Venezuela, Erdbeben

Über 1400 Erdbebentote in Venezuela – Suche lĂ€uft weiter

27.06.2026 - 22:03:33 | dpa.de

Zehntausende gelten nach den schweren Erdbeben in Venezuela als vermisst. Die Suche lĂ€uft weiter, wĂ€hrend die Chancen fĂŒr Überlebende mit jeder Stunde sinken. Die Zahl der Toten steigt.

  • Eine Frau weint neben beschĂ€digten GebĂ€uden, drei Tage nach dem Erdbeben in La Guaira. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
    Eine Frau weint neben beschÀdigten GebÀuden, drei Tage nach dem Erdbeben in La Guaira. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
  • Oscar Perez umarmt seine Familie, nachdem er sie drei Tage nach dem Erdbeben in La Guaira wiedergefunden hat. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
    Oscar Perez umarmt seine Familie, nachdem er sie drei Tage nach dem Erdbeben in La Guaira wiedergefunden hat. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
  • Die amtierende PrĂ€sidentin Delcy Rodriguez besucht ein vom Erdbeben betroffenes Gebiet in Caracas. - Bild: Pedro Mattey/AP/dpa
    Die amtierende PrÀsidentin Delcy Rodriguez besucht ein vom Erdbeben betroffenes Gebiet in Caracas. - Bild: Pedro Mattey/AP/dpa
  • Auch im venezolanischen Catia La Mar sind ganze GebĂ€ude beim schweren Doppelbeben am Mittwoch eingestĂŒrzt.  - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
    Auch im venezolanischen Catia La Mar sind ganze GebĂ€ude beim schweren Doppelbeben am Mittwoch eingestĂŒrzt. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
  • Das Ausmaß des Verlusts an Menschenleben wird nur langsam deutlicher. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
    Das Ausmaß des Verlusts an Menschenleben wird nur langsam deutlicher. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
  • EinsatzkrĂ€fte des THW sind in Venezuela eingetroffen.  - Bild: Marc Tessensohn/THW/dpa
    EinsatzkrÀfte des THW sind in Venezuela eingetroffen. - Bild: Marc Tessensohn/THW/dpa
Eine Frau weint neben beschĂ€digten GebĂ€uden, drei Tage nach dem Erdbeben in La Guaira. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa Oscar Perez umarmt seine Familie, nachdem er sie drei Tage nach dem Erdbeben in La Guaira wiedergefunden hat. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa Die amtierende PrĂ€sidentin Delcy Rodriguez besucht ein vom Erdbeben betroffenes Gebiet in Caracas. - Bild: Pedro Mattey/AP/dpa Auch im venezolanischen Catia La Mar sind ganze GebĂ€ude beim schweren Doppelbeben am Mittwoch eingestĂŒrzt.  - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa Das Ausmaß des Verlusts an Menschenleben wird nur langsam deutlicher. - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa EinsatzkrĂ€fte des THW sind in Venezuela eingetroffen.  - Bild: Marc Tessensohn/THW/dpa

Das Ausmaß der Erdbebenkatastrophe in Venezuela wird immer deutlicher. Die vorlĂ€ufige Zahl der Todesopfer ist bereits auf 1.430 gestiegen, mehr als 3.200 Menschen wurden verletzt, wie der PrĂ€sident der Nationalversammlung, Jorge RodrĂ­guez, mitteilte. Noch immer werden Tausende Menschen unter den TrĂŒmmern vermutet. Drei Tage nach dem Doppelbeben schwinden von Stunde zu Stunde die Hoffnungen, noch Überlebende zu finden. Viele werden jedoch noch lebend gefunden.

So gelang es etwa einem kolumbianischen Team nach einem sechsstĂŒndigen Einsatz einen 11-JĂ€hrigen im Bundesstaat La Guaira zu bergen, wie ein Video der kolumbianischen Katastrophenbehörde UNGRD zeigt. Auch Teams aus El Salvador und Spanien feierten erfolgreiche Bergungen. 

Nach den Erdbeben der StĂ€rke 7,2 und 7,5 am Mittwoch habe es 430 Nachbeben gegeben, sagte RodrĂ­guez, der Bruder der geschĂ€ftsfĂŒhrenden PrĂ€sidentin Delcy RodrĂ­guez. Mehr als 70.000 Familien seien nach der Katastrophe von den Behörden unterstĂŒtzt worden. Besonders im Bundesstaat La Guaira, aber auch in der Hauptstadt Caracas, haben die Beben erhebliche Zerstörungen verursacht. Teils sind ganze StraßenzĂŒge mit HochhĂ€usern dem Erdboden gleichgemacht worden.

Wohl keine Überlebende in eingestĂŒrztem WohngebĂ€ude in Caracas

Der Einsatz internationaler Rettungsteams, auch aus Deutschland, hat die Suche nach Überlebenden zwar beschleunigt. FĂŒr Angehörige von Vermissten aber zum Teil auch traurige Gewissheit gebracht. Nach Erkundungsarbeiten schlossen etwa mexikanische RettungskrĂ€fte in einem eingestĂŒrzten GebĂ€ude im Stadtbezirk Chacao der Hauptstadt Caracas die Möglichkeit aus, dort noch lebende Menschen zu finden.

«Sie halten es aufgrund des Gewichts der Konstruktion fĂŒr sehr unwahrscheinlich, dass sich dort noch Überlebende befinden», sagte der BĂŒrgermeister von Chacao, Gustavo Duque, in einem Video vor dem WohngebĂ€ude Petunia. Das dort eingesetzte Rettungsteam habe nach einer ersten Inspektion festgestellt, dass die Betonplatten vollstĂ€ndig zusammengedrĂŒckt seien.

Hauptstadtbezirk Chacao wurde schwer betroffen

Der Bezirk Chacao im Osten der Hauptstadt gehört zu den am stĂ€rksten betroffenen Gebieten. In den modernen Vierteln Los Palos Grandes und Altamira sind mehrere GebĂ€ude eingestĂŒrzt - Ă€hnlich wie beim Erdbeben der StĂ€rke 6,3 im Jahr 1967, bei dem rund 250 Menschen ums Leben kamen.

Die umliegenden Straßen werden seit den Erdbeben am Mittwoch von Polizei und Soldaten abgesperrt, um verzweifelte Angehörige, die nach Nachrichten ĂŒber Vermisste suchen, am Betreten der UnglĂŒcksstelle zu hindern. 

Silvia D'Avino weinte vor den schweren Baumaschinen der Rettungsteams. Ihre Schwester und deren Sohn lebten in einem der eingestĂŒrzten Wohnkomplexe. «Kaum hatte ich erfahren, was vorgefallen war, bin ich hergekommen und musste feststellen, dass das GebĂ€ude in TrĂŒmmern lag», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Buhrufe fĂŒr die PrĂ€sidentin

Am Freitag besuchte PrĂ€sidentin RodrĂ­guez Chacao. Medienberichten zufolge wurde sie dabei ausgebuht. Eine Frau warf ihr vor, die Tragödie fĂŒr politische Zwecke zu instrumentalisieren, wie in einem Video zu sehen war, das unter anderem die Zeitung «El Nacional» veröffentlichte.

Rodríguez hat als einstige Stellvertreterin des langjÀhrigen Machthabers Nicolås Maduro die RegierungsgeschÀfte Venezuelas inne, seit das US-MilitÀr Maduro in Caracas im Januar gefangen nahm, um ihn wegen Drogendelikten in den USA vor Gericht zu stellen.

Der Verbleib von Zehntausenden Menschen ist weiterhin unklar 

Viele Anwohner in den betroffenen Regionen haben kein festes Dach ĂŒber dem Kopf. Man begleite die Familien, die wegen bestehender Risiken und SchĂ€den nicht in ihr Zuhause zurĂŒckkehren könnten, erklĂ€rte RodrĂ­guez auf X. «Wir haben provisorische UnterkĂŒnfte und die notwendige umfassende Betreuung bereitgestellt, um jede Familie zu schĂŒtzen.»

Mehr als 380 WohnhĂ€user sowie 13 KrankenhĂ€user wurden nach Angaben der PrĂ€sidentin zerstört oder schwer beschĂ€digt. Auch Einkaufszentren und andere öffentliche GebĂ€ude seien eingestĂŒrzt. Der Verbleib von Zehntausenden Menschen ist völlig unklar, Angehörige können sich oft nicht erreichen - noch immer Strom und Mobilfunknetz nicht flĂ€chendeckend wiederhergestellt.

Hilfe trifft ein - auch aus Deutschland

RettungskrÀfte aus vielen LÀndern beteiligten sich mit SpezialgerÀtschaften und Suchhunden. Auch ein 48-köpfiges Team des Technischen Hilfswerks (THW) ist in Venezuela eingetroffen. Man sei in der Nacht am Flughafen Caracas gelandet und beginne nun gemeinsam mit internationalen Partnern mit der Lageerkundung, teilte das THW mit. Ziel sei, so schnell wie möglich mit der Suche nach Vermissten zu beginnen. Dies sei allerdings ein «Wettlauf gegen die Zeit».

Auf einem eigens fĂŒr die Suche nach Vermissten eingerichteten Internetportal gelten nach Angaben der Betreiber derzeit mehr als 55.000 Menschen als vermisst. Auf der inoffiziellen Plattform können Angehörige und Bekannte Fotos zusammen mit weiteren Informationen hochladen. Die Angaben lassen sich allerdings nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Derweil schließt sich allmĂ€hlich das kritische Zeitfenster, um noch Überlebende zu finden. Experten gehen davon aus, dass die Chancen der Vermissten und VerschĂŒtteten nach 72 Stunden stark sinken.

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