Arbeitsschutz, Cybersicherheit

Arbeitsschutz: 29.500 Unternehmen mĂŒssen ab Dezember Cybersicherheit integrieren

17.06.2026 - 00:30:13 | boerse-global.de

Die neue DIN EN 17975 und die Integration von Cybersicherheit erhöhen die Anforderungen an den betrieblichen Arbeitsschutz erheblich.

Neue DIN-Norm und Cybersicherheit: Arbeitsschutz wird komplexer
Arbeitsschutz - Ein Arbeitssicherheitsspezialist ĂŒberprĂŒft digitale PlĂ€ne in einer modernen Produktionsanlage mit Sicherheitskennzeichnungen und LOTO-GerĂ€ten. 17.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Gleich zwei Entwicklungen treiben den Wandel voran.

Seit dem 16. Juni 2026 gibt es einen europaweit einheitlichen Standard fĂŒr die Kontrolle gefĂ€hrlicher Energien. Die neue Norm DIN EN 17975 definiert erstmals detaillierte Vorgaben fĂŒr das Lockout-Tagout-Verfahren (LOTO) bei Wartungs- und Reparaturarbeiten.

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Bisher orientierten sich europÀische Unternehmen dabei oft an US-amerikanischen Vorgaben. Das Àndert sich nun grundlegend.

Was die neue Norm fordert

Die DIN EN 17975 beschreibt prÀzise Prozesse zur Energietrennung und Verriegelung. Sie umfasst nicht nur elektrische Quellen, sondern auch pneumatische, hydraulische, mechanische und thermische Energien. Auch Fluide, Chemikalien und Gase sind erfasst.

Ziel ist die Vermeidung von UnfĂ€llen durch unerwartetes Anlaufen von Maschinen oder unkontrollierte Freisetzung gespeicherter Energien – etwa in Federn oder Druckspeichern.

Ein zentraler Punkt: Die Norm schreibt verbindliche Schulungen fĂŒr das Personal vor. Die reine Kennzeichnung reicht nicht mehr. Experten betonen, dass die Umsetzung spezialisierte FachkrĂ€fte erfordert, die GefĂ€hrdungsbeurteilungen rechtssicher durchfĂŒhren können.

Parallel dazu forcieren BerufsverbĂ€nde eine engere Verzahnung von Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit. Mit der „Berliner ErklĂ€rung zur interdisziplinĂ€ren PrĂ€vention“ vom 11. Juni 2026 wollen der VDSI und der VDBW die Zusammenarbeit zwischen BetriebsĂ€rzten und SicherheitsfachkrĂ€ften stĂ€rken.

Cybersicherheit wird Teil des Arbeitsschutzes

Ein weiterer Treiber ist die Digitalisierung der Betriebstechnik. Ein am 16. Juni 2026 veröffentlichtes Whitepaper des TÜV SÜD zeigt: Unternehmen mĂŒssen Cybersicherheit direkt in ihr Arbeitsschutzmanagement integrieren.

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Der Hintergrund: JĂ€hrliche SchĂ€den durch Cyberangriffe liegen bei rund 200 Milliarden Euro, wie der Branchenverband Bitkom belegt. Regulatorische Vorgaben wie die NIS-2-Richtlinie und der Cyber Resilience Act (CRA) rĂŒcken daher in den Fokus.

Ab Dezember 2026 wird das deutsche NIS-2-Gesetz fĂŒr rund 29.500 Unternehmen verbindlich. Sie mĂŒssen dann dokumentierte Informationssicherheitsmanagementsysteme (ISMS) vorweisen und strenge Meldepflichten gegenĂŒber dem BSI erfĂŒllen.

Hersteller von Produkten mit digitalen Elementen stehen vor weiteren Fristen: Ab dem 11. September 2026 mĂŒssen schwerwiegende SicherheitsvorfĂ€lle innerhalb kurzer Zeit gemeldet werden. Die zentralen Pflichten des CRA greifen ab Dezember 2027.

Das Whitepaper empfiehlt den PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act), um verschiedene Regelwerke wie ISO 27001, Betriebssicherheitsverordnung und IEC 62443 effizient in einem konsolidierten Managementsystem abzubilden.

FachkrÀftemangel: Unternehmen setzen auf Quereinsteiger

Der steigende Bedarf trifft auf einen angespannten Arbeitsmarkt. Eine Analyse der Stepstone Group vom 16. Juni 2026 zeigt: Der Anteil der Stellenausschreibungen, die explizit Quereinsteiger ansprechen, ist seit 2019 um mehr als das Sechsfache gestiegen.

Besonders in Produktion und Handwerk zeigen sich Unternehmen offen fĂŒr branchenfremde Bewerber. Laut der Untersuchung haben sich 37 Prozent der BeschĂ€ftigten in den vergangenen zwölf Monaten auf eine stelle außerhalb ihres ursprĂŒnglichen Bereichs beworben.

Die Notwendigkeit verifizierter Qualifikationen wird durch aktuelle VorfÀlle unterstrichen. In Italien wurden am 15. Juni 2026 vier Personen unter Hausarrest gestellt. Ihnen wird vorgeworfen, systematisch Zertifikate zur Arbeitssicherheit, Schulungsbescheinigungen und Àrztliche Eignungsurteile gefÀlscht zu haben.

Solche Risiken erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre internen Compliance-Prozesse und die Auswahl ihrer Partner zu verschĂ€rfen. Die neuen Standards und die digitale Transformation machen den Arbeitsschutz komplexer – und die Nachfrage nach echten Experten steigt weiter.

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