Deutschland, Bank

Brorhilker: Kriminelle FinanzgeschÀfte laufen weiter

19.05.2026 - 12:00:06 | dpa.de

Als Ermittlerin trieb sie die Aufarbeitung des Cum-Ex-Steuerskandals voran. Nun fordert Anne Brorhilker hÀrtere Schritte der Politik gegen FinanzkriminalitÀt.

  • Ex-Ermittlerin Anne Brorhilker fordert ein hĂ€rteres Durchgreifen bei SteuerkriminalitĂ€t. (Archivbild) - Foto: Carsten Koall/dpa
    Ex-Ermittlerin Anne Brorhilker fordert ein hÀrteres Durchgreifen bei SteuerkriminalitÀt. (Archivbild) - Foto: Carsten Koall/dpa
  • Steuerbetrug mit Cum-Ex-Deals war weit verbreitet. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa
    Steuerbetrug mit Cum-Ex-Deals war weit verbreitet. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa
Ex-Ermittlerin Anne Brorhilker fordert ein hÀrteres Durchgreifen bei SteuerkriminalitÀt. (Archivbild) - Foto: Carsten Koall/dpa Steuerbetrug mit Cum-Ex-Deals war weit verbreitet. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa

Die frĂŒhere OberstaatsanwĂ€ltin Anne Brorhilker glaubt, dass Steuerhinterziehung mit komplexen FinanzgeschĂ€ften auch Jahre nach der Hochphase von Cum-Ex-Aktiendeals verbreitet ist. Die Justiz in Deutschland habe nicht die KapazitĂ€ten, um den Börsenhandel komplett zu kontrollieren, sagte Brorhilker im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). 

«Das Entdeckungsrisiko ist weiter klein.» Grund sei, dass sich staatliche Strukturen nicht geĂ€ndert hĂ€tten. Es gebe zu wenige speziell ausgebildete Ermittler im Kampf gegen komplexe WirtschaftskriminalitĂ€t, sagte Brorhilker, die seit 2024 VorstĂ€ndin beim Verein BĂŒrgerbewegung Finanzwende ist. «Man muss sich keine Illusionen machen, dass kriminelle FinanzgeschĂ€fte weiter laufen.» 

Auch bei den Cum-Ex-Aktiendeals, bei denen sich Banken eine einmal gezahlte Kapitalertragsteuer vom Staat doppelt erstatten ließen und so einen zweistelligen Milliardenschaden verursachten, ist Brorhilker ĂŒberzeugt, dass diese nicht vorĂŒber sind. Es sei davon auszugehen, dass solche kriminellen GeschĂ€fte «wahrscheinlich» weiterliefen, sagte sie. So gebe es einen öffentlich bekannten Cum-Ex-Fall aus dem Jahr 2016, also Jahre, nachdem 2012 der Gesetzgeber auf die illegalen AktiengeschĂ€fte reagiert hatte.

Es fehle in Deutschland eine zentrale Staatsanwaltschaft, um FinanzkriminalitÀt zu bekÀmpfen, kritisierte Brorhilker. Deutschland brauche eine zentrale Behörde gegen schwere WirtschaftskriminalitÀt nach österreichischem Vorbild. Es sei Aufgabe der Politik, das zu Àndern.

Milliarden-Steuerschaden 

Bei Cum-Ex-Deals von Banken und Investmentgesellschaften wurden rund um den Dividendenstichtag Aktien mit und ohne AusschĂŒttungsanspruch hin- und hergeschoben. Am Ende erstatteten FinanzĂ€mter Steuern auf Dividenden, die gar nicht gezahlt worden waren. Die Politik schritt erst 2012 mit einer GesetzesĂ€nderung ein. Brorhilker war OberstaatsanwĂ€ltin bei der Staatsanwaltschaft Köln und wichtigste Ermittlerin im Cum-Ex-Steuerskandal. 

In den Cum-Ex-Skandal sind viele Banken verstrickt. Nach und nach werden immer mehr Angeklagte verurteilt, darunter die SchlĂŒsselfigur Hanno Berger. Er muss wegen schwerer Steuerhinterziehung eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Jahren verbĂŒĂŸen, wie kĂŒrzlich das Landgericht Bonn entschied.

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