Arbeitsschutz, Hitze

Arbeitsschutz bei Hitze: Ab 30 Grad steigt Unfallrisiko um 7%

09.06.2026 - 11:51:04 | boerse-global.de

Mediziner definieren kritische Temperaturgrenzen für Büro und Betrieb. Arbeiterkammer und Gewerkschaften fordern verbindliche Schutzregeln für Innenräume.

Hitze am Arbeitsplatz: Neue Studie fordert gesetzliche Grenzwerte
Arbeitsschutz - Ein Bauarbeiter wischt sich unter der gleißenden Sonne den Schweiß von der Stirn, was Hitzestress am Arbeitsplatz symbolisiert. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Sie definiert medizinische Richtwerte für die Arbeit bei Hitze und fordert gesetzliche Belastungsgrenzen.

Die Untersuchung basiert auf mehr als 17.000 Einzelberechnungen. Die Ergebnisse zeigen: Bereits ab 27 Grad Celsius sinkt die geistige Leistungsfähigkeit deutlich. Ab 30 Grad steigt das Unfallrisiko um sieben Prozent.

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Als kritische Grenze identifizierten die Mediziner eine Körperkerntemperatur von 38,5 Grad. Bei diesem Wert müsse die Arbeit unverzüglich abgebrochen werden.

Forderungen nach „Hitzefrei“ und strengeren Kontrollen

Arbeitnehmervertreter fordern nun eine gesetzliche Verankerung von Belastungsgrenzen. Auch ein Recht auf „Hitzefrei“ bei akuter Gesundheitsgefährdung steht auf der Agenda. Ines Stilling von der Arbeiterkammer Wien betonte die Notwendigkeit von verpflichtenden Messinstrumenten und strengeren Kontrollen in den Betrieben. Ein zentraler Punkt: Die Schutzregeln sollen auf Innenräume wie Krankenhäuser, Schulen und Werkshallen ausgeweitet werden.

Seit Januar 2026 gilt in Österreich bereits eine Hitzeschutzverordnung. Sie deckt jedoch primär Tätigkeiten im Freien ab. Der ÖGB wies darauf hin, dass sich die Zahl der Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad im Land verdreifacht habe. Laut einer Erhebung des Instituts FORBA berichteten im vergangenen Jahr bereits sechs von zehn Betriebsratsvorsitzenden von einer zunehmenden Hitzebelastung.

Langfristige Gesundheitsrisiken im Fokus

Neben akuter Erschöpfung sind langfristige Folgen ein zentrales Thema der Prävention. Im Zusammenhang mit UV-Belastung wurden 51 Fälle von weißem Hautkrebs als Berufskrankheit gemeldet. Übermäßige Hitze könne zudem chronische Nierenschäden verursachen oder das Krebsrisiko erhöhen.

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Anlässlich des Hitzeaktionstags am 11. Juni informiert die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) verstärkt über Symptome von Hitzeerschöpfung. Zu den Warnzeichen gehören feucht-kalte, blasse Haut, ein hoher Puls sowie Muskelkrämpfe und Übelkeit. Unbehandelt drohe ein Hitzeschlag mit dauerhaften Organ- oder Hirnschäden. Als Sofortmaßnahmen empfehlen Experten eine kühle Umgebung, feuchte Tücher und elektrolythaltige Getränke.

Mängel bei Schutzausrüstung

Ein Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) offenbart Schwierigkeiten bei der Schutzausrüstung. Von zwölf untersuchten UV-Schutzshirts für Kinder erfüllte nur die Hälfte den angegebenen Schutzfaktor 50+. In acht Produkten wurden zudem Bisphenole nachgewiesen – bei drei Modellen führte das zu einer negativen Bewertung. Experten betonen: Weder Marke noch Preis sind verlässliche Indikatoren für die Schutzqualität.

Auf internationaler Ebene zeichnet sich eine Stärkung des Arbeitsschutzes ab. Der Schweizer Bundesrat verabschiedete am 5. Juni eine Botschaft zur Ratifikation von IAO-Übereinkommen. Sie schreiben ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld als grundlegendes Prinzip fest.

In Deutschland fordern mehr als 150 Organisationen, darunter die Bundesärztekammer, den Hitzeschutz fest in der Krisenvorsorge und im Katastrophenschutz zu verankern. Hintergrund sind extreme Hitzephasen in Europa. Bereits Ende Mai wurden in Teilen Südfrankreichs und Norditaliens Temperaturen von über 40 Grad gemessen. Eine Fachkonferenz dazu ist für Mittwoch in Berlin angekündigt.

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