Arbeitsbelastung: 40 Prozent der Beschäftigten trauen sich Rente nicht zu
05.07.2026 - 05:09:31 | boerse-global.de
Das zeigt eine neue Auswertung des DGB-Index Gute Arbeit. Besonders in körperlich belastenden Branchen ist die Skepsis groß.
Vor allem Pflege und Bau betroffen
Rund 28.000 Menschen nahmen zwischen 2022 und 2026 an der Befragung teil. Nur 53 Prozent trauen sich zu, ohne Einschränkungen bis zur Rente zu arbeiten. In einigen Berufen sieht es düster aus:
- Sanitär und Heizung: 72 Prozent zweifeln am Durchhalten
- Krankenpflege: 71 Prozent
- Altenpflege: 67 Prozent
- Hochbau: 66 Prozent
- Erzieher: 57 Prozent
Die Hauptbelastungen: schwere körperliche Arbeit, Lärm und Zeitdruck. Jeder vierte Befragte rechnet sogar damit, noch vor der Rente arbeitsunfähig zu werden.
DGB-Chefin Yasmin Fahimi spricht von einem „bitteren Befund“. Sie fordert bessere Arbeitsbedingungen und würdige Übergänge in den Ruhestand – statt einer weiteren Anhebung des Rentenalters.
Rentenkommission stößt auf Ablehnung
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Bereits im Juni hatte die Rentenkommission vorgeschlagen, das Renteneintrittsalter ab 2032 an die Lebenserwartung zu koppeln. Die Folge: Die Altersgrenze könnte bis 2041 auf 67,5 Jahre und bis 2051 auf 68 Jahre steigen. Außerdem soll die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren auslaufen.
Die Bevölkerung ist dagegen. Laut ARD-DeutschlandTREND vom Juli lehnen 63 Prozent die Kopplung an die Lebenserwartung ab. 70 Prozent wollen die abschlagsfreie Rente behalten. Insgesamt misstrauen 52 Prozent der aktuellen Rentenpolitik. Besonders groß ist die Sorge im Osten: 59 Prozent fürchten finanzielle Probleme im Alter, im Westen sind es 45 Prozent.
Streit um strengere Krankschreibungen
Parallel dazu sorgt ein Regierungsvorhaben für Zündstoff: die Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Eine Civey-Umfrage vom 2. und 3. Juli zeigt ein gespaltenes Bild: 49 Prozent sind dafür, 42 Prozent dagegen. Besonders Eltern lehnen die Verschärfung ab.
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DIW-Ökonom Daniel Graeber warnt vor den Folgen. Eine Attestpflicht ab Tag eins könnte die Fehlzeiten sogar steigen lassen – weil mehr Praxisbesuche zu mehr Ansteckungen führen. Zudem macht die telefonische Krankschreibung nur ein Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel befürchtet überlastete Arztpraxen und mehr Präsentismus – also Arbeiten trotz Krankheit.
Unterstützung kommt von Arbeitgeberseite. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert neben der Rentenalters-Kopplung auch die Abschaffung der Rente mit 63. Ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln vom 3. Juli stärkt zudem die Position von Arbeitgebern bei Zweifeln an Krankschreibungen – etwa wenn auffällige zeitliche Zusammenhänge mit Konflikten am Arbeitsplatz bestehen.
