MĂ€nner, SĂŒdwesten

MĂ€nner leben im SĂŒdwesten vier Jahre lĂ€nger als im Osten

17.08.2025 - 05:50:38

Vier Jahre Lebensunterschied – je nach Wohnort: In Baden-WĂŒrttemberg können MĂ€nner statistisch auf fast 80 Jahre hoffen, in Sachsen-Anhalt auf gut 75. Wann Ă€ndert sich das?

  • Laut Statistik gibt es bei der Lebenserwartung von MĂ€nnern und Baden-WĂŒrttemberg und Sachsen-Anhalt den grĂ¶ĂŸten Unterschied. (Symbolbild) - Foto: Stefan Puchner/dpa

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  • Experten rechnen nicht mit einer schnellen Angleichung der Lebenserwartung von MĂ€nnern in Sachsen-Anhalt und im SĂŒdwesten Deutschlands. (Symbolbild) - Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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Laut Statistik gibt es bei der Lebenserwartung von MĂ€nnern und Baden-WĂŒrttemberg und Sachsen-Anhalt den grĂ¶ĂŸten Unterschied. (Symbolbild) - Foto: Stefan Puchner/dpaExperten rechnen nicht mit einer schnellen Angleichung der Lebenserwartung von MĂ€nnern in Sachsen-Anhalt und im SĂŒdwesten Deutschlands. (Symbolbild) - Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Kaum anderswo in Deutschland ist der Unterschied bei der Lebenserwartung Neugeborener so groß wie zwischen Baden-WĂŒrttemberg und Sachsen-Anhalt. Statistisch gesehen können MĂ€nner im SĂŒdwesten auf vier Lebensjahre mehr hoffen als in dem östlichen Bundesland. An dieser Kluft wird sich nach EinschĂ€tzung von Experten so schnell nichts Ă€ndern. 

Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken im Bundestag betrĂ€gt die Lebenserwartung bei Geburt von MĂ€nnern in Sachsen-Anhalt 75,49 Jahre - das ist der bundesweit niedrigste Wert. In Baden-WĂŒrttemberg seien es dagegen 79,64 Jahre. Bei Frauen in den beiden BundeslĂ€ndern war der Unterschied mit zwei Jahren nicht so groß.

Was bedeutet Lebenserwartung konkret?

Wichtig zu wissen: Die «Lebenserwartung bei Geburt» fasst die Sterblichkeit ĂŒber alle Altersjahre hinweg in einem Wert zusammen. Dieser Wert ist von der Altersstruktur und von der GrĂ¶ĂŸe der Bevölkerung unabhĂ€ngig. Es handelt sich - trotz des Namens - nicht um eine Prognose fĂŒr heute Neugeborene.

Die Werte aus den beiden BundeslĂ€ndern beziehen sich auf die durchschnittliche Lebenserwartung, die in den Jahren von 2021 bis 2023 in offiziellen Statistiken ermittelt wurde. Auch neuere Statistiken belegen diese Kluft zwischen Baden-WĂŒrttemberg und Sachsen-Anhalt. Bundesweit betrug die Lebenserwartung bei Geburt laut Statistischem Bundesamt 2024 fĂŒr MĂ€nner im Durchschnitt 78,9 Jahre und fĂŒr Frauen 83,5 Jahre. 

Welche Entwicklung erwarten Experten?

Laut Bundesinstitut fĂŒr Bevölkerungsforschung (BiB) gab es in den beiden BundeslĂ€ndern nach der deutschen Wiedervereinigung eine Phase starker AnnĂ€herung bei der Lebenserwartung von Frauen, die Anfang der 2000er Jahre endete. «Bei den MĂ€nnern scheinen die Trends zwischen diesen beiden BundeslĂ€ndern auseinanderzugehen. Es spricht also nichts dafĂŒr, dass sich diese beiden Regionen in naher Zukunft einander annĂ€hern werden», sagte Pavel Grigoriev, Leiter der Forschungsgruppe MortalitĂ€t beim BiB.

Um zu Baden-WĂŒrttemberg aufzuschließen, reiche es nicht aus, dass die Lebenserwartung in Sachsen-Anhalt steige, sagte Grigoriev der Deutschen Presse-Agentur. «Der Fortschritt in der Lebenserwartung in Sachsen-Anhalt mĂŒsste wesentlich schneller sein als in Baden-WĂŒrttemberg.»

Warum geht die Lebenserwartung derart auseinander?

Die GrĂŒnde dafĂŒr, wie alt Menschen in bestimmten Regionen können, sind unterschiedlich. Das Bundesinstitut verweist zum Beispiel auf die Zusammensetzung der Bevölkerung mit Blick auf Bildung, kulturelle PrĂ€gung, Altersstruktur. Aber auch Faktoren wie ökonomischer Entwicklungsstand, das Gesundheitswesens und ökologische Bedingungen spielten eine Rolle.

Der Vergleich des Bruttoinlandsprodukts, der Gesamtwert aller produzierten Waren und Dienstleistungen, zeigt zum Beispiel: In Baden-WĂŒrttemberg wurden im vergangenen Jahr Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 650,2?Milliarden Euro erstellt, in Sachsen-Anhalt waren es 79,4 Milliarden.

Aber auch das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung wie der Umgang mit Rauchen, Alkohol, ErnĂ€hrung und Bewegung spielten eine wichtige Rolle, sagte Grigoriev. «TatsĂ€chlich war Baden-WĂŒrttemberg die Region mit einer der niedrigsten durch Rauchen verursachten Sterblichkeit in Deutschland.»

Was fordert die Politik als Konsequenz?

Die aus Sachsen-Anhalt stammende Linke-Bundestagsabgeordnete Janina Böttger kritisierte: «WĂ€hrend wohlhabende Menschen in Baden-WĂŒrttemberg oder Bayern oft viele Jahre lĂ€nger leben, haben Menschen in Ă€rmeren Regionen schlechtere Karten – gesundheitlich, sozial und wirtschaftlich.» Diese Ungleichheit sei messbar – und politisch nicht hinnehmbar.

Böttger sagte, es sei Aufgabe des Staates, insbesondere in benachteiligten Regionen fĂŒr einen sozialen Ausgleich zu sorgen. «Der Wohnort darf nicht ĂŒber Lebenserwartung und Lebenschancen entscheiden.»

Dem Experten Grigoriev zufolge bestehen regionale Unterschiede in der Sterblichkeit im Allgemeinen in allen LĂ€ndern. «Im internationalen Vergleich sind die regionalen Unterschiede in Deutschland eher gering.» Dennoch seien sie betrĂ€chtlich - besonders, wenn man die neuen und alten BundeslĂ€nder wie Sachsen-Anhalt und Baden-WĂŒrttemberg vergleiche.

@ dpa.de