergangenheit oft Landkreise am Alpenrand besonders hohe Blitzdichten aufwiesen. FĂŒr das gerade vergangene Jahr gibt es zwar noch keine Zahlen auf Basis von Landkreisen, Kreisen oder kreisfreien StĂ€dten, doch im Vergleich der BundeslĂ€nder sticht Bayern mit 30.096 Blitzen klar heraus. Dass der Freistaat seit 2005 noch jedes Jahr an der Spitze lag, verdankt er dabei allerdings nicht nur seiner NĂ€he zu den Alpen, sondern auch der gröĂten FlĂ€che unter den BundeslĂ€ndern.Â
Der Norden ist blitzÀrmer
Auf Platz zwei der Blitzstatistik folgt Baden-WĂŒrttemberg mit etwas weniger als 14.813 Blitzen vor Nordrhein-Westfalen mit 11.057. Hamburg kam dagegen nur auf 77, Bremen auf 101 und Berlin auf 105. BlitzĂ€rmste FlĂ€chenlĂ€nder waren das Saarland mit 718 und Schleswig-Holstein mit 1.824.Â
Auch bei der zeitlichen Verteilung hielten sich die Blitze weitgehend an den ĂŒblichen Ablauf - nur eben auf niedrigerem Niveau: Der blitzreichste Monat war mit 29.453 EinschlĂ€gen der Juni, gefolgt vom Juli mit 23.986 und dem Mai mit 18.837. Am anderen Ende liegt der Dezember, in dem nur ein einziger Blitz gemessen wurde. Im November waren es 43, im Februar 44.Â
Mit der ungewöhnlich niedrigen Zahl an Blitzen im abgelaufenen Jahr ist Deutschland ĂŒbrigens nicht alleine. Aldis/Blids zĂ€hlt auch in Ăsterreich, der Schweiz, den Niederlanden und in Frankreich. Ăberall ist 2025 das bisher blitzĂ€rmste Jahr in den veröffentlichten Daten.
Es kommt auf die ZĂ€hlweise an
Die von Aldis/Blids erhobenen Zahlen unterscheiden sich von anderen Blitzstatistiken, die daher teilweise zu deutlich anderen Ergebnissen kommen. In der hier genannten Statistik zĂ€hlen nur Erdblitze - also EinschlĂ€ge und keine Entladungen in den Wolken - und jeder Blitz nur einmal. HĂ€ufig kommt es nĂ€mlich vor, dass durch einen Blitzkanal in kĂŒrzester Zeit mehrere Entladungen flieĂen. FĂŒr Beobachter sieht das wie ein Flackern des Blitzes aus. In manchen Statistiken werden dann mehrere Blitze gezĂ€hlt, in der hier vorliegenden nur einer.







