Nordrhein-Westfalen, Justiz

Kinder eingesperrt und misshandelt: Paar muss ins GefÀngnis

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 16:36 Uhr, dpa.de

Die Kinder erhielten kaum Nahrung, durften nie raus und wurden immer wieder geschlagen: Gemeinsam mit ihrem Partner sperrt eine Mutter bei Bonn ihre Kinder ein. Nun muss das Paar ins GefÀngnis.

Das Urteil fiel am Bonner Landgericht. (Archivbild) - Bild: Thomas Banneyer/dpa
Das Urteil fiel am Bonner Landgericht. (Archivbild) - Bild: Thomas Banneyer/dpa

Wegen der monatelangen grausamen Misshandlung ihrer drei kleinen Söhne hat das Landgericht Bonn eine Mutter und ihren LebensgefĂ€hrten zu jeweils fĂŒnfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Jugendschutzkammer sprach die 22-jĂ€hrige Frau und den 30-jĂ€hrigen Mann wegen gemeinschaftlicher schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig.

Die damals zwei, drei und fĂŒnf Jahre alten Jungen waren ĂŒber fĂŒnf Monate hinweg in einer abgedunkelten, völlig verwahrlosten Wohnung fixiert worden, die laut Gericht «bestialisch nach FĂ€kalien stank» und von Maden sowie Fliegen befallen war. Die RĂ€ume in ZĂŒlpich im Kreis Euskirchen waren mit WindelsĂ€cken so zugemĂŒllt, dass sie kaum noch betreten werden konnten.

Die Kinder erhielten demnach kaum Nahrung, kamen nie an die frische Luft und wurden regelmĂ€ĂŸig geschlagen, oft weil sie dem Paar zu laut waren. Trotz teilweise lebensbedrohlicher ZustĂ€nde verweigerten die Angeklagten den Jungen jede Ă€rztliche Hilfe aus Angst, dass die VernachlĂ€ssigung entdeckt und ihnen die Kinder weggenommen wĂŒrden.

Zahlreiche KnochenbrĂŒche und HĂ€matome

Medizinische Untersuchungen ergaben spĂ€ter neben zahlreichen HĂ€matomen mindestens zwölf alte und neue KnochenbrĂŒche bei den Kindern. Ein sichergestellter Chatverlauf belegte zudem, dass das Paar die Notlage genau kannte, sich aber stattdessen abfĂ€llig ĂŒber die Kinder Ă€ußerte. Die Kammer warf den Angeklagten Eigensucht und böswillige VernachlĂ€ssigung vor.

WĂ€hrend die Mutter ihre Überforderung mit einer erneuten Schwangerschaft und einer eigenen gewaltgeprĂ€gten Kindheit erklĂ€rte, behauptete der Partner, die Frau habe als «die Chefin» Ă€rztliche Hilfe untersagt. Er habe sich wegen des gemeinsamen ungeborenen Kindes nicht trennen wollen.

Der Fall kam Ende April 2025 ans Licht, als zwei der Jungen bei KĂ€lte nur mit T-Shirts bekleidet auf der Straße entdeckt wurden. In der Wohnung fanden Beamte schließlich das dritte Kind, dessen UnterernĂ€hrung laut Ärzten langfristige SchĂ€den befĂŒrchten lĂ€sst. Alle Kinder, inklusive eines im Mai 2025 geborenen vierten Sohnes, leben heute in Pflegefamilien.

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